Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Hauptziel: Den Bienwald erhalten

Die Maikäferlarven fressen sich durch die Wurzeln der Bäume.
Die Maikäferlarven fressen sich durch die Wurzeln der Bäume.

Die Preis für Bauholz sind explodiert, wer Holz verkauft, erlebt goldene Zeiten. Aber die Förster im Bienwald fällen immer weniger Bäume. Denn sie haben ganz andere Sorgen. Sie kämpfen dagegen, dass ihnen ganze Waldbereiche wegsterben.

„Für uns spielt die Holzproduktion zunehmend eine untergeordnete Rolle“, fasst Astrid Berens die Situation nüchtern zusammen. „Der Betrieb erfährt einen gewaltigen Umbruch“, sagt die Leiterin des Forstamts Bienwald. Noch 2014 seien 40.000 Kubikmeter Holz geschlagen worden. Mittlerweile ist der Einschlag auf 25.000 Kubikmeter geschrumpft, so Berens.

Der Rückgang ist zum Teil eine Folge des Naturschutzgroßprojektes. Die bewirtschaftete Fläche im Bienwald wurde von 45.000 bis 50.000 auf 40.000 Hektar reduziert. Beim Einschlag hat das einen Rückgang von 8000 bis 9000 Kubikmeter zur Folge. Der andere Teil ist eine Reaktion der Förster auf den Klimawandel: „Der Wald ist unheimlich unter Druck. Wir können nicht in geschädigte Bestände reingehen und die gesunden Bäume raushauen“, so Berens. Und generell dürften wegen der Hitze geschlossene Waldbestände nicht aufgerissen werden.

Weshalb in den letzten drei Jahren fast ausschließlich absterbende Bäume gefällt wurden. Die standen oft entlang von Straßen und mussten weg, weil sie die Verkehrssicherheit gefährden. Von diesem Holz gehe viel in den Brennholz-Verkauf, so Berens. Oder es wird als Verpackungsholz oder für die Herstellung von Span-Platten verwertet.

Ziel „Holzproduktion“ ist nach hinten gerückt

Das Ziel „Holzproduktion“ sei nach hinten gerückt, so Berens. Es gebe hier auch keinen Druck seitens der Landesforstverwaltung: „Wir steuern den Wald gar nicht mehr, das macht der Klimawandel.“ Besonders deutlich werde dies im östlichen Bienwald. Dort hat sich der Maikäfer mittlerweile auf 5000 Hektar ausgebreitet. Seine Larven, die Engerlinge, fressen die Wurzeln der Bäume. Die Folge: „Im östlichen Bienwald geht es um den Walderhalt“, sagt Berens: „Wir freuen uns über jeden Baum, der dort steht, egal welche Art.“ Was dort noch grün sei, seien Kermesbeere und Springkraut, zwei invasive Arten.

Viel schwaches Holz bleibe auch liegen, weil die Arbeit unter abgestorbenen Bäume zu gefährlich und deshalb verboten ist. „Wenn etwas passiert, ist es meist gleich ganz schlimm“, so Berens. Vor allem Buchen können ganz plötzlich umbrechen, ohne das eine Fallrichtung absehbar sei. In solchen Bereichen könne allenfalls mit Vollerntern gearbeitet werden – wobei der Einsatz der schweren Maschinen regelmäßig auf Kritik stößt. Die Alternative sei zu warten, bis der Wind die toten Bäume umgeworfen hat.

Eichen wachsen so viele nach wie noch nie

Trotzdem sei die Lage alles andere als hoffnungslos, macht Berens deutlich: „Auf vielen Flächen erleben wir die natürliche Ansamung von Bäumen.“ Bei den Eichen sei die Naturverjüngung so stark wie noch nie beobachtet. „Und die Eiche ist klimastabil“, freut sich Berens. Überhaupt setzen die Bienwald-Förster weiter stark auf die angestammten Arten im Bienwald. „Kiefer, Buche, Eiche, Birke, Vogelbeere, Weide, Robinie und Kastanie bilden weiter die Basis“, so Berens. Mit Baumhasel, Zedern oder mediterranen Eichen werde bisher nur in kleinem Maßstab gearbeitet, um auszuprobieren, ob und wie sie in unsere Region sinnvoll eingesetzt werden können. „Wir versuchen Möglichkeiten für künftige Generationen zu erhalten“, sagt Berens.

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