Kreis Germersheim „Gefühle der Kinder ernst nehmen“

Sommer, Sonne, Strand – das bedeutet für viele Teenager auch die erste Urlaubsliebe. Wie soll eine Familie damit umgehen, wenn Tochter und Sohn nach den Ferien die Telefonrechnung strapazieren und am liebsten gleich wieder die Koffer packen würden? Diplom-Psychologin Marianne Bergmann-Stübinger, die in Wörth mit ihrer Tochter eine Psychotherapie-Praxis betreibt, hatte im Gespräch mit Monika Bögelspacher jede Menge Tipps parat.
Ganz klar muss für die Kinder sein, dass sie sich an die Verhaltensregeln des Veranstalters halten, und dass Alleingänge nicht möglich sind. Und zum Leben und seinen Regeln allgemein muss man einfach mit heranwachsenden Kindern ständig im Gespräch sein. Dazu gehört sicher, dass die Kinder aufgeklärt sind. Denn wie absurd wäre das denn, wenn ausgerechnet erstmals vor den Ferien Sexualität und Verhütung als Hauptthema in den Vordergrund rückten. Ab wann sind solche Urlaubsflirts überhaupt ein Thema? Nun ja, inzwischen gibt es bereits für Kinder ab 12 schon Angebote bei Jugendreisen, mit 16 wollen die meisten Jugendlichen gerne mal ohne die Eltern Urlaub machen. Aber viel früher bereits fahren sie zu Ferienaufenthalten, die von Kirchen angeboten werden oder machen eine Sprachreise. Da bieten sich doch jede Menge Möglichkeiten jemand kennenzulernen, sich zu verlieben. Die Kinder würden sagen: „Endlich ohne die ewige Fragerei und Kontrolle der Eltern.“ Damit ist klar: Wer Kinder hat muss sich doch generell auf das erste Verliebtsein einstellen. Ist das eine kritische Zeit? Nicht gleich schwarz sehen. Vielmehr sollten die Eltern erst einmal die Augen schließen und an eigene Erlebnisse denken. In der Regel sind sie nur schön! Und manchmal hat man in den Erinnerungen sogar gleich noch den dazugehörigen Sommerhit passend im Ohr. Dazu waren diese Erlebnisse auch noch ganz frei und unbelastet vom Alltag. Wie sollten Eltern damit überhaupt umgehen, wenn sich die Tochter/Sohn „verknallt“ – gelassen oder ernsthaft? Gelassen? Ernsthaft? Das schließt sich nicht aus! Ernst nehmen muss man die Gefühle seiner Kinder selbstverständlich. Verliebtheit ist per se doch etwas Wunderschönes - und die Verliebtheit der Kinder begleiten zu dürfen ist toll! Macht es einen Unterschied, ob Tochter oder Sohn einen neuen Partner bringen – gehen Eltern damit gleich locker oder aufgeregt mit um? Generell sorgen sich die Eltern nach meiner Erfahrung um die Jungs nicht weniger. Aber es könnte schon sein, dass noch alte Muster gelten und man dem Gelati-Verkäufer mit mehr Vorbehalt begegnet, als der temperamentvollen Süditalienerin. Aber das kann in den Familien recht unterschiedlich sein. Was wäre die bessere Strategie: abwarten ob es ernst wird oder lieber sofort den neuen Freund einladen, gar dorthin zu fahren, um sich selbst ein Bild zu machen? Zunächst gilt es auf jeden Fall gelassen zu bleiben. Die vielen neuen Möglichkeiten über Facebook und Skype in Kontakt zu bleiben, bieten die Chance des Kennenlernens ohne gleich dorthin zu ziehen. Das nimmt manche Spannungen raus, manches erledigt sich von selbst – das soll aber jetzt überhaupt nicht so negativ klingen! Vielleicht wäre die gemeinsame Familienreise in das fremde Land eine Idee, nur ist das meist nicht so schnell umsetzbar. Außerdem gibt es auch dort eine Familie, mit eigener Einschätzung, das darf man nicht ganz vergessen. Ist es für Eltern nochmals schwerer, wenn das Kind einen Partner aus einem anderen Kulturkreis mit bringt? Ja – das gilt zweifellos, und alles, was fremd erscheint, macht zunächst einmal Angst. In diesem Fall natürlich nur den Eltern. Es können ja völlig verschiedene Lebenswelten aufeinander treffen, das ist einerseits mit Sicherheit sehr aufregend, kann andererseits aber auch zu vielen Missverständnissen führen. Hier gilt es sich zu informieren und in alle Richtungen zu diskutieren ohne Gräben aufzureißen, alle Facetten durchzusprechen, das hilft zumindest Klarheit zu schaffen. Erfahrungsgemäß ist es zum Beispiel problematisch, wenn ausländische Partner versuchen, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen – umgekehrt gilt das sicher genauso. Hatten Sie schon ähnliche Fälle in Ihrer Praxis, oder holen sich die Eltern hier gute Ratschläge lieber bei Freunden und Bekannten? Um einen Termin aus diesem Grund hat bei uns bisher niemand nachgefragt. In unserer Praxis kommen wir darauf bei der Erhebung der Biografie unserer Ratsuchenden. Daher sind mir selbstverständlich auch Ehen und Beziehungen bekannt, die sich aus Urlaubsbekanntschaften junger Mädchen entwickelt haben. Wie immer gibt es auch hier gelungene Beziehungen und schmerzhaft gescheiterte. Bei einem Fall waren die Eltern tatsächlich sehr dagegen, und berichteten später über schöne Reisen in das Heimatland ihres Schwiegersohnes.