Kreis Germersheim „Hänge seit Kindheit an der Nadel“
«Kandel/Berg». Nächste Woche startet am Dienstag ein Strickkreis in Berg. Nadel und Wolle sind schon längst wieder als Hobby gefragt. Sybille Riehm, die in Kandel das Handarbeitsgeschäft „nadel-adel“ betreibt ist eine echte begeisterte „Strickliesel“, sie gibt Kurse und geht selbst immer wieder zu Fortbildungen. Wir haben sie zum neuen Trend Stricken, Häkeln, Handarbeiten befragt.
Ich „hänge seit Kindertagen an der Nadel“, kenne viele Techniken, bilde mich immer weiter, stricke gerne ausgefallene Teile und habe auch einen Sinn für „Kunstfertiges“ ... Können Sie diesen Trend zum Selbstgemachten bestätigen? Den spürte ich schon vor drei Jahren, leichtes Abflauen ist spürbar. Solche Trends werden vielfach von den Zeitschriften und den Stoff- und Wollproduzenten mit innovativen Produkten gepuscht. Dahinter steht aber sicher auch der Wunsch der Menschen, in einer zunehmend virtuellen Welt Lust und Freude an selbst gemachten Sachen zu haben. Wie angenehm ist es, in einen flauschigen Pulli zu greifen. Fortgeschrittene und Anfänger ... was würden Sie als die hohe Kunst des Strickens bezeichnen und was macht Anfängern Spaß? Zur hohen Kunst gehört auf jeden Fall das „Fair-Isle-Stricken“, das hier ist zum Beispiel ein rundgestrickter Pullover, der mit zwei Nadeln und Fäden gearbeitet wird und bei dem sich ein Norweger-ähnliches Muster ergibt. Auch Patchwork oder Pullis in Top-down-Technik sind schwierig. Anfänger dagegen können mit Schal und Mütze, gestrickt oder gehäkelt, nichts falsch machen, wir sehen es an dem Boshi-Boom – (japanisch böshi = Mütze). Was stricken die Pfälzer am liebsten? Gibt es Unterschiede je nach Alter, Geschlecht, Herkunft? Ich habe zwei Männer, die stricken, und im übrigen stricken Pfälzerinnen am liebsten Socken. Wenn dann sogar Spitze und Ferse richtig zum Fuß passen, dann ist das auch schon höhere Strickkunst. Oft kommen auch junge Frauen, die für ihre kleinen Kinder individuelle Sachen fertigen möchten. Dazwischen ist wenig Zeit. Später kommen dann wieder frischgebackene Omas, die für Enkel Garnituren stricken. Da kann man ja auch richtig Liebe mit reinwirken. Welche Vorteile hat Stricken außerdem? Stricken kann zur Ruhe bringen, ist aber auch ein geselliges Hobby. Man kann sich prima darüber austauschen und dabei über alles unterhalten. Das zeigen auch Strick-Communities und Strick-Festivals. Eigene Pullis schenken „Werkvollendungsfreude“ und besonders bei Kindern fördert es die Feinmotorik. Was meinen Sie zu Farbtrends und was erwartet und modisch in Herbst und Winter? Bei Strickwaren sind Naturfarben immer sehr beliebt, weil sie harmonisch zusammenpassen und garantiert nicht kurzlebig sind. Außerdem passt es prima zu den Naturgarnen, die ich empfehle. Reine Wolle ist in der Qualität unschlagbar. Zugenommen haben die Fragen nach Bio-zertifizierten Produkten und nach Tierschutz. Besonders weil aus Australien Berichte über Quälereien veröffentlicht wurden. In der kommenden Saison sind Garne mit Farbverläufen oder mit Noppen ganz trendy, Stolen, Pullis und Jacken, locker fallende, Figur-schmeichelnde Teile. Termin Strickkreis in Organisation der Bürgergemeinschaft „Dorfmitte“ am Dienstag, 26. September, 16.15 Uhr, im Evangelischen Gemeindezentrum Berg. Weitere Informationen: Uli Steinmann, 07273 2815.