Kreis Germersheim Harte Arbeitskämpfe erlebt
Von ihren rund 15.700 Mitgliedern hatte die Geschäftsstelle Neustadt der Industriegewerkschaft (IG) Metall 393 zu einem festlichen Ehrungsabend in das Bürgerhaus in Jockgrim eingeladen. Erster Bevollmächtigter Ralf Köhler konnte drei Frauen und 83 Männer für langjährige Mitgliedschaft auszeichnen.
Köhler dankte den Jubilaren für ihr Engagement. In all den Jahren seien sie mit gutem Beispiel vorangegangen, hätten nicht nur geredet, sondern gehandelt und Solidarität mit Leben gefüllt. Solche „Überzeugungstäter“ brauche die Gemeinschaft. Zwei Tage vor der Bundestagswahl ging Köhler nur kurz auf die politische Situation ein, denn „bei einem solchen Treffen von Kolleginnen und Kollegen soll das Gespräch miteinander im Vordergrund stehen.“ Davon machten die Gäste zwischen einem köstlichen Büfett und gedämpfter Musik eines Alleinunterhalters auch redlich Gebrauch. So erzählte Walter Gieger aus Ludwigshafen, der für 70-jährige Mitgliedschaft geehrt wurde, aus seinem Berufsleben und seiner „spannenden Zeit als Gewerkschaftler.“ 1946 habe ihn die Firma Brechtel, ein damals renommiertes Unternehmen in Ludwigshafen, mit 14 Jahren eingestellt. Schon ein Jahr später habe ihn sein Vater, ein „alter Gewerkschaftler und bei Brechtel lange im Betriebsrat“, zur IG Metall gebracht. Er selbst sei dann auch 28 Jahre lang im Betriebsrat gewesen. Noch heute träfen sich die ehemaligen Kumpels monatlich. Damals sei noch mehr und härter als heute gekämpft worden, stellte Gieger fest: „Ohne die Gewerkschaft hätten wir die heutigen Löhne nicht.“ Im Laufe des Abends hatte der gesellige Mann noch einen Bühnenauftritt mit seiner Mundharmonika. Von harten Kämpfen weiß auch Oskar Bähr aus Kandel zu erzählen. Der 1943 im Schwarzwald Geborene hat mit 13 Jahren in der Glashütte in Maximiliansau eine Lehre zum Glasmacher angetreten. Ein Schulfreund war dort in der Schlosserei und hat ihn 1957, als er „reif genug war“, in die IG Metall gelotst. Im November 1965 kam er dann zu Daimler, wo er bis zum vorzeitigen Ruhestand 2002 als Karosserieflaschner im Rohbau arbeitete. Bähr erinnerte an den Kampf um die 35-Stunden-Woche und die wochenlange Aussperrung. Am Tisch gegenüber verriet ein langjähriger Genosse, dass er wegen der Regierung Schröder aus der Partei ausgetreten sei. Der Gesprächsstoff unter den Gästen ging den ganzen Abend nicht aus.