Wochen-Spitzen
Geschichten von Lug und Trug
Was war das wieder für eine Woche. Nicht nur, dass es wahrscheinlich die letzte heiße Sommerwoche mit Temperaturen von 30 Grad oder mehr war, auch die Gemüter haben sich stark erhitzt. Schließlich gab es wieder viele Telefonanrufe von Menschen, die nur an das Geld der Leute wollen, ohne auch nur einen Handstreich zu arbeiten. Mit immer perfideren Methoden wird am Telefon vorgegaukelt, man sei der Sohn, die Tochter oder gar ein Enkelchen, das dringend Omas oder Opas Geld benötigt, um aus einer misslichen Lage zu kommen. Zurückgeschreckt wird dabei nicht vor schockierenden Meldungen wie Unfall, Notoperation, Gefängnis und ähnliches. Doch viele Senioren durchschauen inzwischen diese Lügen.
Heimliche Helden
Gut, dass es aber auch die heimlichen Helden bei der Geschichte gibt – nämlich aufmerksame Bankmitarbeiter, denen wirklich was an ihren meist älteren Kunden liegt. Die spüren, dass der Geldabhebende nervös und vielleicht wortkarger ist als normal. Im Gespräch wird deutlich, dass sie vom Anrufer aufgefordert worden waren, nichts zu sagen, aber doch froh sind, den Rat eines Außenstehenden zu hören. Schon so manchem Opfer wurde so ein großer Verlust erspart und die Telefon- oder WhatsApp-Betrüger gehen leer aus.
Rat mal, wer zum Essen kommt
Leer gehen vielleicht aber auch die Enkel oder Enkelinnen aus, die sich auch gerne von den Omis oder Opis beschenken lassen wollen. Denn unter Umständen beginnen sie ihr Telefongespräch auch mit: „Hallo, rat mal, wer am Telefon ist ...“, und werden dann einfach abgehängt. Zu Recht. Wenn Großeltern raten müssen, ob sie ihre Enkel am Telefon an der Stimme erkennen, läuft was falsch. Besser wäre, es zu sagen: „Oma, rat mal, wer heut’ zum Essen kommt.“ Denn wenn sich Großeltern und Enkel regelmäßig treffen, dann klappt das sicherlich auch mit dem nächsten Geschenken – fast ohne einen Anruf.
Alternative Wahrheiten
Und die Omas und Opas können bei den Treffen auch gleich in ihrer Schatztruhe greifen und ein paar Erfahrungen loswerden, wenn es sich um Lug und Trug handelt. Denn manchmal greifen auch die Betagteren unter uns zu alternativen Wahrheiten. So hat kürzlich eine Germersheimerin erzählt, dass sie ungebetenen Besuch an der Haustür oftmals damit getäuscht hat, in dem sie sagte: „Ich putze hier nur.“ Das stimmte natürlich nur teilweise nicht, denn geputzt hat sie schon in ihrem Haus, nur eben nicht nur. Und ihr inzwischen verstorbener Mann hat im Garten gesagt, wenn er von Fremden angesprochen wurde: „Ich bin nur der Gärtner.“
Gute Nachbarschaft
Und gut ist es noch, wenn man sich auf seine Nachbarschaft verlassen kann. Denn wenn beispielsweise ein reisender Messer- oder Scherenschleifer an den Haustüren klingelt und versucht, für 125 Euro oder mehr vier Messer zu schärfen, ist es gut, wenn ein Nachbar dabei das Handy zückt und ein Foto des Reisenden und seines Autos macht. Vielleicht interessiert das ja später die Polizei. Denn die ist immer daran interessiert, dass ihre Mitmenschen nicht übers Ohr gehauen werden.
Ein schönes Wochenende
Ralf Wittenmeier