Kreis Germersheim Geschicklichkeit auf Rad gefragt
WÖRTH. 46 Mädchen und Buben, die Jüngste drei, der Älteste zwölf Jahre alt, messen sich im sportlichen Wettkampf – und am Ende gewinnen alle? „Bei Menschen unmöglich.“ Davon war ich vor dem Fette-Reifen-Rennen am Samstag im Wörther Stadion fest überzeugt. Bei der Siegerehrung musste ich zugeben, dass ich mich geirrt habe.
„Gleich geht es los!“ Holger Weimer vom Radsportclub (RSC) Wörth, hat gerade 46 Starter in vier Listen für die Altersklassen eingetragen: U13, U11, U 9 und U 7. Dunkle Wolken drohen Regen an. Das wäre nicht gut für das Rennen. Auf der Tartanbahn machen sich die unter 13-Jährigen bereit für den ersten Lauf. Fette Reifen heißt, die Buben und Mädchen fahren nicht mit richtigen Rennrädern, sondern mit ganz normalen Fahrrädern mit ganz normalen Reifen. Gefragt ist nicht nur schnelles, sondern vor allem sicheres Radfahren. Schließlich sollen die Kids auch auf dem Schulweg ihr Rad beherrschen. Die Glocke läutet, das ist der Start! Die ersten Meter heißt es: Den Lenker gerade halten, die Spur nicht verlassen! Der „Mann“ im gelben Trikot wird eingeholt. Edison macht schon das Siegeszeichen, fährt nach sieben Runden tatsächlich die schnellste Zeit. Am Ende muss er erfahren, dass auch die Geschicklichkeit zählt. Da darf er noch üben, denn er wirft mehrere Trinkflaschen um und muss sogar einmal vom Rad. Bei 16 Startern im Feld der U 11 und 15 bei der U 9 geht es auf der Bahn noch enger zu. Noch ein Kuss von der Mama, dann läutet die Startglocke. Zwei Schrittmacher fahren vorneweg. In der Kurve geht der Fahrer mit rotem Helm am grünen Trikot vorbei. Vorne bildet sich ein Trio. Manche werden überrundet und die Zeitnehmer müssen darauf achten, wem sie die letzte Runde einzuläuten haben. Dann streckt Julian im Ziel den rechten Arm nach oben: Bestzeit! Im dritten Lauf legt Josef „ganz in Weiß“ – Fahrrad, Helm, Trikot – ein rasantes Tempo vor. In gebückter Haltung bietet er dem Gegenwind keine Angriffsfläche und siegt mit weitem Vorsprung. Im vierten Lauf müssen die dreijährige Anna Rapp und ihre Alterskameradin Klara Nortmann mit Startnummer 3 und 2 auf ihren kleinen Rädern mit kleiner Übersetzung mächtig strampeln. Aber auch sie kommen ins Ziel. Das Geschicklichkeitsfahren zeigt, dass nicht unbedingt die schnellsten Fahrer mit den tollsten Rädern und den bunten Fahrradhandschuhen den Sieg unter sich ausmachen. Der Parcours hat es in sich: Gleich beim Start tief gebückt unter einer Stange hindurch, dann ein Slalom um sechs eng stehende Trinkflaschen, eine Kehre, eine Fahrt in engem Kreis und zwischen zwei Hütchen ins Ziel. Da muss man aufpassen, darf nichts umwerfen und muss auf dem Rad bleiben. Bei der Siegerehrung, die Holger Weimer und RSC-Vorsitzender Franz Rauschenberger vornehmen, gibt es Pokale für die Ersten sowie für alle Teilnehmer kleine Preise, Urkunden und Medaillen. Die Sieger der vier Altersklassen können im Herbst sogar an einem Radcamp in Luxemburg teilnehmen. Die RSC-Leute hatten mit dem Teilnehmerrekord nicht gerechnet und müssen noch Medaillen nachbestellen. Zum Glück verlief alles unfallfrei, es ging fair und sportlich zu, die Wolken sind über den Rhein gezogen und der Kuchen schmeckte köstlich. Nächstes Jahr nehme ich meine Schwester Nessy mit. Ergebnisse Altersklasse U 13: 1. Marlene Winter, punktgleich 2. und 3. Louis Werling, Adil Agi, 4. Maik Bollich, 5. Ersin Özpolat. Altersklasse U 11: 1. Janosch Wehrum, 2. Julian Hindsch, 3. Lars Miller-Reichling, 4. Alexander Janzer, 5. Knud Pfirrmann. Altersklasse U 9: 1. Josef Winter, 2. Alexander Weiß, 3. Jonas Kövago, punktgleich 4. Julia Denner und Zoe Cailin Wiese. Altersklasse U 7: 1. Jakob Rapp, 2. Emil Glückselig. (wi)