Kandel Gelöbnis im Zeichen der Nachwuchswerbung (mit Video)
Die Zeitenwende ist spürbar rund um das Gelöbnis im Bienwaldstadion. Zivilisten sind ausdrücklich eingeladen und erwünscht. Der Karrieretruck informiert über das Angebot der Bundeswehr, militärische Großfahrzeuge geben Einblick in den Fuhrpark, die Feldjäger haben ebenso einen Stand wie die Sanitäter. Unter einem Zeltdach warten Details zum „Überleben alleine im Wald“, einen begehrten Lehrgang innerhalb der Bundeswehr, dessen Plätze allerdings begrenzt sind. Die kargen Notrationen beeindrucken.
Unter den Soldaten, die für Auskünfte bereitstehen, ist auch Oberfeldwebel Felix Häfner. „Gefangenschaft soll vermieden werden, der Soldat soll alleine überleben können“, erläutert der Afghanistan-Erfahrene auf Nachfrage. Dabei geht es um die Reinigung von Trinkwasser von Keimen und Schwebstoffen (Wasser in PET-Flaschen in die Sonne legen), aber auch um die Vorteile von Birkenholz (ätherische Öle und Saft). Auch Häfner nimmt eine Veränderung in der Wahrnehmung der Bundeswehr wahr: Durch den Krieg in der Ukraine sei die Bedrohungslage greifbarer geworden, die Bundeswehr nun wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dazu gehört auch, dass es rund um Gelöbnisse nun gerne Informationstage gibt, wie am Mittwoch in Kandel. Angesichts der Witterung seien die wärmenden Schwedenfeuer vor allem für die Zivilisten gedacht, merkt Häfner mit einem Schmunzeln an.
Denn es ist empfindlich kühl und regnet durchgehend, wenn auch in unterschiedlicher Intensität. Dennoch sind die Stände gut besucht. Auffallend viele Frauen nehmen bedächtig schwere Waffen in die Hand und haben Detailfragen. Doch, die Bundeswehr interessiere sie durchaus, antwortet eine junge Frau auf Nachfrage. Und sie wünsche sich, dass es dort noch mehr Frauen gebe.
Einige stehen schließlich auf dem Rasen des frisch renovierten Bienwaldstadions: Zirka 350 Rekrutinnen und Rekruten des Germersheimer Luftwaffenausbildungsbataillons und des ABC-Abwehrbataillons 750 Baden aus Bruchsal legen ihr Gelöbnis ab. Landrat Martin Brandl erinnert in seiner Rede an seine eigene Zeit bei der Bundeswehr, die er in der Sponeck-Kaserne – heute Südpfalz-Kaserne – abgeleistet hatte, sein Gelöbnis war damals in Zeiskam. „Wir sind stolz auf euch“, ruft er dem Bundeswehrnachwuchs zu. Zuvor hatte schon Michael Gaudier, Bürgermeister der Stadt Kandel, auf das starke öffentliche Zeichen zu Bundeswehr und Gesellschaft hingewiesen.
Zum Schluss werden Respekt und Dankbarkeit noch einmal laut hörbar: Auch wenn es nicht im Protokoll stehe, so bitte er doch um einen donnernden Applaus für die Rekruten, sagte abschließend Oberstleutnant Christian Zerau, Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons in Germersheim, abschließend. Diesem Wunsch kommen die Zuschauer gerne nach.