Kreis Germersheim
Güterverkehr könnte durch Kreis rollen
Nachbarländer sind mit ihren Planungen und Vorbereitungen für eine geplante Güterverkehrschnelltrasse weiter als Deutschland. Die DB Netz AG prüft derzeit mögliche Korridore durch Deutschland, sagt Bürgermeister Marcus Schaile. Von den vielen Varianten seien im Oberrheingraben noch etwa 20 übrig – darunter nur noch eine auf linksrheinischer Seite. Und die betrifft Schaile zufolge nur noch den Landkreis Germersheim beziehungsweise die nördlich angrenzenden Kommunen und Städte.
Zuvor habe es Überlegungen gegeben, von Karlsruhe über Wörth, Kandel und Landau in Richtung Ludwigshafen/Mannheim die Güter zu transportieren oder „eben von Wörth entlang der B9 nach Norden“, sagt Schaile. Auf rechtsrheinischer Seite gebe es jedoch seit vielen Monaten erheblichen Widerstand – „seitens der Politik von Bürgermeistern bis Landtagsabgeordneten, aber auch durch Bürgerinitiativen“, verdeutlicht Schaile. Aus dem Grund hatte sich der Germersheimer Bürgermeister mit der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Landrat Clemens Körner (Rhein-Pfalz-Kreis) sowie den südpfälzer Landräten Fritz Brechtel und Dietmar Seefeldt zusammengeschlossen, um ebenfalls die Interessen der Region gegenüber der DB Netz AG zu vertreten.
Bis Juni hatte die Bahn in ihrer Planungsraumanalyse 50 Linienvarianten von Mannheim nach Karlsruhe entwickelt. Bei einem Treffen am 21. September seien noch 20 Varianten übrig geblieben. Eine davon verläuft nach Schailes Angaben auf der linksrheinischen Seite und „tangiert die Gemarkung der Stadt Germersheim“, sagte Schaile. Weiterhin gebe es drei durchgängige Linienvarianten mit dem Verlauf auf beiden Rheinseiten, die den Rhein queren würden (Tunnellösungen), und 16 Linienvarianten rechtsrheinisch. Davon seien bei einem letzten Treffen vor drei Wochen eben viele weitere weggefallen.
Zwar gibt es auf rechtsrheinischer Seite immer noch viel mehr Linienvarianten, doch da die Bebauung dort viel enger zusammenliege als auf linksrheinischer Seite, sind Schaile zufolge dort die sogenannten Raumwiderstände höher. Durch eine zweigleisige neue Güterverkehrstrasse würden somit Gemeinden und Naturschutzgebiete eventuell mehr beeinträchtigt. Die Bahn bewerte die überwiegend geradlinige und dadurch kürzere Strecke auf pfälzischer Seite positiv. Betroffene Kommunen seien aufgefordert ihre Raumwiderstände, wie geplante Neubaugebiete wie das „Westheimer Neuland“ und rechtskräftige Bauleitpläne (Bebauungsplan „Germersheim Süd“) zusammenzustellen und einzureichen. Betroffen im Kreis Germersheim ist aus Sicht Schailes auch die Gemeinden „Kuhardt und Rülzheim, deren Wohnbebauung eng zusammengewachsen sind“.
Das ist der Grund, warum der Haupt- und Finanzausschuss nun der Verwaltung die Freigabe erteilte, ein Ingenieurbüro für Raum- und Umweltplanung sowie eine Fachanwaltskanzlei mit entsprechender Bahn-Erfahrung zu beauftragen, die Raumwiderstände der linksrheinischen Region zusammenzutragen und gegenüber der Bahn zu vertreten. Die Kosten belaufen sich für alle Kommunen insgesamt auf bis zu 130.000 Euro im ersten Jahr. Je nachdem wie viele Kommunen sich beteiligen, werden die Kosten für die Stadt geringer oder teurer.