Germersheim / Bellheim
Frustration in Fitnessstudios: Schließungen belasten Betreiber
„Niemand weiß, wie es weiter geht“, sagt Bernard Farac, Leiter des Activity-Fitnessstudios mit drei Standorten. Das Studio in Germersheim ist mit gut 1200 Quadratmetern das Größte. Die Studios seien seit Wochen geschlossen, die Mitarbeiter in Kurzarbeit und von der Politik gebe es noch immer keinen Stufenplan oder genauere Informationen. Er sei frustriert. „Gut ein Drittel der Mitglieder haben ihren Vertrag stillgelegt oder ganz gekündigt. Und ich kann das ja sogar verstehen. Vielen fehlt in dieser Zeit einfach das Geld.“
Die finanzielle Situation macht Farac Sorgen. Die Abschlagzahlung vom 2. November sei erst Ende Januar gekommen, könne die Verluste der letzten Monate aber nicht annähernd abfangen. Er habe ein Darlehn aufnehmen müssen, „damit wir das Geschäft nicht verlieren“. Auch sonst mache er sich nicht nur große Sorgen um seine Mitarbeiter, sondern auch um die Kunden.
Psyche leidet
„Dass nicht trainiert werden kann, darunter leidet doch die Psyche“, erklärt der Fitnesstrainer. Eine 70-jährige Kundin habe ihn angerufen und geweint, weil sie solche Schmerzen habe. „Unsere Mitglieder haben ein Durchschnittsalter von 50 Jahren. In diesem Alter baut man körperlich schnell ab. Besonders, wenn man mit einem Leiden vorbelastet ist. Und wenn wir weiterhin schließen müssen, können wir leider nicht helfen.“ Laut Farac biete sein Geschäft zwar ein kostenloses Online-Training an, „aber wie sollen das die Älteren annehmen ohne Smartphone oder Computer“?
Besondere Aktionen hat Farac nach der Wiedereröffnung deshalb erstmal nicht geplant. „Wir müssen alle zunächst wieder sensibilisieren. Das Immunsystem muss wieder aufgebaut werden. Danach können wir an besondere Aktionen denken“, erklärt er.
„Wenn es wieder aufgeht, wollen wir mehr Outdoor-Aktivitäten wie Walking mit Kurzhantel anbieten“, sagt Thomas Waldmann vom Fitnessstudio Gesund und Vital in Bellheim. Das sogenannte Mikro-Studio ist auf kurze Trainingseinheiten eingestellt und hat mit rund 300 Mitglieder einen sehr übersichtlichen Kundenstamm. 10 Prozent davon haben laut Waldmann in den letzten Wochen jedoch ihre Kündigung eingereicht. Gerade deshalb sei es so wichtig, die verbliebenen Leute zu halten. Um ihnen entgegen zu kommen, hat Waldmann vorerst alle Beitragsbuchungen eingestellt. Dazu gehören auch diverse Heimfitness-Programme und Webinare zum Thema Ernährung, die alle Mitglieder kostenlos wahrnehmen können. „Wir haben Glück, dass unser Studio klein ist und wir gut gehaushaltet haben. Wir kommen mit den Zahlungen vom Staat ganz gut durch“, erzählt er.
Hinzu kommt, dass er die Mitglieder alle 14 Tage anschreibt und versucht, sie so gut wie möglich zu informieren. „Es ist sehr familiär hier. Da hält man eben zusammen.“ Es sei ein Kampf, aber das Studio werde durchkommen, sagt der Fitnesstrainer motiviert. Den zweiten Shutdown habe der gelernte Fitnesstrainer genutzt, um das Studio auf Vordermann zu bringen. Belüftungsanlagen, neue Homepage und ein frisch renovierter Trainingsraum. Seine drei festangestellten Mitarbeiter habe er in Kurzarbeit schicken müssen.
Allgemeine Frustration
„Wir wollen eigentlich gesund bleiben in der Pandemie, opfern aber durch die Schließung den gesundheitlichen Faktor“, beschwert sich Frank Weber, Geschäftsführer der Bella Vitalis Fitnessstudios mit 12 Standorten und über 300 Mitarbeitern in der Region. Er selbst ist seit 27 Jahren in der Branche und beschreibt die allgemeine Stimmung als „nicht gut“. Momentan fehle einfach die Perspektive, man befinde sich im Standby. „Ich weiß nicht, was ich Kunden und Mitarbeitern sagen soll. Das frustriert.“
Auch die finanziellen Sorgen seien momentan groß. Laut dem Studiobesitzer kündigen zwar nicht mehr Leute als üblich ihre Mitgliedschaft, jedoch gibt es keine Möglichkeit, im Gegenzug neue Mitglieder anzuwerben. „Unsere Reserven sind aufgebraucht. Ohne Darlehn hätten wir das bisher nicht überlebt“, erzählt Weber. Auch die stattlichen Hilfen könnten das nicht ausgleichen.
Doch Geld sei für ihn lediglich ein Faktor. „Die Menschen sind doch auf Bewegung angewiesen. Gerade bei Älteren kann ein Mangel schwere Folgen haben.“ Deshalb setzt das Bella Vitalis nach der Öffnung auf einen völligen Neustart. „Alle Kunden werden neu eingestellt. Die Analyse und das Muskeltraining werden im Vordergrund stehen“, erklärt der gelernte Fitnesstrainer. Außerdem die Frage: Was hat der Shutdown aus dem Menschen gemacht?
Für seine Mitglieder gebe es bereits jetzt schon intensive Programme im Internet, dazu Plattformen zum Austausch von Rezepten und Erfahrungen. „Außerdem bieten wir live Kurse an, die nicht nur unsere Kunden kostenlos nutzen können“, erzählt er. Das ersetze zwar nicht die soziale Komponente, die ein Fitnessstudio ausmache, aber es sei ein kleiner Trost. „Wir geben unser Bestes und freuen uns schon, wenn es wieder möglich ist, mit unseren Kunden einen Kaffee vor Ort trinken zu können.“