Lembach / Wörth
Grenzüberschreitende Hilfe bei Waldbränden
„Wasser marsch!“, schallte es über den Waldweg im elsässischen Lembach, westlich von Wissembourg, an dessen Ende ein Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Wörth steht. Das Wasser bahnt sich sichtbar seinen Weg von der Pumpe, die auf einer kleinen Brücke über dem Fluss Sauer steht, durch zwei Schläuche in Richtung des Einsatzfahrzeugs. Ein Pendelbetrieb von der Wasserentnahmestelle zu den Einsatzorten wird eingerichtet, erklärt Thorsten Kantz von der Feuerwehr Maximiliansau. Die Pumpe kann 1600 Liter in der Minute bewegen.
Mit den Fahrzeugen des Katastrophenschutzzug Germersheim geht es zum Beispiel zu einem Sammelplatz, an dem ein spezielles aufblasbares Becken als Wasserpuffer dient. Auch französische Einsatzfahrzeuge werden hier mit Wasser befüllt. Auffallend: die französische Wehr hat auf das Löschen von Waldbränden spezialisierte Fahrzeuge. So helfen Feuerwehrleute aus Wörth und Rülzheim beim Befüllen eines „Camion-citerne feux de forêts“, ein geländefähiges Löschfahrzeug. Auf diese Fahrzeuge schauen auch die deutschen Wehren mit Anerkennung. So auch Luckas Fücks, Zugführer des Katastrophenschutzzugs Südliche Weinstraße, der bei den Kollegen aus Frankreich in Sachen Waldbrandbekämpfung einen Vorsprung von etwa 10 Jahren sieht.
Bei der Übung, bei der ein Brand von 2 Hektar Waldfläche angenommen wurde, sollten auch ein Löschflugzeug und der Hubschrauber „Dragon 67“ zum Einsatz kommen, doch aufgrund der Wetterlage wurde darauf verzichtet. Während bei Beginn der Übung ein starker Wind über das Gebiet zog, begann es später immer stärker zu regnen. Mit dem Hubschrauber hätte sich der Einsatzleiter ein Lagebild aus der Luft verschaffen sollen.
Die Kommunikation zwischen deutschen und französischen Einsatzkräften funktioniert, wo nötig auch mit Körpersprache. 65 Einsatzkräfte aus dem Département Bas-Rhin waren im Einsatz, 35 aus der Südpfalz. Es stehen auch zweisprachige Einsatzkoordinatoren zur Verfügung, erklärt Lydia Kassa, Leiterin der Abteilung für grenzübergreifende Zusammenarbeit, Bereich Prävention, Vorhersage und Einsatz aus Strasbourg. Im Notfall werden diese entsendet. Wenn möglich werden auch Funkgeräte ausgetauscht, denn die Systeme sind noch nicht kompatibel, erklärt Kassa.
Dies trifft auch auf die Schlauchsysteme zu. Hier helfen Adapter weiter. Pfälzische Feuerwehren aus Orten in der Nähe zum Elsass haben diese in ihrer Ausstattung, erklärt Michael Trautmann, der stellvertretende Brand- und Katastrophenschutzinspekteur aus dem Landkreis SÜW. Die Feuerwehr aus Schweigen-Rechtenbach, direkt neben Wissembourg gelegen, hat diese Adapter schon seit Jahrzehnten. Auch die Wehr aus Bad Bergzabern, die hier in Lembach mit dabei ist, hat schon öfters im nahen Elsass geholfen und ist entsprechend ausgerüstet. Trautmann ist als Beobachter der Großübung vor Ort, ebenso wie Fachleute aus dem Dahner Felsenland, dem Ortenaukreis oder auch aus Freiburg.
Eine Wasserentnahmestelle, wie die Sauer, ist sehr wichtig. In einer sommerlichen Dürreperiode wäre diese mitunter jedoch nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar. Auch darauf müssen sich die Einsatzkräfte einstellen, ebenso wie auf die Navigation auf unbefestigten Wegen und Gelände, wie bei der Übung deutlich wurde. Umgeben von den Wäldern und Sandsteinfelsen der Nordvogesen bot Lembach ein gutes Übungsterrain. Das Zusammenspiel weiterer Behörden, wie dem Forst, ist essenziell.
Waldbrände sind ein reales Risiko in der Region, weiß Christophe Mattern vom Office national des forêts, der staatlichen Forstbehörde. Er berichtet von großen Einsätzen aus dem vergangenen Jahr, bei denen auch grenzüberschreitend geholfen wurde. Seine Einschätzung: Es brennt häufiger, der Klimawandel macht sich bemerkbar. Wichtig also, dass Hilfe auch aus der Nachbarschaft kommen kann, auch wenn diese in einem anderen Staat liegt.
In Frankreich werden jedes Jahr durchschnittlich 10.000 Hektar Vegetation durch Brände vernichtet, melden die Feuerwehren aus dem Bas-Rhin. Das Jahr 2022 war jedoch ein außergewöhnliches Jahr: So erreichte das Waldbrandrisiko mit 70 000 Hektar verwüsteter Naturfläche in Frankreich und über 700 000 Hektar in Europa einen neuen Höhepunkt. Der Grund: Hitzewellen und Dürreperioden. Im Schnitt werden die Feuerwehren aus Bas-Rhin jährlich bei 700 Heu-, Wald- oder Naturbränden eingesetzt, zeigt die Statistik. Darum gibt es auch 800 Feuerwehrleute, die speziell auf diesem Gebiet geschult sind.
Zufrieden zeigte sich Jürgen Stephany, Wehrleiter der Feuerwehren der Stadt Wörth und Zugführer des Katastrophenschutzzugs des Kreises Germersheim am Ende der Übung. Die Kommunikation habe gut funktioniert, insbesondere innerhalb der Einheiten je Einsatzort. Erhofft hätte er sich noch ein wenig mehr Kommunikation zwischen den elsässischen und pfälzischen Einheiten. Dafür gab es dann aber noch Gelegenheit beim Abschluss am Lembacher Feuerwehrhaus.