Kreis Germersheim Hitze zerstört Mikroorganismen

Unkrautbekämpfung mit heißem Wasser auf dem Kandeler Friedhof, hier die Vorführung des „Weedkillers“.
Unkrautbekämpfung mit heißem Wasser auf dem Kandeler Friedhof, hier die Vorführung des »Weedkillers«.

«Kandel.» Heißes Wasser vernichtet Unkraut auf dem Kandeler Friedhof und ersetzt damit giftige Herbizide. So einfach, wie es sich die Herstellerfirma des „Weedkiller“ mache, sei die Sache aber nicht, sagt Berthold Flick aus Jockgrim. Der „Weedkiller“, der mit 99 Grad heißem Wasser arbeitet (wir berichteten) verbrühe nicht nur die (Unkraut-)Pflanzen, sondern zerstöre alles Leben in der oberen Bodenschicht. „Das kann doch nicht sein“, empört sich Flick.

Sämtliche Mikroorganismen, Spinnen, Käfer, alles was sich auf und in den oberen zehn Zentimetern befinde, sterbe ab, befürchtet Flick. Der „Weedkiller“ sei alles andere als umweltfreundlich, wie im RHEINPFALZ-Bericht dargestellt. Außerdem sei das Gerät mit 26.000 Euro sehr teuer und bringe zusätzlich hohe Betriebs- und Unterhaltungskosten mit sich. „Dafür könnte man jemanden mit Hacke und Rechen auf den Friedhof schicken“, schlägt Flick vor. Selbstverständlich sind chemische Unkrautvernichter keine Alternative für den Jockgrimer. Da ist er auf einer Wellenlänge mit der Kandeler Beigeordneten Monika Schmerbeck (CDU). Die hat den Friedhof in ihrem Geschäftsbereich und sieht sich mit dem Vorwurf von Bürgern konfrontiert, dass es auf dem Friedhof „schlimm“ aussehe. „Ich verstehe die Leute ja“, sagt Schmerbeck im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die Fläche mit den aufgelassenen Gräbern sei tatsächlich mit Unkraut bewachsen. Aber wie dem wuchernden Grün beikommen? Der einzige Friedhofsarbeiter der Stadt, der auch die Leichenhalle in Schuss hält, könne das nicht auch noch leisten, sagt die Beigeordnete. Deshalb probiere man gemeinsam mit dem Bauhof aus, wie man das Problem lösen kann. Der Einsatz des „Weedkillers“ sei dabei eine Möglichkeit. „Entschieden ist aber noch gar nichts“, so Schmerbeck. Das sei sowieso Sache des Stadtrates. Die Beigeordnete geht davon aus, dass das Umweltargument von Berthold Flick auch noch in der Diskussion im Friedhofsausschuss oder im Stadtrat aufgetaucht wäre. Zudem sei der „Weedkiller“ – andere Geräten wurden laut Schmerbeck nicht getestet – tatsächlich sehr teuer. Nicht nur wegen des Anschaffungspreises. Er verbrauche Energie zur Erhitzung des Wassers und müsse auch regelmäßig entkalkt werden. Ein weiterer Nachteil: Das verbrühte, abgestorbene Unkraut liegt am nächsten Tag verdorrt auf dem Boden und muss dann weggerecht oder sonstwie entfernt werden. „Das sieht nämlich noch schlimmer aus als das grüne Unkraut“, so Schmerbeck. Sie hofft, bald eine Lösung zu finden. Schmerbeck verweist auf die Haushaltspläne für das Jahr 2018, die am Jahresende aufgestellt werden. Ob darin dann ein „Weedkiller“, zusätzliches Personal oder etwas ganz anderes zur Friedhofsunterhaltung und -pflege festgeschrieben wird, das sei momentan noch völlig offen.

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