Kreis Germersheim Gründergeist im Aufwind
Die Gründerinnen und Gründer im Kreis Germersheim schwimmen mit dem Bundestrend, der ebenfalls nach oben zeigt. Nach bundesweitem Rückgang 2020 wurden 2021 in Deutschland 704.949 oder 19.576 mehr Gewerbeanmeldungen abgegeben. Für eine Gründerbundesliga müssen die Gewerbeanmeldungen aber auf einen vergleichbaren Wert umgerechnet werden: Hierzu wird die Zahl der Firmengründenden pro 10.000 Einwohner genommen: Für den Kreis Germersheim reichten rund 94 Firmengründerinnen und -gründer je 10.000 Einwohner zu Platz 79 unter 403 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Spitzenreiter ist der Kreis München mit 161, Schlusslicht ist der Kyffhäuserkreis mit einer Quote von 36.
Der Gründergeist ist in Deutschland gut messbar, weil am Anfang eines etwaigen unternehmerischen Erfolges immer ein Formular auszufüllen ist: die Gewerbeanmeldung (nur Freiberufler brauchen die nicht, deswegen sind ihre Gründungen auch statistisch nicht erfassbar). Über das Formular wird die gewerbliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Staaten recht genau erfasst. In der von den Statistischen Landesämtern betriebenen Regionaldatenbank liegen die Zahlen aus den Gewerbeämtern bis zum 31. Dezember 2021 vor. Im Kreis Germersheim lautet die Zeitreihe bei den Gewerbeanmeldungen 2021: 1213 Anmeldungen, 2020: 1090, 2019: 1132 Gründungen, 2018 wagten 1167 den Schritt in die Selbstständigkeit.
Die absolute Zahl sagt wenig aus, weil sie von der Bevölkerungszahl abhängig ist: je mehr Menschen, desto mehr mit Unternehmungsgeist. Aber wird die Anzahl der Gründungen mit der Bevölkerungszahl abgeglichen, kommt ein bundesweit vergleichbarer Wert heraus. Freilich sagt der so für 2021 errechnete Wert von 94 Firmengründenden je 10.000 Einwohner nur wie groß der Drang in die Selbstständigkeit ist. Die Erfolgschancen zu beurteilen, die sich am Ende in Arbeitsplätzen, lokaler Wirtschaftskraft und interessanten Unternehmen niederschlagen, ist schwieriger. Dafür schätzen die Statistiker die Chancen der Gründung ab, soweit das möglich ist: 2021 bekamen von den 1213 Gewerbeanmeldungen im Kreis Germersheim insgesamt 1047 das Prädikat Neuerrichtungen, womit Gewerbe beschrieben werden, die es hier vorher nicht gab. In denen wiederum wurden 173 als Betriebsgründungen eingestuft, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie meinen, dass diese Firmen auf Sicht wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze bringen. 2020 lag deren Zahl bei 184 . Von diesen besonders wichtigen Gründungen gab es 2021 im Kreis elf weniger als im Vorjahr.
Übernahme statt Neugründung
Es muss auch nicht jeder unbedingt ein neues Unternehmen gründen. Betriebsübernahmen werden mit zunehmendem Alter der Betriebsinhabenden eine wachsende Möglichkeit. Deswegen lohnt sich der Blick auf die 913 Gewerbeabmeldungen: Nur 706 waren 2021 echte Aufgaben. Aber von diesen fielen tatsächlich nur 106 in die Klasse der Betriebsaufgaben, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist. Ansonsten steckten in den Abmeldungen auch 64 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 59 größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind.
Bleibt ein letzter Indikator für das lokale Gründungsgeschehen: Zieht man die 913 Gewerbeabmeldungen von den Gewerbeanmeldungen ab, bleibt für 2021 ein Gründersaldo von plus 300. Hoffnung auf zusätzliche Jobs.