Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Germersheim: „Es ist okay, dass alte Autos stinken“

In Reih’ und Glied aufgereiht – einer schöner als der andere.
In Reih’ und Glied aufgereiht – einer schöner als der andere. Foto: Iversen

„Das hier ist speziell“, sagt Veranstalter Martin Heinz. Mit „das“ meint er die 6. Auflage des „Circle City Cruise IN“ (CCCI), die am Wochenende auf dem Germersheimer Messplatz stattfand. Das Treffen für Ostfahrzeuge, Oldtimer und US-Cars zog alleine am Samstag rund 600 Teilnehmer und noch mehr Besucher an. Besonders beliebt ist hierbei die ungezwungene Festivalatmosphäre. Denn viele bleiben gleich alle drei Tage da und campen neben ihren Fahrzeugen.

Schon Heinz’ Vater hatte Treffen für US-Cars organisiert. Getrieben war der Besitzer eines Cadillacs von der reinen Begeisterung, sich mit Gleichgesinnten zusammen zu tun. Sohn Martin „wuchs hinein“ und habe es ausgeweitet. Er spricht von Automobilkultur aus allen Jahrzehnten und Nationen. Potenzial für mehr sei noch da, sagt er: „Wenn die Stadt mitspielt. Wir haben von ihr sehr viel Unterstützung, das klappt schon sehr, sehr gut.“ Spannend sei immer, „die Vorbereitung eines ganzen Jahres an drei Tagen tatsächlich aufleben zu lassen“.

Ein Herz für Trabis

Halbtags arbeitet er bei der BASF, die andere Zeit geht für seine Kfz-Werkstatt drauf. Hier hat er sich auf Trabis spezialisiert: „Für andere ist es nur ein Auto, das immer gleich aussieht. Aber es wurde stets ausgebaut, weiterentwickelt und spezialisiert“, lobt er den sozialistischen Volkswagen aus DDR-Produktion. Damit rennt er bei den Trabifans Karlsruhe natürlich offene Motorhauben ein. Mehr als 30 Mitglieder zählt der bunt gemischte Verein. „Die Trabis haben einfach eine geniale Technik und sind leicht zu warten“, sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Küßner.

Neben der Geselligkeit engagieren sie sich auch für die Gesellschaft. In diesem Frühsommer haben sie auf einem Auto-Treffen am Bodensee mehr als 2000 Euro für krebskranke Kinder in Tübingen gesammelt. Küßner: „Wir haben Passanten gegen eine kleine Spende eine Runde im Trabi angeboten.“ Man wolle, dass die Ära und Tradition dieses Autos, das auch ein Teil der deutschen Geschichte ist, nicht vergessen wird. „Spaß, Feiern und die Gemütlichkeit kommen trotzdem nicht zu kurz“, sagt einer und die Gruppe stimmt mit einem herzhaften Prost ein.

Baden im Pool auf einem Chevy

Derweil ist auf dem Gelände einiges geboten. Kinder toben in ihrem Spielbereich oder baden in einem Pool auf der Ladefläche eines Chevrolet. Auch der neun Jahre alte Tom aus Neunkirchen an der Saar: „Es ist okay, dass alte Autos stinken. Denn der Motor und die Karosserie sind geil“, fasst er nicht nur für seine Altersklasse das Wesentliche zusammen.

Vor der Bühne liegt eine Stahlplatte auf dem Asphalt. Jeder, der will und kann, darf hier seinen Reifensatz endgültig ruinieren und die Hinterräder so lange durchdrehen lassen, bis es raucht. Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg ist in diesen Momenten nicht nur weit weg, sondern wohl von einem anderen Planeten. Das Treffen hat einen eigenen Charme und ist mit den üblichen Schauveranstaltungen kaum zu vergleichen. Alles hier ist sehr herzhaft, auch die Verkaufsstände mit Pettycoats, Lederklamotten oder einem Tätowierer. Bei den Aufklebern ist alles zu finden, was provoziert und dem Gott von Diesel, Öl und knapp bekleideten Frauen gefällt. Auf die Frage, weshalb er keinen Peace-Aufkleber im Sortiment hat, lächelt der junge Verkäufer charmant: „Das ist eine gute Frage, ich weiß es nicht. Aber ich kaufe das Programm auch nicht ein.“

Elektroautos sind hier eigentlich kein Thema

Der Samstagabend steuert auf seinen Höhepunkt zu. Eine kleine Gruppe nähert sich dem Eingang. Als in dieser der über dem Gelände hängende, klassische Benzingeruch angesprochen wird, sagt eine Mutter mit Kinderwagen nur „ich mag das!“ Und lächelt.

Auf die Frage an Martin Heinz, wann man ihn denn einmal in einem Elektroauto sehen kann, kommt ein unmissverständliches „nie“ als Antwort: „Ich bin ja für viele Ferz zu haben, aber ich muss ja nicht alles gemacht haben.“ Zudem gebe es „genug schlaue Köpfe, die sich mit E-Autos beschäftigt haben und wissen, dass das mehr Schein als Sein ist“.

Kleine Schönheitskorrekturen am großen Laster.
Kleine Schönheitskorrekturen am großen Laster. Foto: Iversen
Denn der Haifisch, der hat Flossen.
Denn der Haifisch, der hat Flossen. Foto: Iversen
Innenansicht.
Innenansicht. Foto: Iversen
Knuffig und kultig – der VW Käfer.
Knuffig und kultig – der VW Käfer. Foto: Iversen
Auch Junge haben Spaß an Altem.
Auch Junge haben Spaß an Altem. Foto: Iversen
Entspannter Blick auf die Welt der Oldtimer.
Entspannter Blick auf die Welt der Oldtimer. Foto: Iversen
„Hast Du das gesehen?“
»Hast Du das gesehen?« Foto: Iversen
Sehen und gesehen werden.
Sehen und gesehen werden. Foto: Iversen
Platz ist in der kleinsten Karre.
Platz ist in der kleinsten Karre. Foto: Iversen
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