Kreis Germersheim Germersheim: Ärztehaus mit Medizinern in Uniform
Germersheim: Das Sanitätsversorgungszentrum in der Südpfalz-Kaserne ist in die Jahre gekommen. Ein Neubau soll dem gewachsenen medizinischen Angebot den passenden Raum bieten. Angesichts des Ärztemangels, der auch bei der Bundeswehr absehbar ist, wird der Kontakt zu Nachwuchs gesucht.
Wenn Soldaten krank werden oder sich verletzt haben, marschieren sie zum Truppenarzt. Der sitzt in Germersheim in der Südpfalz-Kaserne im Sanitätsversorgungszentrum, ein Teil des Sanitätsunterstützungszentrums Cochem. Das Gebäude, Baujahr 1964, ist wiederholt renoviert worden. Derzeit entsteht daneben für 4,7 Millionen Euro ein Neubau. Auch weil das medizinische und technische Angebot der Einrichtung in den vergangenen Jahren ausgebaut worden ist und die alten Räume dafür nicht mehr ausreichend ist, wird das neue San-Zentrum benötigt. Das berichtet dessen Leiter, Oberfeldarzt Dr. Christian Safar. Ihm unterstehen 16 zivile und militärische Mitarbeiter: Dazu zählt er unter anderem zwei Fachärzte für Allgemeinmedizin, einen Facharzt für Innere Medizin, eine Weiterbildungsassistentin für Anästhesie sowie eine Zahnarztgruppe. Das San-Zentrum sei zuständig für die Versorgung der Vorderpfalz, den Ballungsraum Ludwigshafen/Mannheim und große Teile von Karlsruhe. Für das in der Kaserne stationierte Luftwaffenausbildungsbataillon erfülle die Sanitätseinheit die Hausarztfunktion. Behandlungsschwerpunkte sind sportmedizinische und orthopädische Verletzungen, so Safar. Hinzu komme eine Gelbfieber-Impfstelle, zum Beispiel für Soldaten, die in den Einsatz nach Mali gehen. In der Südpfalz-Kaserne werden alle Luftwaffe-Soldaten auf ihren Auslandseinsatz vorbereitet. Darum wirkten die Mediziner auch als Referenten bei der Ausbildung. Dabei geht es laut Safar etwa um Fragen wie: Was gibt es im Einsatzgebiet für Krankheiten und wie kann man sich dagegen schützen? Das medizinische Personal sei aber auch begutachtend tätig. So würden Soldaten beispielsweise auf ihre gesundheitliche Tauglichkeit für eine Verwendung auf einem Schiff untersucht, als Fallschirmspringer oder Taucher. Auf Letzteres ist Safar spezialisiert, der in seiner Freizeit taucht. Damit nicht genug, sei das San-Zentrum auch noch ein Ausbildungsbetrieb für medizinische und zahnmedizinische Berufe. „Wir suchen Leute“, gibt Safar zu Protokoll. So würden Schulpraktika angeboten, weil seit Aussetzen der Wehrpflicht „nicht mehr so viele junge Leute mit der Bundeswehr in Kontakt kommen“. Da das San-Zentrum über eine Weiterbildungsermächtigung verfüge, werde auch eine Kooperation mit den Universitäten Mainz und Heidelberg angestrebt. Dann könnten Medizinstudenten in Germersheim Praktika absolvieren und einzelne Ausbildungsabschnitte. Schließlich seien die Prüfungsanforderungen für Fachärzte im militärischen und zivilen Sektor gleich. So würden, wegen ihrer geringen Anzahl, angehende Bundeswehrärzte – im Gegensatz zu Soldaten, die andere Studiengänge beschreiten – an zivilen Universitäten ausgebildet, wo Plätze für sie reserviert seien. „Wir sind alle Mitglieder der Ärztekammer“, erzählt Safar. Was die Apparatemedizin anbetrifft, so sei das Angebot in den vergangenen Jahren ausgebaut worden: „Apparativ ist Ultraschall, zum Beispiel von Bauch und Schilddrüse, möglich, Echokardiographie vom Herzen, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG und -Blutdruckmessung sowie Lungenfunktionsüberprüfung.“ Im neuen Sanitätsgebäude stehe auch ein steriler Raum für kleinere Operationen zur Verfügung. Bei größeren Eingriffen würden die Soldaten in umliegende Kliniken eingewiesen – nicht zuletzt auch deshalb, weil das San-Zentrum über keine Bettenstation mehr verfügt. Die wurde laut Safar vor wenigen Jahren geschlossen. Nun gebe es nur noch zwei Tagbetten, falls zum Beispiel Infusionen verabreicht werden. Für den Fall, dass im San-Zentrum nicht verfügbare Fachärzte benötigt werden, gebe es Verbindungen zu niedergelassenen Ärzten im Raum Germersheim, Speyer, Mannheim und Bad Bergzabern, wo ein weiterer Bundeswehr-Standort ist.