Gegenüber
Gesicht des Vereins will sich verziehen
„Der Turnverein Hagenbach 1902 hat ein Gesicht und eine Seele“, so liebevoll und treffend charakterisieren ÜbungsleiterInnen und viele Mitglieder den langjährigen Vorstand, Organisator, Ideengeber und „Schaffer“ Peter Heilmann. Im Juli feierte er seinen 70. Geburtstag
Bevor er 1990 als Vorstand gewählt wurde, war er bereits zehn Jahre Abteilungsleiter. Übernommen hat er die Aufgabe nach seinem Umzug von Wörth nach Hagenbach vom früheren Ortsbürgermeister Karl August Vogel. Damals gab es nur eine Tischtennisabteilung und eine „kickende Männergruppe“, die Heilmann „gegen leichtes Murren“ zur „Jedermanns-Gymnastik mit anschließendem Ballspiel“ motivierte. Zwei dieser Gruppen „Fit in die Woche“ leitet er auch heute noch. Seit Kindertagen in Wörth kannte und liebte Heilmann das Turnen, war und ist auch selbst erfolgreich. Besonders gern erinnert er sich unter anderem an seinen zweiten Rang im Wahlwettkampf beim Landesturnfest Rheinland-Pfalz 2010 und an den siebten Rang beim Deutschen Turnfest in Berlin 2017.
Jugend fördern
„Turnen erfordert ganzen Körpereinsatz. Kraft und Gelenkigkeit entwickeln sich; dazu ist mentale Stärke als Einzelkämpfer gefragt, denn man hat keinen Rückhalt durch eine Mannschaft“, beschreibt er die Faszination. Es ist die beste Grundlagenförderung für Kinder, und entsprechend hat sich das Turnen für Kinder in Hagenbach in den letzten 30 Jahren sehr gut entwickelt. Dies ist in erster Linie Peter Heilmanns Verdienst, der es immer wieder versteht, neue Übungsleiter zu motivieren, Kindern Spaß an Sport und Bewegung zu vermitteln, Talente zu entdecken und den „Sportladen am Laufen zu halten“. „Peter ist ein echter Teamplayer, hilfsbereit und fair“, beschreibt ihn Wolfgang Bechlars, der die Abteilung Handball im TV gegründet hat.
Unvergessen ist hier die deutsche Vizemeisterschaft der B-Jugend bei den Handballmeisterschaften 1992, als die Sieger vom ganzen Dorf empfangen wurden. Recht aktiv war auch die Show- und Tanzgruppe „Vision“, die mit einfallsreichen Shows Hagenbacher Feste bereicherte. Inzwischen ist diese Abteilung aufgelöst.
Trends geben Schwung
Denn mit vielen jungen Menschen im Verein ist alles immer im Fluss, die Mitgliederzahlen spiegeln die Freizeitvorlieben der Bevölkerung. Nach großen Aufschwüngen durch die „Trimm-Dich-Bewegung“, Gesundheitstrends, Fitness-Wellen und Handball zählte der Verein über 700 Mitglieder. Inzwischen führten neue Trends hin zu Individualisierung, Konkurrenz durch Sport- und Tanzstudios und zum Rückgang auf etwa 500 Mitglieder. Vielfach ist Engagement im Verein, auch Unterstützung durch Eltern nicht mehr selbstverständlich.
Der Blick zurück ist nett und nostalgisch, aber der Blick nach vorne und strategische Überlegungen im Team sind überlebenswichtig, meint Heilmann. Hier hilft ihm wohl seine frühere Tätigkeit als Kostenplaner. Schon immer sind ihm auch faire und transparente Zusammenarbeit mit den Abteilungen und Übungsleitern extrem wichtig. Ja mehr noch, in Zeiten des demografischen und gesellschaftlichen Wandels betrachtet er zukünftige Zusammenarbeit über Orts- und Vereinsgrenzen hinweg als lebensnotwendig. „Da darf es kein falsches Konkurrenzdenken geben“. So gibt es im Handball bereits gut funktionierende Spielgemeinschaften. Und wenn Heilmann Turntalente entdeckt, findet er immer Möglichkeiten intensiverer Förderung, zum Beispiel bei seinem Heimatverein TV Wörth, bei dem er inzwischen auch mit Enkel Finn wieder trainiert.
Gute Trainingsbedingungen
Der Hagenbacher Turnverein hat laut Heilmann viele Angebote im Breitensport für Erwachsene und Kinder, und daneben eine gut funktionierende Kooperation mit der Grundschule. Zudem biete die inzwischen renovierte Sporthalle guten Trainingsbedingungen dank vieler neuer Geräten. Für die Zukunft „seines“ Vereins wünscht sich Heilmann, dass immer wieder aus den eigenen Reihen junge Menschen bereit sind, sich als Übungsleiter zu qualifizieren, und er in naher Zukunft das Vorstandsamt an engagierte Nachfolger abgeben kann. Dann gäbe es noch mehr Zeit, sich seinem Hobby, dem Gestalten von Krippenlandschaften zu widmen.