Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Geothermie und Lithium: Goldgräber-Stimmung in der Südpfalz

Der Elektroantrieb eines Daimler Trucks funktioniert nicht ohne Lithium.
Der Elektroantrieb eines Daimler Trucks funktioniert nicht ohne Lithium.

Mit der Lithiumgewinnung hat die Geothermie Auftrieb erhalten, mit der anstehenden Energiekrise dürfte der noch stärker werden. Kein Wunder also, dass sich in der Südpfalz mittlerweile die Interessenten drängeln. Darunter sind ein Weltkonzern und eine vergleichsweise kleine Stadt.

Von „Goldgräberstimmung“ spricht der Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) mit Blick auf die mindestens fünf Firmen, die sich im südlichen Zipfel der Pfalz um die Erlaubnis bewerben, nach Standorten für Geothermie-Anlagen und die Lithiumgewinnung suchen zu dürfen.

Zu diesen fünf Firmen gehört indirekt – und das ist die erste Überraschung – auch die Stadt Wörth. Denn sie ist zu 50 Prozent Eigentümer der Neue Energie Wörth GmbH. Die andere Hälfte gehört den Pfalzwerken. Gegründet wurde die Neue Energie Wörth im Juni 2020 mit dem Ziel, den Ausbau der erneuerbaren Energieversorgung sowohl im Strom - als auch im Wärmesektor voranzutreiben. Erste Projekte der Gesellschaft sollten neue Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden in Maximiliansau sein sowie der Auf- und Ausbau der Fernwärme.

Antrag „quasi als Schutzschild“

Ebenfalls im Sommer 2020 hatte die Stadt Wörth davon Wind bekommen, dass mehrere Unternehmen über Geothermie-Projekte auf der städtischen Gemarkung nachdenken und entsprechende Anträge beim Landesbergamt einzureichen. Bei diesen bergrechtlichen Genehmigungsverfahren sind die Kommunen weitgehend außen vor. Eine Chance, zumindest am Anfang mit am Tisch zu sitzen, bot sich aber: Die Neue Energie Wörth stellte ebenfalls einen Antrag für eine Aufsuchungserlaubnis: für die Gemarkung der Stadt Wörth und weite angrenzende Gebiete. „Wir stellen uns in Konkurrenz“, erläutert Nitsche: „Quasi als Schutzschild.“ Denn eine Abstimmung unter Konkurrenten sieht das bergrechtliche Verfahren vor.

Und hier ist die Stadt laut Nitsche bereits mit einem „Konkurrenten“ im Gespräch: das ist – vielleicht weniger überraschend – Daimler. „Wir haben ähnliche Interessenlagen“, sagt Nitsche: „Daimler hat Anlagen und Gebäude und wird eine Geothermie-Anlage nicht mit hohen Drücken fahren und damit Gefahr laufen, Mikrobeben zu induzieren.“ Was bei den Gesprächen herauskomme, sei noch offen. Mehr will Nitsche nicht sagen. Die Neue Energie Wörth plane allerdings nicht, eine geothermische Anlage selbst zu betreiben.

Daimler hält sich bedeckt

Der Lastwagenkonzern Daimler Truck hält sich bedeckt. Eine Sprecherin bestätigt den Aufsuchungsauftrag. Er sei Teil der Suche nach Wegen für eine CO2-neutrale Produktion. „Die Gespräche mit relevanten Stakeholdern hierzu laufen und sind vertraulich“, so die Sprecherin.

Die letzte Entscheidung fällt aber im Stadtrat, worauf Nitsche großen Wert legt. Der müsse zu gegebener Zeit entscheiden,

ob er die städtischen Interessen durch Teilhabe bis hin zu Partnerschaftsverträgen wahren möchte, ob er sich auf eine Beobachterrolle beschränkt, wie sei das Bergrecht für die Kommunen vorsieht,oder ob er versucht, die Aufsuchung zu erschweren und den Bau einer Anlage zu verzögern.

woertplanung01
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