Minderslachen
Geschäfte, Wohnraum, Parkplätze: Wunschliste der Bürger ist lang
Obwohl sie durchaus noch den einen oder anderen Wunsch hätten, so fühlen sich die Menschen im Kandeler Stadtteil Minderslachen im Großen und Ganzen doch recht wohl. Das geht aus einer Befragung hervor, die das Büro Plankultur aus Herxheim im Auftrag der Stadt durchgeführt hat. Sie ist zwar keineswegs repräsentativ, denn von 343 Fragebogen, die an die Haushalte des Stadtteils mit rund 666 Einwohnern verteilt wurden, kamen nur 45 beantwortet zurück: eine Quote von 13,1 Prozent.
Dennoch dienen die Ergebnisse und Anregungen als Grundlage für das weitere Vorgehen, sagte Planerin Silke Neu bei einer Einwohnerversammlung im Bürgerhaus. Die Dorfmoderation, so die städtische Beigeordnete Jutta Wegmann (Grüne), sei ein Weg, um konkrete Vorhaben und Projekte in Minderslachen umzusetzen. Auch solche, für die die hoch verschuldete Stadt Kandel bisher keine Finanzmittel zur Verfügung hatte. Man hoffe, so Wegmann, die von ihren Beigeordneten-Kollegen Michael Gaudier (CDU) und Werner Esser (FDP) begleitet wurde, über diese Schiene Landeszuschüsse zu erhalten, um einiges umzusetzen.
Brötchenservice für den Ort
Gar nicht zufrieden sind die Befragten mit der Infrastruktur. Sie bemängelten das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten, von Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben und von Einrichtungen im Gesundheitswesen. In der Diskussion stellte sich aber heraus, dass es durchaus Angebote gebe: im Wohnbereich von Minderslachen etwa Selbstvermarkter, im Gewerbegebiet auf dem Horstgelände eine Metzgerei. Dass dieses zu Minderslachen gehört, war offenbar Vielen gar nicht bewusst. Beigeordneter Gaudier möchte den den Brötchenservice ansprechen, der täglich die Betriebe auf dem Horstgelände versorgt, ob er auch durch die Wohngebiete fahren könnte.
Beklagt wurde die Entfernung zur nächsten Kindertagesstätte und zu den Angeboten im Stadtkern. Eher zufrieden zeigten sich die Einwohner mit den Sportstätten, auch wenn ein Bolzplatz fehle und die Kinder den Fußballplatz nicht benutzen dürfen. Nach wie vor gefährlich empfunden wird die Fußgängerüberquerung in der Brehmstraße, auch seien die Gehwege sehr schmal und der Rad- und Fußweg oft verschmutzt. Zudem würden Parkplätze fehlen und teilweise von Anwohnern blockiert werden. Fürs Parken wurden Regeln gefordert, besonders für den Bereich um das Bürgerhaus, wenn Veranstaltungen stattfinden. Und übrigens: Von diesem solle man die Finger lassen, war auch in der Versammlung zu hören. Die vor Jahren angestellte Überlegung, das Gebäude einem anderen Zweck zuzuführen, klingt den Menschen aus Minderslachen wohl heute noch in den Ohren.
Treffpunkte für junge Leute
Menschen, die im Alter eine passende Wohnform suchen, werden in Minderslachen wohl enttäuscht werden. Hier sollten Angebote geschaffen werden, fordern die Bürger. Zudem sollten Treffpunkte für Jugendliche geschaffen werden. An ihrem Ort schätzen die Einwohner besonders die Dorfgemeinschaft, die ruhige Lage und die Nähe zur Natur. Auch die gute Anbindung an die Autobahn wird geschätzt, ebenso die Nachbarschaftshilfe und die Seniorennachmittage. Der Lärm und der Verkehr gefallen – wie in anderen Gemeinden auch – den Menschen hingegen nicht.
Im zweiten Schritt der Dorfmoderation lädt die Planerin am Dienstag, 20. Juni, 19 Uhr, zu einer Ortsbegehung ein und hofft dabei auf eine stärkere Beteiligung als bei der Umfrage. Treffpunkt ist am Bürgerhaus. Auf der Agenda stehen die Innenentwicklung, der Leerstand von Gebäuden, das Ortsbild und die typische Bausubstanz sowie um die Straßenraumgestaltung. Auch das Aufregerthema „Parken“ wird in den Blick genommen.