Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Hochbeete in der Stadt: Kräuter gegen die Klimakrise

Freuen sich über die „Essbare grüne Stadt“: Beigeordnete Jutta Wegmann (Grüne) und Klimaschutz-Managerin Viktoria Singler.
Freuen sich über die »Essbare grüne Stadt«: Beigeordnete Jutta Wegmann (Grüne) und Klimaschutz-Managerin Viktoria Singler.

Mit Hochbeeten im öffentlichen Raum will das Projekt „Essbare grüne Stadt“ für mehr Klimaschutz und nachhaltiges Handeln sensibilisieren. Wer mag, kann beim Stadtspaziergang Tomaten, Zucchini und Co ernten.

Gelborange leuchten die kleinen Cocktailtomaten an ihren saftgrünen Stängeln und tiefschwarz hängen die kleinen Auberginen unter dem krautigen Blätterwerk. Die Bienen fliegen die gelben Sternblüten der Zucchinipflanze an. Und wenn man mal selbst etwas näher hin riecht, duftet die Minze schön frisch und lebendig. Es ist was los in den drei Hochbeeten, die seit diesem Sommer unweit vom Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde aufgestellt und bepflanzt worden sind.

Wer als Fußgänger von Süden in die Innenstadt will, kommt hier mehr oder weniger unweigerlich vorbei und darf sich, wenn er mag, bedienen. Denn „Ernten und pflegen erwünscht“ steht auf dem aufgestellten Hinweisschild, das zum einen unmissverständlich klarmacht, dass der Platz kein Hundeklo ist und dass hier das Projekt „Essbare Stadt“ am Laufen ist.

„Positive Erlebnisse schaffen“

Die Idee dazu hatte ursprünglich Jutta Wegmann (Grüne), Beigeordnete der Stadt Kandel. Vor über 2 Jahren war sie mit dem Ortsverband ihrer Partei nach Andernach gefahren, wo bereits seit langem ein ähnliches, etwas umfangreicheres Projekt Erfolg hat. Mit Obst- und Gemüsebepflanzungen im öffentlichen Raum lädt man Menschen im Stadtgebiet zum Mitmachen ein und ermuntert sie, sich kurz- oder auch langfristig mit dem Gärtnern zu befassen. „Das kann positive Erlebnisse schaffen und die Einsicht bei einzelnen unterstützen, dass die Natur in der Stadt viele Vorteile mit sich bringt“, ist Wegmann vom Grundgedanken des Konzepts überzeugt.

Als Anfang des Jahres die Verbandsgemeinde mit Victoria Singler ihre Klimaschutzmanagerin bekam, nahm das Projekt Fahrt auf und wurde realisiert. Der Kandler Bauhof verlegte Platten und installierte aus Holzpaletten jene drei Hochbeete. Das Blumenhaus Roth spendete die Pflanzen, so dass seitdem Paprika, Sellerie, Gurken und vieles mehr fröhlich über den Kübelrand sprießt. Hinter den Hochbeeten am Boden wachsen zudem Kürbis und Melone. Singler freut sich: „Wie alle Pflanzen tragen auch die essbare Pflanzen wesentlich zum Schutz des Klimas bei, da sie nicht nur CO2 binden, sondern durch ihre Transpiration für Abkühlungseffekte sorgen.“ Vor allem an heißen Sommertagen, wobei es dieses Jahr bislang eher nass war und nicht alle Früchte ganz so wie gewünscht reifen.

Weitere Hochbeete geplant

Aber trotzdem: Passanten hatten schon üppig Erdbeeren abgepflückt oder sich von den Kräutern mitgenommen. Somit läuft das Projekt vorerst gut, nicht zuletzt weil neben anderen Bastian Arnold vom Bauhof regelmäßig gießt und ein Auge drauf hat, dass die Hochbeete gepflegt bleiben. Er gehört zur Arbeitsgruppe, die sich rund um das Projekt gebildet hat. Denn es sollen zukünftig noch mehr Standorte von öffentlichen Hochbeeten werden. „Allerdings braucht es dafür idealerweise Patenschaften, die gießen und pflegen“, sagt Wegmann. Die hat die Arbeitsgruppe auch prompt gefunden. Nächstes Jahr sollen zwei weitere Hochbeete in der neuen Wohnsiedlung „Im Stadtkern“ gebaut werden. In ferner Zukunft sollen es noch mehr werden, an vielen Standorten in der Stadt.

Das Ganze ist ein Experiment. Es geht weniger um direkten Klimaschutz, als um den pädagogischen Nebeneffekt, dass auch essbare Pflanzen eine Wohlfühloase schaffen und dass die Hochbeete etwas nachhaltiger sind als Blumenrabatten. „Wir setzen beim Klimaschutz auf Aufklärung und motivierende Projekte“, sagt Wegmann. Bewusst wolle man – solange als möglich – den so genannten Klimanotstand nicht ausrufen, wie es Karlsruhe und andere Kommunen beispielsweise schon getan haben.

Hunde sollten von den Beeten fern gehalten werden.
Hunde sollten von den Beeten fern gehalten werden.
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