Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Hermann Weber lebt im Atelier und in der Natur

Blick zum Ast auf dem Altar, auch das Lesepult in Bronzeguss in der evangelischen Kirche Staffort (nördlich Karlsruhe) stammt vo
Blick zum Ast auf dem Altar, auch das Lesepult in Bronzeguss in der evangelischen Kirche Staffort (nördlich Karlsruhe) stammt von Hermann Weber.

Hermann Webers persönlicher Alltagsplan ist auf Natur erhalten und Kunst schaffen ausgerichtet. Die kreativen Morgenstunden verbringt er im Atelier, nachmittags wird auf den Grundstücken angepackt. „Ich will was in Bewegung setzen – Kunst kann es schaffen, ins Herz zu kommen“.

„Biotop abgefackelt“, titelte die RHEINPFALZ am 15. April, als Unbekannte auf Hermann Webers Grundstück in Berg nahe der französischen Grenze wohl ein „Osterfeuer“ entzündet hatten. Die naturbelassene Wiese mit Büschen, Bäumen einem Totholzhaufen hatte er angelegt, um sie der Natur zurückzugeben. „Daraus wurde eine Heimat für Rehe, Igel, Eidechsen, Wildbienen und Vögel, die jetzt zerstört ist“, bedauerte der Berger Naturfreund und Künstler. Die polizeiliche Anzeige brachte kein Ergebnis, Webers Ärger veranlasste ihn zu noch mehr Anstrengungen. „Ich lass mir mein Naturparadies mit dieser wunderbaren Artenvielfalt nicht zerstören“. Neue Bäume und Büsche sind gepflanzt, und ein Info-Schild dient „naturfernen Menschen“ zur Information und Motivation.

Natur ist Inspiration für Kunstwerke

Ein weiteres Naturparadies mit üppigen Bäumen, Sträuchern und Heimat für Tiere ist Webers romantischer Hausgarten hinter der ehemaligen Berger Bahnhofswirtschaft, an deren Fassade Nistkästen für Vögel und Fledermäuse hängen. „Viele Singvögel, eine zahme Dohle und ein Falke kommen hier zu Besuch direkt an mein Atelierfenster“, freut sich Weber.

Die Natur rings ums Atelier ist eine willkommene Inspirationsquelle und hat Webers Bewusstsein für die allgegenwärtige Zerstörung dieser Natur geschärft, seit er vor zehn Jahren vom Knielinger Bahnhof nach Berg zog. Nach Karlsruhe kam der Oberschwabe zum Studium an der Kunsthochschule, unter anderen bei Markus Lüpertz und Horst Antes, dessen Meisterschüler er auch war. Danach lebte Weber zeitweise in New York und Paris und war Professor an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle.

Bronze-Ast statt Altarkreuz

Der 62-jährige Künstler hegt große Liebe für die abendländische Kultur, er ist an allem interessiert, was ein übergeordnetes Geschehen birgt. So spiegeln sich in seinem Schaffen Einflüsse des Christentums, des Islams und des Buddhismus, ebenso wie Anklänge an altägyptische und mexikanische Kunst und Kultur. Webers Werke sind vielseitig. So trifft man im Atelier auf Bronzeskulpturen, oft Häuser, grob belassen oder auch spiegelnd blank poliert, daneben entstehen großflächige Bilder in verschiedensten Techniken und mit unterschiedlichen Materialien.

Weber war beauftragt, das fast 900 Jahre alte Bildungshaus Kloster Schöntal an der Jagst mit Bildern auszustatten, die in besonderer Form Tradition mit Moderne verbinden. In einem Bilderzyklus beschäftigte sich der Künstler mit Afrikamasken, angedeutete Gesichtszüge, die immer wiederkehrend oft miteinander verschmelzen. Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, auch Kunstmäzen Reinhold Würth hat in Berg schon „gut eingekauft“.

Webers letzte Herbstausstellung im Museum seiner Heimatstadt Biberach drückt in drastischen Bildern seine künstlerische und sorgenvolle Botschaft über die Zerstörung der Natur aus. Als Bauernsohn wurde er dazu erzogen „Gottes Schöpfung zu bewahren“. Mit plakativen Botschaften versucht er aufzurütteln, wie auf einem Bild mit vielgestaltigem Biotop, in dessen Mitte ein leuchtender Glyphosatkanister alle Lebewesen vernichtet. Und ein zum Himmel steigender Bronze-Ast anstelle eines Altarkreuzes hat in der evangelischen Kirche in Staffort viel Aufsehen erregt.

Stilles Sterben vieler Arten

Seit er in Berg und in den Rheinauen lebt, ist ihm noch bewusster, wie der Mensch der Neuzeit die in Jahrmillionen entstandene Natur innerhalb kürzester Zeit rücksichts- und gnadenlos zerstören und ausrotten wird. „Es ist ein stilles Sterben vieler Arten“, trauert Weber und prangert die Gewinnmaximierung an, die in Industrie und Landwirtschaft, bei der Ausdehnung von Städten und Straßen für den Verlust von immer mehr Lebensräumen von Tieren und Pflanzen verantwortlich ist.

„Ohne Ehrfurcht vor dem Leben hat die Menschheit keine Zukunft“, zitiert er Albert Schweitzer und fügt an: „Nur Appelle genügen nicht – man erreicht nicht alle Menschen. Wir leben auf Kosten aller Schwachen, der Tiere, Pflanzen, dem Leben der Dritten Welt“. Er mahnt Umdenken, mehr Achtsamkeit und Verantwortung bei Autobauern, Landwirten und Verbrauchern an.

Bruno ist Hausgenosse in Webers Atelier und morgens und ständiger Begleiter bei den Aktionen in der Natur.
Bruno ist Hausgenosse in Webers Atelier und morgens und ständiger Begleiter bei den Aktionen in der Natur.
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