KREIS GERMERSHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Haltebuchten wegen Schweinepest für Lastwagen gesperrt

Diplom-Ingenieur Christoph Blankenburg hält Schweine.
Diplom-Ingenieur Christoph Blankenburg hält Schweine.

Die Gefahr scheint weit weg: Bisher wurden nur zwei Wildschweine in Brandenburg positiv auf die Afrikanische Schweinepest getestet. Aber die Schweinehalter in der Südpfalz müssen deshalb vorsichtig sein. Und Lkws dürfen nicht mehr an der Straße halten.

„Nein, das geht leider überhaupt nicht“, lautet die Antwort auf die Frage unseres Fotografen, ob er Bilder im Inneren des Schweinestalles machen dürfe. An den Türen zu den zwei Ställen, in denen Christoph Blankenburg auf der Leistenmühle bei Kandel seine Tiere hält, ist deutlich zu lesen, dass Unbefugten das Betreten verboten ist. Ein Eimer mit Desinfektionsmitteln steht vor der Tür. So wollen es die gesetzlichen Vorschriften schon in normalen Zeiten.

Die werden in professionellen Betrieben streng beachtet, schon aus eigenem Interesse. Denn kein Tierhalter will seinen Bestand unnötigerweise in Gefahr bringen. Das gilt jetzt, nachdem die „Afrikanische Schweinepest“ (ASP) bei einigen Wildschweinen in zwei brandenburgischen Landkreisen festgestellt wurde, in verstärktem Maße. „Zur Panik besteht überhaupt kein Grund. Aber wir müssen vorsichtig sein“, sagt der Diplom-Ingenieur Christoph Blankenburg im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Schweinemäster seit 1981

Seit 1981 betreibt Blankenburg auf der Leistenmühle am Erlenbach einen Schweinemastbetrieb. Damals, erinnert er sich, habe es noch mehrere Betriebe dieser Art im Landkreis Germersheim gegeben. Viele haben aufgehört, Großbetriebe gibt es im Kreis keine. Nur Betriebe der „Stufe 2“ im Sinne der Schweinehaltungshygieneverordnung mit 20 bis 700 Tieren. Und einige „Kleinsthalter“ mit weniger als 20 Tieren. Insgesamt geht man im Veterinäramt von 40 Haltern im Kreis aus. Dazu zählt auch, wer ein oder zwei Hausschweine für den Eigenbedarf züchtet, so Blankenburg. Auch sie müssen die Hygienekonzepte beachten. ASP sei in Deutschland angekommen. Bis zum 28. September wurden 36 Fälle gezählt, und zwar in den beiden Landkreisen Spree-Neiße und Oder-Spree. Weit weg von uns, möchte man im ersten Moment meinen.

Hausschweine bisher nicht infiziert

Eine Übertragung von Tier zu Tier würde, so rechnet Blankenburg vor, pro Jahr für eine Ausweitung um 25 Kilometer führen. Nicht nachvollziehbar sind für ihn deshalb die Sanktionen, die Länder wie China oder Korea gegen Schweinefleisch-Exporteure in Deutschland verhängt haben. Bisher gebe es bei den Hausschweinen keine Fälle von Schweinepest.

Riskanter für die ASP-Verbreitung als die Übertragung von Tier zu Tier könne die Verschleppung durch Menschen sein, die ihre Speiseabfälle wegwerfen. Hier werden immer wieder die Brummi-Fahrer genannt, die Waren aus östlichen Nachbarländern durch Deutschland transportieren. Da beispielsweise auf der A 65 eine dritte Spur fehlt, nutzen sie im Notfall – oder auch nur, um eine kleine Pause einzulegen – die Nothaltebuchten. Und da bleibt oft einiges liegen, was eigentlich nicht sein dürfte. Wurstbrote etwa und andere Speisereste. Stammen Wurst und Fleisch aber von infizierten Tieren, könne das konservierte Virus auf die Tiere übertragen werden, die diese Reste finden und auffuttern.

Nothaltebuchten gesperrt

Deshalb sind entlang der B 9 zwischen Kandel-Süd und dem Grenzübergang alle Nothaltebuchten derzeit gesperrt sind. Barken verhindern an vier Stellen, dass Brummis anhalten können. Man will offenkundig vermeiden, dass Speiseabfälle von Wildschweinen aufgefunden werden.

Vorsicht ist also geboten, so Blankenburg, der sich auch eher zurückhaltend zur Wirkung von mobilen Zäunen äußert, wie sie das Land Rheinland-Pfalz angeschafft und eingelagert hat. Ein mobiler Elektrozaun in einer Länge von 30 Kilometern sei eingelagert. Für weitere 60 Kilometer wird die Ausschreibung vorbereitet, ebenso für einen 40 Kilometer langen festen Zaun. Dort, wo es nicht möglich sei, in Teilbereichen Elektrozäune zu installieren, sollen „hochkonzentrierte Duftstoffe als Vergrämungsmittel dazu beitragen, die Wildschweine fern zu halten“, heißt es in einer Bekanntmachung des Ministeriums. Der Zaun eingesetzt werden, wenn ein einzelner aufgefundener Wildschweinkadaver positiv auf ASP getestet wurde.

Im Bienwald ginge dies, aber nicht in jedem unwegsamen Gelände. Bisher braucht man aber keinen Zaun, über dessen Zweckmäßigkeit sich allerdings nicht alle einig sind. Ob er wirklich Wildschweine abhalten könnte, fragen sich Praktiker vor Ort. Roland Bellaire, Vorsitzender des Kreisverbandes Germersheim im Bauern- und Winzerverband, hält selbst keine Schweine. Auch er sieht keinen Grund zur Panik, warnt aber vor den wirtschaftlichen Folgen für die Mastbetriebe, falls die ASP nicht auf Brandenburg begrenzt werden könne. Die Schweinepest, so sie die Südpfalz erreichen würde, wäre wohl der „Todesstoß“ für unsere Betriebe, so Bellaire.

Schweinepreis gefallen

Bis Anfang des Jahres, so bestätigt Christoph Blankenburg, seien die Schweinepreise vorübergehend auskömmlich gewesen. Dann kam Corona und mit der Pandemie auch die Schließungen und Unterbrechungen bei großen Schlachtbetrieben. Stichwort: Tönnies. Ein massiver Preisfall war die Folge, verstärkt durch den Ausbruch der ASP in Brandenburg und die Sanktionen durch andere Länder. „Hätten wir die politisch inzwischen wieder gewünschten regionalen Märkte, würde weder das Eine noch das Andere unsere Produktion hier im Südwesten belasten, denn wir sind weit entfernt von einer Selbstversorgung, die in Rheinland- Pfalz nach meiner Kenntnis im Bereich von circa 30 Prozent liegt“, sagt Blankenburg.

Zu Vorsicht rät auch Dr. Carin Groß, Veterinärin bei der Kreisverwaltung Germersheim. Sie empfiehlt, Futter, Einstreu und sonstige Gegenstände, mit denen Schweine in Berührung kommen können, für Wildschweine unzugänglich aufzubewahren. Hunde, die auf dem Hof leben, sollten diese nur unter Aufsicht verlassen. Auf die Beratungsangebote des Landes und des Veterinäramts können auch Personen zurückgreifen, die nur ein oder zwei Schweine im Stall halten. Auch mit den Jägern sei das Veterinäramt in Kontakt. Probeeinsendungen erlegter Tiere mit Organveränderungen seien wünschenswert. Aber auch die Veterinärin betont, dass „man keine Panik schüren“ möchte, bittet aber ganz dringend um die Beachtung der einschlägigen Vorschriften.

Der Preiskampf um Schweinefleisch ist hart.
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Gesperrte Haltebucht an der B9.
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