Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Friedenslinde ruht nun in Frieden

Nach dem Fällen der Friedenslinde macht man sich in Kandel schon Gedanken über die Neugestaltung des Plätzels.
Nach dem Fällen der Friedenslinde macht man sich in Kandel schon Gedanken über die Neugestaltung des Plätzels.

Der Freund der Bürger, der Baum ist tot. Nicht irgendein Baum, sondern die Friedenslinde. Ein Sturmschaden läutete ihr Ende ein. Doch kaum ist sie gefällt, macht man sich in der Stadt Gedanken darüber, wie das Plätzel, den der Baum lange prägte, nun gestaltet werden soll.

Kandel trauert. Nicht um einen verstorbenen Mitbürger, sondern um die „Friedenslinde“, die am vergangenen Donnerstag ein Opfer des Sturmtiefs „Ylenia“ wurde. Der Sturm hatte den Baum so stark beschädigt, dass er nach Aussage eines Baumsachverständigen nicht mehr gerettet werden konnte. Deshalb wurde er von der Feuerwehr gefällt.

Das Fällen der Friedenslinde, die im vergangenen Jahr 150 Jahre alt geworden ist, hatte sich in der Stadt schnell herumgesprochen. Schon am Donnerstag kamen während der Fällung Leute aufs Plätzel, die von „ihrer“ Linde Abschied nehmen wollten. Aber auch an den nächsten Tagen war die Friedenslinde in Kandel das Gesprächsthema Nummer eins. Unschwer war dabei zu erkennen, wie beliebt und angesehen dieser Baum nicht nur bei den „Altkandelern“, sondern auch bei den „Neubürgern“ war. Eine ältere, aus Kandel stammende Frau hatte Tränen in den Augen, als sie vom Ende der Linde erfuhr. Ein vor einigen Jahren zugezogener Mann erzählte, dass er seine Besucher stets aufs Plätzel geführt hat, war doch dort für ihn mit der Friedenslinde inmitten von Fachwerkhäusern Kandels schönster Fleck.

Erster Kuss unterm Baum

Die älteren Kandeler bedauern das Fehlen der Linde auf dem Plätzel besonders stark. Verbinden sie doch so manches Erlebnis aus der Jugend mit dem Baum. Einer erzählt, dass er und seine Kumpels während der Schulpause – obwohl das strikt verboten war – immer ans Plätzel runter kamen und um den Baum herumsprangen. Ein Zweiter erinnert sich daran, dass er nach dem zweiten Weltkrieg mit seinem Schüsselchen unter der Linde gewartet hatte, bis er in dem Gasthaus Zur Krone die von US-Amerikanern geförderte Care-Speisung erhielt. Sehr beliebt war der Platz unter der Linde, wie von ihnen erzählt, auch als Treffpunkt der jungen Kandeler.

Am schönsten war jedoch die Erzählung eines Mannes mittleren Alters: Für ihn hatte die Linde eine ganz besondere Bedeutung, hatte er doch unter ihrer Krone erstmals seine spätere Ehefrau geküsst. Gern erinnert hat man sich aber auch an die Theateraufführungen rund um die Linde und vor allem auch an die „Internationalen Begegnungsfeste“, die dort stattfanden und auch dem Namen nach dorthin gehörten.

Lindenfonds aufgelegt

Nun gibt’s die Linde nicht mehr, die während des zweiten Weltkriegs Granatenbeschüsse und 2013 einen Brand überstanden hat. Sie war neben dem St. Georgsturm Kandels bekanntestes Wahrzeichen. Die letzte Ehre erwies die Stadt dem Baum gemeinsam mit der Künstlergruppe um das Projekt „rurreal“ am 12. November 2021. An diesem Abend wurde an die Geschichte der Linde gedacht und Abdrücke ihrer Rinde genommen. Ein Lindenfonds als Geld- und Ideenpool entstand. Mittlerweile sind mehr als 800 Euro zusammengekommen.

Kurz nach der Fällung der Linde wird in Kandel schon darüber nachgedacht, wie man den Friedensbaum ersetzen kann. Mit etwas, das man wieder mit dem Wort Frieden verbinden kann, lautet ein Vorschlag. Von einem neuen Baum rät der Baumsachverständige ab. Ein „Friedensbrunnen“ oder eine Anlage ähnlich der am „Saubrunnen“ war auch schon im Gespräch. Ein Hinweisschild auf die Friedenslinde muss es, so die allgemeine Ansicht, auf jeden Fall geben. Für dies oder anderes braucht es Geld. Deshalb will die Bienwald-Karnevalsgesellschaft (BiKaGe) am Samstag bei ihrer Veranstaltung auf dem Plätzel erstmals Geld dafür sammeln, das in einen speziellen Fonds fließen soll. So werden 30 aus dem Holz der Linde geschnittene Platten zum Verkauf angeboten; drei größere Platten sollen versteigert werden.

Ideen für Neugestaltung gesucht

Nach dem Fällen der Friedenslinde sagte Stadtbürgermeister Michael Niedermeier: „Das Holz wurde nicht entsorgt und wird erstmal aufbewahrt, um zu überlegen, was wir mit diesem großen Stück Geschichte machen.“ Unterdessen hat die Stadt Kandel neben dem Lindenabdruck einen Briefkasten für „Lindenpost“ aufgestellt. Alle Bürger:innen sind eingeladen, Abschiedsbriefe für die Linde einzuwerfen. Die Briefe werden im Internet unter www.kandel.de/linde veröffentlicht und sollen so dem kollektiven Gedächtnis der Stadt hinzugefügt werden. Wer Ideen hat, was mit Stamm oder dem Plätzel allgemein geschehen soll, kann sich per E-Mail an jennifer.tschirner@vg-kandel.de wenden oder den „Lindenpostkasten“ nutzen.

Nach RHEINPFALZ-Informationen will sich der Stadtrat in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Frage Plätzel-Neugestaltung beschäftigen. Ob der Stadtrat allein entscheiden oder die Bevölkerung einbinden wird, ist noch offen.

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