Jockgrim RHEINPFALZ Plus Artikel Haus fällt aus der Reihe

Das eingerüstete Haus in der Ludwigstraße 24 besteht aus zwei Teilen: Links ist Mauerwerk, rechts Fachwerk.
Das eingerüstete Haus in der Ludwigstraße 24 besteht aus zwei Teilen: Links ist Mauerwerk, rechts Fachwerk.

Viele Fachwerkhäuser im Jockgrimer Hinterstädtel stehen unter Denkmalschutz. Aber nicht alle. Ein Bauherr wurde wegen angeblicher Verstöße angezeigt. Die Arbeiten an der ehemaligen Gastwirtschaft ruhen.

„Mein Traum war es schon immer, in einem alten Haus, am besten in einem Fachwerkhaus, zu wohnen“, nennt Joachim Wettach den Hauptgrund für den Kauf des Hauses in der Ludwigstraße 24 im Jockgrimer Hinterstädtel. Seinem Ziel kam er näher, als er 2017 einen Teil des früheren Gasthauses und Hotels „Zum Löwen“ erwarb. Es ist der mittlerweile freistehende Gebäudeteil direkt vorne, ganz prominent an der Straße. Die scheunenartigen Nebengebäude und Anbauten wurden abgerissen, der hintere Teil des Hotels entlang der alten Stadtmauer wurde von einem Bauträger, der Riba GmbH aus Kandel, in Eigentumswohnungen umgebaut.

„Das Haus befand sich beim Kauf in einem extrem maroden Zustand“, erinnert sich Wettach. Im Dach waren drei große Löcher. Wie diese ins Dach kamen, kann er sich nicht erklären. Durch sie drang Wasser ins Gebäude bis ins Erdgeschoss, richtete große Schäden an. Ein schöner Parkettboden faulte deshalb, was Mehrkosten beim Renovieren von 60.000 Euro bis 70.000 Euro verursacht habe.

Renovieren mit Fingerspitzengefühl

Baupläne mit Hinweisen zum früheren Zustand des Hauses habe es zum Zeitpunkt des Kaufes nicht mehr gegeben. Wettach übernahm beim Erwerb jedoch die Baugenehmigung, die die Riba GmbH erhalten hatte. Dem Fachwerkhaus-Liebhaber war klar, dass das Renovieren viel Fingerspitzengefühl erfordern würde und sich Baustellen auftun könnten, mit denen vorher nicht zu rechnen war. Schwierig sei auch gewesen, dass das Haus aus zwei Teilen besteht. Der Linke hat außen kein Fachwerk, sondern festes Mauerwerk, der rechte ist dagegen in Fachwerktechnik erbaut worden.

Innen legte der Bauherr alte Holzbalken frei, entfernte Betondecken und Trockenbau-Trennwände, hinter denen sich erhaltenswerte Türelemente verbargen. Soweit möglich, wurden auch optisch alte Bauelemente in die moderne Gestaltung einbezogen. Im letzten Sommer waren die Arbeiten soweit vorangeschritten, dass Joachim Wettach und seine Partnerin einziehen konnten.

Bauarbeiten wurden eingestellt

Im Spätjahr wurde ein Gerüst aufgestellt, um die Fassaden der beiden Hausteile herzurichten. Auf das Mauerwerk links kam eine Dämmung, die den unebenen Untergrund vor dem Verputzen ausgleichen sollte. Außerdem soll ein Kaminofen im Haus beim Heizen mithelfen; deshalb ist ein Außenkamin ab Erdgeschosshöhe geplant. Da der Eigentümer im Keller eine Service-Werkstatt mit Kundenkontakt einrichten will, plant er das Reaktivieren einer außen liegenden Kellertreppe.

Im Hinterstädtel stehen viele der Fachwerkhäuser unter Denkmalschutz, das ganze Gebiet dazu unter Ensembleschutz. Das Wettach’sche Haus ist aber kein Einzeldenkmal, wie in öffentlich zugänglichen Verzeichnissen nachzulesen ist. Trotzdem wurde der Bauherr anonym angezeigt, weil er angeblich Fachwerk auf der linken Hausseite unter der Dämmung hätte verschwinden lassen. Auch der Außenkamin und die Kellertreppe seien ein Verstoß gegen den Denkmalschutz, so der Anzeiger weiter. „Ich könnte mir vorstellen, dass die früher braun gestrichenen Stein-Fensterbänke von manchem für Holz gehalten wurden, davon wurde auf Fachwerk am ganzen Haus geschlossen“, sagt Wettach. Auf die Anzeige hin wurden die Bauarbeiten zunächst von der Kreisverwaltung eingestellt, bis die Vorwürfe geprüft sind.

Zusätzlicher Bauantrag

Gelöst werden könnte das Dilemma mit einem zusätzlichen Bauantrag für die Fassadengestaltung. Dazu muss Joachim Wettach den Bauantrag einreichen und auf das Ergebnis warten. Dass das Haus tatsächlich halb aus Fachwerk und halb mit Mauerwerk errichtet wurde, zeigen über 80 Jahre alte Ansichtskarten, die es im Internet zum früheren Gasthaus zu finden gibt. Wettach hätte sich gewünscht, dass nicht hinter seinem Rücken agiert werde, sondern offen mit ihm geredet worden wäre. So, wie es die Interessengemeinschaft Altort hielt, denn deren Sprecher Otto Mielke habe direkt das Gespräch mit dem neuen Hinterstädtel-Bewohner gesucht.

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