Kandel
Hohe Hürden für Erweiterung der Kandeler Bienwaldruhe
Die letzte Ruhe am Fuße eines Baumes im idyllischen Bienwald zu finden, scheint für viele eine relativ angenehme Vorstellung zu sein. Jedenfalls nutzten seit der Eröffnung der Bienwaldruhe im Frühjahr 2007 so viele Menschen diese Alternative zur Bestattung auf dem konventionellen Friedhof, dass man getrost von einem echten Erfolgsmodell sprechen kann. Das Problem: Seit geraumer Zeit gehen dort die Bäume aus, unter denen die eigene Urne beigesetzt werden kann.
Schon im Oktober 2016 war im Stadtrat die Rede von einer „verschärften Belegungssituation“ auf der 4,6 Hektar großen Fläche unweit des Naturfreundehauses, weshalb einstimmig eine Erweiterung beschlossen wurde. Ein gut 2 Hektar großes landwirtschaftlich genutztes Areal südlich der Bienwaldruhe sollte mit 750 Bäumen aufgeforstet werden, um neue Begräbnisstätten zu schaffen. Dieser Plan wurde allerdings recht schnell verworfen, denn die Hürden für eine Süderweiterung sind zu hoch, die vorgesehene Fläche liegt nämlich innerhalb mehrerer Schutzzonen.
Problem: Alle Flächen liegen im Naturschutzgebiet
Also begann die Suche wieder von vorne, dieses Mal wurde man nördlich des Naturfreundehauses fündig. Man hatte sich eine knapp 6 Hektar große Waldfläche ausgeguckt. Passiert ist seither wenig, der Waldfriedhof hat nach wie vor seine ursprüngliche Größe. Weiterhin sind damit „neue Begräbnisstellen dringend gesucht“, wie Jutta Wegmann (Grüne) jüngst im Ausschuss für Stadtentwicklung, Klima- und Umweltschutz sagte.
Das „grundsätzliche Problem“ ist, so Wegmann weiter, „dass alle Flächen zum Naturschutzgebiet gehören“. So wies denn auch die SGD Süd als Obere Naturschutzbehörde im Januar 2019 in einer Stellungnahme darauf hin, dass die mit der Erweiterung einhergehenden Veränderungen und Störungen des FFH- und Vogelschutzgebietes „Bienwaldschwemmfächer“ unzulässig sind. Es war der bis dato letzte Akt in Sachen Bienwaldruhe, das Verfahren ruht seither.
Weitere Abstimmung mit Naturschutzbehörde notwendig
Um die Sache wieder ins Rollen zu bringen, ist eine erneute Abstimmung mit der SGD Süd sowie eine Konkretisierung der Flächenauswahl notwendig. Nach dem Willen des Ausschusses soll die Verwaltung genau diesen Weg jetzt gehen, um am Ende einen Maßnahmenkatalog in Händen zu haben, den es bis zur Waldfriedhofs-Erweiterung abzuarbeiten gilt. Um das potenzielle Areal genauer zu umreißen, regte der Beigeordnete Werner Esser (FDP) eine Waldbegehung seitens der Stadtspitze an.
Uwe Weibel (Grüne) sieht die Verwaltung indes nicht im Stande, dieses Verfahren alleine zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Er plädiert dafür, „ein kompetentes Planungsbüro zu beauftragen“. Denn: „Wenn ich mit dem Waldfriedhof Geld verdienen will, dann muss ich auch etwas investieren.“ Auch der Stadtrat wird sich nun in seiner heutigen Sitzung mit dem Thema befassen.