Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fremdsprachen-Unterricht: Französisch steht unter Druck

Die deutsch-französische Freundschaft funktioniert auch über Sprache.
Die deutsch-französische Freundschaft funktioniert auch über Sprache.

60 Jahre nachdem die deutsch-französische Freundschaft im Élysée-Vertrag besiegelt wurde, ist die französische Sprache in Schulen auf dem Rückzug. Spanisch wird hingegen beliebter. Laut Schulleitern hat das vielfältige Gründe.

Englisch ab der fünften Klasse, Latein oder Französisch ab der sechsten. In rheinland-pfälzischen Gymnasien ist das die Regel. In Gesamtschulen können die Kinder ab der sechsten Klasse eine zweite Fremdsprache, meist Französisch, belegen – müssen aber nicht. Verpflichtend wird sie dort erst in der Oberstufe. Viele junge Leute wählen dann allerdings Spanisch.

Die IGS Kandel bietet seit drei Jahren neben Französisch auch Spanisch als neu einsetzende Fremdsprache in Jahrgang 11 an. Es gibt zwei Kurse in Spanisch, einen in Französisch, sagt die Schulleiterin Melanie Müller auf RHEINPFALZ-Anfrage. Als einen Grund für die größere Nachfrage vermuten die Lehrer beliebte Urlaubsziele im spanischsprachigen Raum. „Leider gilt Französisch immer wieder als Sprache, die schwierig in der Aussprache und Grammatik sei. Dieses Image hat Spanisch noch nicht, was sich aber im Laufe der Jahre ändern mag“, erklärt Müller. Die Nachfrage nach Französisch als Wahlpflichtfach ab der sechsten Klasse sei seit Jahren aber unverändert.

Spielt die Aussprache eine Rolle?

In einigen Bundesländern können Schüler in der sechsten Klasse Spanisch als zweite Fremdsprache wählen. An rheinland-pfälzischen Gymnasien ist sie nur als dritte Fremdsprache in höheren Klassen möglich, aber nicht alle bieten das an. Am Gymnasium Edenkoben kann Spanisch in der neunten Klasse gewählt und als Grundkurs fortgeführt werden. Bei der Wahl der zweiten Fremdsprache hat eine eindeutig die Nase vorn: „In Edenkoben wird in drei von vier Klassen Französisch als zweite Fremdsprache unterrichtet, die vierte Klasse paukt Latein“, so Schulleiter Philipp Jähne.

An einigen Schulen, etwa am Max-Slevogt-Gymnasium (MSG) in Landau, wählen Fünftklässler zwischen Französisch und Englisch als erster Fremdsprache. „Wenn wir hier fünf Klassen in dieser Altersstufe haben, entscheiden sich drei für Englisch und zwei für Französisch“, berichtet Andreas Blum, der seit 20 Jahren das Fach unterrichtet. Ein schwindendes Interesse an der Sprache des Nachbarlands stellt er am MSG nicht fest. „Das liegt vielleicht auch daran, weil wir das Abibac anbieten, also die Möglichkeit das Abitur in französischer Sprache abzulegen.“ Pro Jahr machen das zwischen fünf und 15 Schüler. Außerdem gibt es einen bilingualen Zweig in der Mittelstufe: Erdkunde wird auf Französisch unterrichtet. Als Grund, warum Spanisch als dritte Fremdsprache zunehmend beliebter wird, vermutet Blum nicht zuletzt die leichtere Aussprache. Im Französischen habe diese mitunter wenig mit dem geschriebenen Wort zu tun.

Spanischlehrer sind rar

„Spanisch ist sehr beliebt“, bestätigt Axel Weinstein, der bis Ende des Schulhalbjahres die IGS Rheinzabern geleitet hat. Der Großteil der Oberstufenschüler, die eine zweite Fremdsprache neu beginnen, wählen es. „Spanisch ist eine Wirtschaftssprache, das darf man nicht verkennen.“ Französisch stehe unter Druck. Französisch-Unterricht gut zu verankern, sei in Rheinland-Pfalz durch die Nachbarschaft zu Frankreich allerdings „absolut wichtig“. Könnten Kinder hierzulande Spanisch in der sechsten Klasse wählen, würde das die anderen Sprachen „wegchecken“, befürchtet Weinstein, der kürzlich an eine Speyerer Schule gewechselt ist.

„Französisch wird von Schülern als relativ schwer empfunden“, erzählt Jörg Engel, Leiter der IGS Wörth. An seiner Schule werbe die Fachschaft sehr dafür, verlange aber auch viel. In der siebten Klasse bleiben im Schnitt noch 30 Jugendliche in dem Wahlpflichtfach bei der Stange, der Rest schwenke um. Schüler, die erst in der elften Klasse zur zweiten Fremdsprache kommen, können zwischen Spanisch und Französisch wählen. Allerdings: „Für Französisch ist kein Bedarf da“, schildert Engel seine Erfahrung. Ganz wenige hätten Interesse. Viele Jugendliche fänden den Zugang zur spanischen Sprache und Grammatik leichter. Die Idee, die Muttersprache von Lionel Messi und Pablo Picasso schon in jüngeren Jahrgängen als Alternative anzubieten, würde wohl schon daran scheitern, dass es gar nicht genügend Spanischlehrer gibt, meint Engel.

Französisch öffnet Türen

„Wir sehen keinerlei Rückgang oder Engpässe bezüglich des Interesses an der französischen Sprache“, sagt der Direktor des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern, Peter Allmann. Auch hier gibt es bilingualen Unterricht und die Schüler können das Baccalauréat, das französische Abitur, machen. Zuletzt besuchten die Abibac-Kursler den ersten deutsch-französischen Schüler-Landtag in Mainz. „Die französische Sprache öffnet uns neue Türen und führt zu Begegnungen, die wir sonst so nicht hätten“, sagt der Schülersprecher Benjamin Wichmann. „Gerade als grenznahe Region ist es schwer von Vorteil, wenn man Französisch spricht.“

Ob Englisch, Spanisch oder Französisch: „In direkten Begegnungssituationen, also von Mensch zu Mensch, die Sprache zu lernen, das ist das Beste“, betont Andreas Blum. Deshalb gibt es am MSG Schüleraustausche in der Mittel- und Oberstufe mit Partnerschulen in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur und in Lothringen. An der IGS Kandel soll unter anderem eine neue AG vermitteln, dass französische Lebenskultur „gerade um die Ecke“ liegt.

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