WÖRTH / BAD NEUENAHR
Flut-Helfer: „Tonnenweise Schlamm, endlos viel Müll“
Zunächst wandte er sich an das DRK, bevor er mit der DLRG- Einsatzleitung vor Ort telefonierte. „Ich sollte zwei bis drei Tage warten, bis sie mir Genaueres sagen können. Auf einen Rückruf warte ich bis heute. Deshalb meldete ich mich gleich bei der Internetseite ,Ahr Help’, der Hilfscommunity in der Hochwasserregion Ahr an. Die wollten aber nur Personal, keine Hilfe mit Maschinen – anscheinend ein nicht ganz leichtes Vorhaben, bedauert er.
Schließlich hat Adam in den sozialen Medien gesehen, dass Christian Michalski vom „Grünpunkt Garten-und Landschaftsbau“ in Rheinzabern mit mehreren Maschinen in Bad Neuenahr im Einsatz war und sonntags wieder abreisen wollte. „Ich habe sofort Kontakt mit ihm aufgenommen und einen Treffpunkt auf einer Raststätte unterwegs vereinbart. Da eine Einfuhrsperre bestand, hat er von der THW- Einsatzleitung vor Ort uns einen Einfahrtsschein besorgt.“
Inzwischen hatte Adam sein Vorhaben in den sozialen Medien gepostet und spontane Zusagen von Thomas Pfirrmann (Gartenbaubetrieb in Wörth, angestellt bei der Stadt Karlsruhe), Pascal Herzog (Geschäft für Spanndecken in Wörth), Tobias Neff, Markus Kliche und Christopher Caspar (ein Mitarbeiter von Adam) bekommen, die sich kurzfristig Urlaub genommen haben.
Mit Baumaschinen nach Bad Neuenahr
Mit Telescop-Lader, Radlader, Bagger, LKW mit Muldenkipper von Adam und einem Bobcat (kleiner Radlader) von Herzog ging es nach Bad Neuenahr. Geschlafen wurde auf Feldbetten im Hänger. „Am Montagmorgen wurden uns von der THW-Abschnittsleitung unsere Aufträge zugeteilt. Und Thomas begann gleich, überall Verbindungen zu knüpfen. Die Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit war prima“, stellt Adam fest.
Eine Gruppe musste einen Hinterhof leer räumen, Schlamm aus einem Roßmann-Geschäft beseitigen und aus einer Eisdiele zwei Autos rausholen mit dem LKW, dem Telescop-Lader und dem Radlader. „Dabei haben wir erst einmal die Straße leer räumen müssen, um durchzukommen. Sie war am nächsten Tag übrigens wieder voll“, erzählt Adam. Die andere Gruppe war mit dem Bagger und dem Bobcat unterwegs um Tiefgaragen zu leeren und die Autos raus zu schieben. „Das dauerte etwa vier Stunden in einer Garage“, ergänzt Herzog.
„Es sieht verheerend aus“
„Am schlimmsten ist der tonnenweise Schlamm“, sagen Adam und Herzog. „Aber auch der endlose Müll“, sagt Pfirrmann, der meint: „Es sieht verheerend hier aus – endlos Müll und Schlamm, das kann sich keiner vorstellen, der das nicht mit eigenen Augen gesehen hat.“ „Wir wissen zwar nicht, wie es im Krieg ausgesehen hat, aber so stellen wir uns das vor“, meint Herzog.
Als sehr erfreulich schildern sie die große Hilfsbereitschaft untereinander vor Ort, sowohl von den freiwilligen Helfern, den Organisationen und auch den Einheimischen. „Da war eine in dieser Situation unvorstellbare Herzlichkeit zu spüren. Die Bürger haben für uns tagtäglich Essenspakete bereit gehabt – neben der Verpflegung durch das DRK, das gut gekocht hat. Wir haben auch mehrere private Kontakte geknüpft und immer wieder herzzerreißende Gespräche mit Passanten geführt. Wir merkten auch, dass dies immer wieder notwendig war, wenn wir geholfen haben, Haus und Hof leer zu machen und die Eigentümer den Tränen nahe waren.“
„Mit Wehmut fuhren wir zurück und ich beschloss, dass ich auf jeden Fall noch einmal zurück kommen werde“, erklärte Adam. Pfirrmann klärt unterdessen ab, ob er von seinem Arbeitgeber, der Stadt Karlsruhe für etwa ein viertel Jahr freigestellt wird. Ansonsten würde er seinen Urlaub für einen weiteren Einsatz verwenden: „Da muss auf jeden Fall weiterhin geholfen werden.“ Von Privatleuten haben sie auch Unterkünfte angeboten bekommen.
Nach der Ankunft in Wörth bekam Adam von der Stadt die Erlaubnis die kontaminierten Maschinen im Bauhof abspritzen zu können. „Vier Mann meines Betriebes haben acht Stunden Arbeit gehabt“, stellt er fest.
Aufgrund der sehr positiven Reaktionen in den sozialen Medien und der Nachfrage nach Spendenmöglichkeiten haben die Wörther Helfer ein eigenes Spendenkonto eröffnet bei der VR-Bank: DE61 5486 2500 0007 2399 80. „Wir wissen dann genau, welchen Betroffenen vor Ort wir die Gelder übergeben können“, sagen Adam, Pfirrmann und Herzog.