Südpfalz
Freibäder brauchen auch im Winter Wasser
In der vergangenen Woche ist die Freibadsaison im Badepark in Wörth zu Ende gegangen. Die Becken sind aber noch immer randvoll mit Wasser. Das liegt nicht daran, dass am 24. und 25. September, jeweils von 11 bis 17 Uhr, noch zwei Hundebadetage auf dem Programm stehen. Auch wenn die Vierbeiner ausgeplanscht haben, bleibt das Wasser in den Becken, denn es hat auch in den Wintermonaten seine Funktion. „Würde im Winter der Wasserdruck fehlen, wäre das auf Dauer nicht gut für die Fliesen an den Beckenrändern“, erklärt Tanja Gerloff, Betriebsleiterin der Bäder in der Stadt. Die Fliesen könnten Sprünge bekommen oder ganz abfallen.
Bei frostigen Temperaturen werden sogenannte Eisdruckpolster ins Wasser gelegt. Das sind Kanister aus Kunststoff, die zur Beschwerung teilweise mit Sand gefüllt sind. Sobald die Oberfläche gefriert, werden die Polster zusammengedrückt. Dadurch geht der Druck der gefrierenden Wasseroberfläche nicht auf die Beckenwände über. Das Wasser abgeben könne man nur, wenn eine Sanierung des Bads bevorstehe oder man über Edelstahlbecken verfüge, betont Ralf Schöppenthau von den Stadtwerken Wörth.
Gefahr wegen hochdrückendem Grundwasser
Im Frühjahr wird das alte Wasser dann in die Kanalisation abgelassen. Es zu diesem Zeitpunkt noch an Landwirte oder Privatpersonen abzugeben, ist unrealistisch. Erstens ist der Bedarf nach den nassen Wintermonaten gering. „Außerdem ist dann auch der Boden auf den Liegewiesen völlig durchnässt, da kann kein Traktor oder Lastwagen drauffahren“, sagt Schöppenthau. Für ihn ist die Infrastruktur im Badepark ein weiterer Grund, warum auch in Zukunft das Wasser nach Ende der Badesaison nicht an Landwirte, Feuerwehr oder Privatpersonen abgegeben werden kann: „Wir können doch niemand mit Pumpen und schwerem Gerät in unser Bad lassen.“
Auch wenn der Bellheimer Schwimmpark wegen anstehender Sanierungsarbeiten bis auf Weiteres geschlossen bleibt, wird das Wasser, außer im Babybecken, nicht aus den Schwimmbecken abgelassen – wie auch sonst nicht, heißt es seitens der Verwaltung. Würde man das tun, wäre zu befürchten, dass sich nicht zuletzt wegen hochdrückendem Grundwasser die Edelstahlbecken verformen. Jüngst habe man deshalb ein Mittel gekauft, damit das Wasser nicht so riecht. Abgelassen würden die rund 3000 Kubikmeter Wasser der drei Schwimmbecken unter normalen Umständen nur ganz kurz im Frühjahr vor Saisonbeginn, um die Becken reinigen zu können, ehe sie wieder befüllt werden. Bevor das Wasser abgelassen wird, werde es von einem Umweltinstitut daraufhin untersucht, ob es noch chemische Zusätze enthält, die sich über Winter abbauten. Erst wenn der einwandfreie Zustand des Wassers bestätigt ist, wird es laut Verwaltung in den am Freibad vorbeifließenden Spiegelbach eingeleitet.
Wasser wird vor Freibadsaison ausgetauscht
In Offenbach hat man dasselbe Problem wie in Bellheim. Deshalb ist es auch im Queichtalbad nicht möglich, das Wasser nach der Freibad-Saison abzugeben. Wie Bademeister Fabian Theobald verrät, müsse das Wasser über den Winter im Becken bleiben. „Sonst würde der Grundwasserspiegel das Becken hochdrücken. Wir brauchen das Wasser als Gegengewicht, damit das Becken nicht kaputt geht, weil wir so tief liegen.“ Das Wasser wird dann vor der Freibadsaison ausgetauscht.
Ähnlich ist es auch im Rebmeerbad in Bad Bergzabern. Wie Kassenpersonal Sabine Eck betont, bleibt auch in Bad Bergzabern das Wasser über den Winter als Frostschutz im Becken. Das Becken wird mit einer Plane bedeckt. „Wir haben ein gefliestes Becken. Ohne das Wasser würden die Fliesen von der Wand fallen.“ Auch hier wird das Wasser erst im Frühjahr rausgelassen und mit frischem Wasser aus dem Hallenbad aufgefüllt. Könnten die beiden Bäder ihr Wasser also im Frühjahr spenden? „Im Frühjahr wird ein Großteil des Wassers für die Reinigung der Becken vor Beginn der Freibadsaison verwendet. Das restliche Wasser verwenden wir dann in trockenen Jahren für eigene Bewässerungszwecke“, sagt Jennifer Aschbacher von den Verbandsgemeindewerken Bad Bergzabern.
Wasser wird für Spülung der Filter gebraucht
Das Wasser können wir nicht wegkippen, sagt Fabian Amberger vom Waldschwimmbad in Kandel. Wenn kein Wasser im Becken wäre, würde der Druck des Grundwassers das Edelstahlbecken beschädigen. „Die Wand ist nicht so dick.“ Ein Teil des Wassers werde zudem für die Spülung der Filter benötigt.
Im Schwimmbad Steinfeld sind die Becken zwar gekachelt, aber auch dort kann das Wasser nicht abgelassen werden. Das leere Becken wäre wie ein Boot, das Grundwasser würde es nach oben drücken, umschreibt Ralf Neu. Das Grundwasser kompliziere auch die Leerung im Frühjahr: „Das Drainagewasser müsen wir dann sechs Wochen lang abpumpen.“
Die gut 1600 Kubikmeter Wasser in den Becken des Freibads am Prießnitzweg in Landau werden nach Ende der Badesaison ebenfalls nicht abgelassen, denn auch sie dienen als Gegengewicht zum Grundwasser. Andernfalls könnte das aufsteigende Grundwasser die Edelstahlbecken anheben und beschädigen, teilt Alexandra Pfirrmann von der Stadtverwaltung mit. Erst bei der Auswinterung im Frühjahr werden die Becken entleert. Durch Umwelteinflüsse im Winterhalbjahr wie Laub oder Vogelkot könne dieses Wasser dann nicht mehr abgegeben werden. Das Wasser wird dann zum Teil ins Abwasser geleitet, aber auch zum Bewässern der eigenen Rasenflächen verwendet.