Kreis Germersheim
Germersheim: Kommandeur will Soldaten rekrutieren
Wenn der Ausbau der Südpfalz-Kaserne abgeschlossen ist, werden Einheiten vom Zweitstandort Roth nach Germersheim verlegt. Über den aktuellen Sachstand und wie er die Arbeit seiner Vorgänger fortsetzen will, darüber sprachen wir mit dem neuen Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Peter Eckert.
Die weitere Entwicklung des Luftwaffenausbildungsbataillons ist stark vom Baufortschritt in der Germersheimer Südpfalz-Kaserne abhängig und von dem am Zweitstandort im bayrischen Roth. Das sagte der seit Sommer amtierende neue Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Eckert, der RHEINPFALZ.
Momentan würden in Germersheim Rekruten in zwei Kompanien mit sechs Zügen die allgemeine Grundausbildung durchlaufen. Ziel seien elf Züge. Die Zahl werde erreicht, wenn die Ausbauarbeiten in Germersheim und Roth abgeschlossen sind. Denn dann würden wie geplant die 7. Kompanie in die Südpfalz-Kaserne verlegt und die 8. Wobei Letztere, die zum Auffangen von Rekrutierungsspitzen aufgestellt worden sei, aufgelöst werden soll. Zum Ausgleich soll die Offiziersschule der Luftwaffe von Fürstenfeldbruck nach Roth verlegt werden.
Vier Bataillonsstandorte
Weitere Bataillonsstandorte befinden sich in Darmstadt und Frankfurt. Neben der Ausbildung junger Rekruten bereitet die Ausbildungseinheit in Germersheim alle Soldaten der Luftwaffe und weiterer Verbände, unter anderem befreundeter NATO-Staaten, auf den Auslandseinsatz vor. Hinzu kommt die Zivile Aus- und Weiterbildung (ZAW) zum Fluggerätemechaniker, medizinisch-technischen Assistenten (Radiologie) und zu Kaufleuten für Büromanagement.
Gravierende Einschnitte plant Eckert nicht. „Die Dinge laufen sehr gut.“ Er bezeichnet es als „Sechser im Lotto“ hier in der Region Kommandeur sein zu dürfen. Schließlich kenne er die Südpfalz seit Kindertagen, als er mit seinen Eltern hier wiederholt den Familienurlaub verbrachte. Als seinen persönlichen Arbeitsschwerpunkt nennt er „Menschen für die Bundeswehr gewinnen“, was auf dem veränderten Arbeitsmarkt mit vielen Nachfragern und weniger Bewerbern nicht so leicht sei.
125 Millionen werden verbaut
Über den Stand der Bauarbeiten berichtete Hauptmann Josef Vollmer: Die Unterkunftsgebäude 4 und 5 sind fertig und dieses Jahr bezogen worden. Sie haben Internetanschluss, was auch die übrigen Gebäude erhalten sollen. Als Nächstes soll im ersten Halbjahr 2020 das Sanitätsversorgungszentrum fertig werden, dessen Fertigstellung bereits für Oktober geplant war. Dann stehen noch energetische Sanierungen an verschiedenen Gebäuden an, darunter das des Stabs und die Sporthalle.
Neue Hindernisbahn
Während laut Volmer das Kleinspielfeld bereits saniert ist, steht die Renovierung des Gebäudes 40 mit dem Schießsimulator noch an. Gleiches gilt für die Hindernisbahn. Da jedoch das Ergebnis der ersten Ausschreibung so sehr über der Planung gelegen hat, ist eine zweite geplant, was zu Verzögerungen führt. 2021 soll die Sanierung der Gebäude 3 und 6 beginnen; dazu muss erst das als Interimslösung vorgesehene Gebäude 10 fertig werden. Bevor am Ende das Wirtschaftsgebäude abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut wird, gilt es die Küchen im Offiziers- und im Mannschaftsheim zu modernisieren. Und nach den vielen Bautätigkeiten in der in den 1960er Jahren gebauten Kaserne wird auch die Ringstraße samt Beleuchtung erneuert.
Eine Prognose, wann alles fertig sein wird, wagt Vollmer nicht. Zum einen sei man auf die Bewilligung von Mitteln angewiesen, zum anderen gelte es die angespannte Lage im Bausektor zu berücksichtigen. Am Ende würden jedoch 125 Millionen Euro in der Südpfalz-Kaserne verbaut sein.
Zur Person: Peter Eckert
Oberstleutnant Peter Eckert ist verheirateter Vater von drei Kindern. 1978 wurde er in Fürth geboren, wo seine Familie lebt, zu der er an freien Wochenenden pendelt. 1998 ist Eckert in Bayreuth in die Bundeswehr eingetreten, ins Luftwaffenausbildungsregiment 3. Nach der Offiziersausbildung studierte er an der Bundeswehr-Uni in München Staats- und Sozialwissenschaften. Es folgten unterschiedliche Verwendungen in Roth, Neuburg an der Donau, Fürstenfeldbruck, Hamburg und Ulm. Im Auslandseinsatz war der Offizier in Afghanistan. Vor seinem Wechsel auf die Stelle des Kommandeurs des Luftwaffenausbildungsbataillons in Germersheim war der 41-Jährige in Köln unter anderem Referent für Personalstruktur. Als seine Hobbys nennt Eckert sein Engagement bei der Feuerwehr und seine Familie.
Gelöbnis bei Fackelschein
Im spärlichen Licht zahlreicher Fackeln und einiger Straßenlaternen legten am Donnerstagabend rund 440 Rekruten des Germersheimer Luftwaffenausbildungsbataillons, des ABC Abwehrbataillons 750 Baden aus Bruchsal und des ABC Abwehrbataillons 7 aus Höxter ihr feierliches Gelöbnis beziehungsweise ihren Diensteid in der Südpfalz-Kaserne ab. Etwa 1500 Bürger nahmen an der Zeremonie teil, welche das Heeresmusikkorps Koblenz musikalisch gestaltete. Der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, Oberstleutnant Peter Eckert, beglückwünschte die Rekruten zu ihrer Berufswahl. Festredner Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz, lobte die Soldaten für ihren Einsatz für die Bundesrepublik Deutschland. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass die jungen Leute sich mit Leib und Leben für die Sicherheit des Staates und seiner Bürger sowie für die demokratischen Werte der Gesellschaft einsetzen. Die Schwester eines Rekruten wurde besonders geehrt, weil sie aus Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern anreisend mit 870 Kilometern die weiteste Anfahrt hatte.