Kandel
Geplantes Energiemanagementsystem soll sparen helfen
Energie ist teuer. Vor allem in Deutschland. Und Energiesparen ist grundsätzlich überall angesagt, der Kosten wegen, aber auch um Ressourcen zu sparen. Im privaten Haushalt, aber auch in öffentlichen Einrichtungen. Und davon gibt es sehr viele: Schulen und Kindergärten etwa, Versammlungsräume wie Bürgerhäuser, um nur einige zu nennen.
In der Verbandsgemeinde Kandel hat man vor einiger Zeit deshalb auch einen „Energiemanager“ eingestellt. Danny Reininger ist gelernter Elektroinstrukteur, kennt sich also aus. Zu seinen Aufgaben gehört es, die Mitarbeitenden der Verbandsgemeinde, aber auch der sechs Ortsgemeinden und der Stadt Kandel, auf Möglichkeiten der Energieeinsparung hinzuweisen. Er wird gehört, wenn es um Fragen zu intelligenten Beleuchtungs- oder Heizungsanlagen geht.
Datenlage noch dürftig
Doch die Datenlage, auf die er zurückgreifen kann, ist eigentlich sehr allgemein gehalten und dürftig. Nur jährlich werden Zahlen erhoben, verglichen und bewertet, beklagt auch der für den Klima- und Umweltschutz zuständige Verbandsbeigeordnete Martin Oswald (FWG) aus Freckenfeld. Deshalb wurde jetzt von ihnen angeregt, dass für die Verbandsgemeinde Kandel ein sogenanntes Energiemanagementsystem (EMS) angeschafft wird.
Im zuständigen Ausschuss hatte man dies eingehend beraten, auch der Verbandsgemeinderat hat der Maßnahme jetzt einmütig zugestimmt. Grundlage hierfür ist ein Bundesgesetz. Zuständig für die strategische Steuerung von Energie- und Energiemanagementsystemen in Rheinland-Pfalz ist das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität (MKUEM). Demnach sind alle Kommunen verpflichtet, ein EMS zu implementieren, wenn deren Gesamtenergieverbrauch das Jahr über die Grenze von drei Gigawattstunden übersteigt.
4,2 Gigawattstunden
In der Verbandsgemeinde Kandel ist dies der Fall, der Verbrauch lag 2024 bei mehr als 4,19 Gigawattstunden. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre wurden 4,2 Gigawattstunden ermittelt. Mit Hilfe des EMS möchte man diesen Verbrauchswert aber deutlich senken, eine Software soll helfen, aktuelle Daten fortlaufend zu ermitteln, Mängel im Verbrauchssystem zu erkennen.
Martin Oswald nennt als Beispiel den Stromverbrauch in einem Schulgebäude während der Ferien oder am Wochenende. Wurde da vergessen, Geräte abzuschalten, brennt das Licht im Keller oder laufen die Computer weiter und nur die Monitore haben sich von selbst abgeschaltet? Oder wurde vergessen, die Thermostate an den Heizkörpern richtig einzustellen? „Mit dieser Erfassung lassen sich auffällige Verbräuche sofort erkennen, wodurch Energie und Kosten eingespart werden können. Ebenso ist es möglich, durch die Überwachung und Analyse der Gebäudetechnik sowie des Nutzerverhaltens fundierte Rückschlüsse auf den Verbrauch zu ziehen“, heißt es in der Vorlage des Energiemanagers. Anhand der Auswertungen sollten die Gebäudeverantwortlichen sensibilisiert werden für Energieeinsparungen, die nicht erst durch investive Maßnahmen erzielt werden.
Werte überprüfen
Oft sei es ja so, so Beigeordneter Martin Oswald, dass bei Neu- oder Umbauvorhaben Fachbüros Berechnungen vorlegten, die man nur schlecht überprüfen könne. Wenn das EMS aber voll in Betrieb genommen ist, dann könne für jedes einzelne Gebäude eine Amortisationsberechnung vorgenommen werden, um geeignete investive Maßnahmen, etwa für einen besseren Wärmeschutz, durchzuführen. Interessant würden diese Berechnungen dann, wenn weitere Gebäude saniert werden. Dann könne man auch die zuvor berechneten Werte der Planungsbüros überprüfen und genauer erkennen, ob diese auch zutreffend waren. Bisher müsse man sich auf die Angaben der Büros verlassen, sagt Oswald. Das EMS solle deshalb zunächst auch nur die 20 verbrauchsintensivsten Gebäude erfassen. Große Energiefresser in der Verbandsgemeinde seien außer dem Verwaltungsgebäude die Grundschule in Kandel, die Bienwald- oder die Stadthalle.
Nachdem das Vorhaben bewilligt wurde, erfolge jetzt, nach Genehmigung des Verbandsgemeindehaushaltes durch die Kommunalaufsicht in Germersheim, die Ausschreibung für die passende Software, wobei hier verschiedene Produkte am Markt seien. Ein zentrales Programm gibt es bisher nicht, wohl aber Wünsche nach einer Vergleichbarkeit der Software mit den Computerprogrammen, die andere Kommunen einsetzen. 150.000 Euro wurden bereitgestellt. Die bewilligte Förderung durch den Bund beträgt 70 Prozent der Anschaffungs- und Implementierungskosten, auch für technische Nachrüstungen. Den Rest, so hoffen nicht nur Energiemanager Danny Reininger und Beigeordneter Oswald, werde man schon bald durch Einsparungen wieder hereinholen. Und langfristig will man eben die Energiekosten, vor allem für Strom und Heizungszwecke, kräftig senken.