Kreis Germersheim Gewerkschaft braucht Verhandlungspartner

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Bundesweit hat die Gewerkschaft IG Metall Mitgliederzuwachs – im Gegensatz zu anderen Gewerkschaften im DGB. Für Ralf Köhler ist das aber kein Grund, sich gemütlich zurückzulehnen. Der neue Mann im IG Metall Bezirk Neustadt hat sich zur Aufgabe gemacht, in der Südpfalz neue Mitglieder zu gewinnen. Für die eigene Gewerkschaft natürlich – und für den Arbeitgeberverband.

In den vergangenen Tagen war Köhler mit seinen Mitstreitern in der Südpfalz unterwegs bei Informationsveranstaltungen. Die IG Metall bietet Mitarbeitern nicht tarifgebundener Unternehmen Unterstützung beim Durchsetzen von Arbeitnehmerrechten oder einfach nur Tipps für besseres Betriebsklima an. „Unsere Mitgliederzahlen steigen, aber die Tarifbindung ist im Rückwärtsgang“, sagte Köhler im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Für die Unternehmen sei die Umgehung des Tariflohnes oft alleinige Motivation, aus der Tarifbindung des Arbeitgeberverbandes auszusteigen. Köhler: „Es geht aber nicht immer nur ums Geld.“ Für Arbeitnehmer spielen laut Köhler auch Themen wie Arbeitszeit, Führung, Arbeitsklima oder Arbeitssicherheit eine Rolle. In der Südpfalz nennt Köhler, der seit einigen Monaten 1. Bevollmächtiger und damit Chef des Bezirkes ist, zehn Problemfirmen, mit denen, beziehungsweise deren Belegschaft, gerade über Möglichkeiten der Arbeitnehmerbeteiligung geredet werde. „Bei weiteren etwa zehn Unternehmen mit zusammen rund 1000 Mitarbeitern, wären solche Gespräche sinnvoll“, meint der Metaller. Köhler räumt ein, dass solche von Arbeitnehmerseite angestoßenen Veränderungen meistens mit Konflikten verbunden sind. Es sei Aufgabe der Gewerkschaft, Arbeitnehmern klar zu machen, dass sie für das Einfordern ihrer Rechte sind so einfach ’rausgeschmissen werden können, „wie zum Beispiel in den USA“. Seine und die Rolle seiner Mitarbeiter sieht er darin zu informieren. Einfach nur die Stellvertreterposition für Arbeitnehmer einzunehmen, sei nicht zielführend. Köhler bemüht den Vergleich mit dem Bergführer, der seinen Leuten zwar den Weg zeigt, sie aber selbst gehen müssen und dafür auch selbst das Bergerlebnis haben. Unternehmen, die die Tarifbindung verlassen und geringere Löhne Zahlen, machen der eigenen Branche Konkurrenz, die tarifgebunden bleibt. Das seien unfaire Wettbewerbsvorteile. Köhler nennt ein Beispiel, das seine Gewerkschaft errechnet hat: „Ein Arbeitnehmer in einem Betrieb ohne Tarifbindung, der die gleiche Arbeit verrichtet, wie sein Kollege im Betrieb mit Tarifbindung, erhält im Schnitt 24 Prozent weniger Entgelt.“ Der Gewerkschafter macht keinen Hehl daraus, dass die Gewerkschaft die tarifgebundenen Unternehmen als Verhandlungspartner braucht und er bei weiteren Austritten aus der Tarifbindung des Arbeitgeberlagers eine Destabilisierung des gesamtem Tarifsystems befürchtet. Auf der eigenen Seite sieht es etwas besser aus. Aber auch bei den Arbeitnehmern könnte der gewerkschaftliche Organisationsgrad und damit die innerbetriebliche Solidarität höher sein, so der IG-Metall-Mann. Der aktuelle Standortsicherungsvertrag für Nolte Möbel in Germersheim (wir berichteten) ist einer der wenigen Fälle, wo für Gewerkschaftsmitglieder und Nichtmitglieder unterschiedlich verhandelt wurde. Nichtmitglieder müssen in den Vertrag zehn entgeltfreie Arbeitsstunden pro Jahr mehr einbringen, als Gewerkschaftsmitglieder. Dennoch sei es richtig, dass Tarifverträge für alle Belegschaftmitglieder gelten. Zur Person Ralf Köhler (42) ist seit April 1. Bevollmächtigter (Geschäftsführer) des IG Metall Bezirkes Neustadt. Er ist zuständig für die rund 15.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie zwischen Wörth und Bad Dürkheim. |tom

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