Schwegenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fernwärme-Aussteiger gefährden Zukunft von Wärmenetz

Das Wohngebiet Oberer Waldacker in Schwegenheim bekommt seine Wärme aus einem Heizhaus.
Das Wohngebiet Oberer Waldacker in Schwegenheim bekommt seine Wärme aus einem Heizhaus.

Wärmenetze sollen beim Heizen künftig eine wichtige Rolle spielen. Einem solchen Netz in Schwegenheim droht paradoxerweise das Aus.

Seit 1997 gibt es das Wärmenetz im Oberen Waldacker in Schwegenheim. Die Wärme wird laut Pfalzwerke dabei aus Biomasse und Erdgas in einem Heizhaus am Rande des Wohngebiets erzeugt. Die Käufer der Grundstücke verpflichteten sich damals, ihren Bedarf an Heizenergie ausschließlich aus dem Wärmenetz der Pfalzwerke zu decken. Diese Monopolstellung und die Preisgestaltung durch den Energieversorger sorgten bereits in der Vergangenheit immer wieder für Unmut unter den Bewohnern des Oberen Waldackers.

Derzeit sind laut Pfalzwerke 127 Wärmekunden an das Netz angeschlossen. Doch schon bald könnten es deutlich weniger sein: Mit gleich 26 Anträgen zur Befreiung vom Anschlusszwang an das Fernwärmenetz hatte sich der Schwegenheimer Ortsgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu beschäftigen. Der Rat folgte der Empfehlung, den Anschlusszwang aufzuheben, da laut der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme dies bei einem Umstieg auf regenerative Energiequellen möglich sei. Zur Frage, aus welchen Quellen sich die Fernwärme künftig speisen soll, antworten die Pfalzwerke: „Bei Verlängerung des Projekts ist eine Wärmeerzeugung aus Biomasse, Umgebungswärme und Erdgas vorgesehen.“

Weiterführung nur bei genügend Anschlüssen

Das Problem: Wenn immer weniger Menschen im Oberen Waldacker ihre Wärme aus dem Netz beziehen, sondern beispielsweise auf Wärmepumpen umsteigen, rechnet sich der Betrieb des Netzes für die Pfalzwerke nicht mehr: „Für den wirtschaftlichen Weiterbetrieb eines Fernwärmenetzes spielen verschiedene Faktoren eine Rolle – unter anderem die abgenommene Wärmemenge beziehungsweise die Anschlussleistung“, teilt der Energieversorger mit. „Wichtig ist: Je mehr Haushalte das Angebot nutzen, desto effizienter und nachhaltiger kann das Netz betrieben werden.“ Die Modernisierung des Fernwärmenetzes und der langfristige Weiterbetrieb seien deshalb nur bei einer stabilen Anschlusslage realisierbar. Der Grenzwert für die Weiterführung des Projekts über das bisherige Vertragsende hinaus, liege bei dem jetzigen Planungsstand einer Modernisierung bei 960 Kilowatt Anschlussleistung, das seien 85 Prozent der bisherigen Anschlussleistung.

Aber warum wollen überhaupt viele Schwegenheimer aus dem Wärmenetz aussteigen? Gründe dafür wurden unter anderem bei der jüngsten Bürgerversammlung, welche die Ortsgemeinde organisiert hatte, diskutiert. Neben dem als zu hoch empfundenen Preis, beklagten manche Kunden auch technische Probleme, zum Beispiel dass ihr Wasser nicht warm genug werde. Ein Einwohner berichtete auch, dass die Pfalzwerke im Oberen Waldacker parallel zur ihren Bemühungen um eine Verlängerung des Wärmenetz-Projekts Werbung für Wärmepumpen machen.

Thomas Giel, Professor an der Hochschule Mainz, der im Auftrag des Landes den Ausbau von Wärmenetzen voranbringen will, rechnete den Schwegenheimern vor, warum die von den Pfalzwerken vorgelegten neuen Verträge seiner Ansicht nach kein schlechtes Angebot sind. So seien die Preise günstiger als bei einem Fernwärmeprojekt in Ludwigshafen. Außerdem fielen bei der Installation einer Wärmepumpe teure Anschaffungskosten an – wobei auch Giel zugeben musste: „Wenn man die Investitionskosten herausrechnet, ist die Wärmepumpe günstiger.“ Dennoch wäre es für den Wissenschaftler „extrem schade“, wenn ein bestehendes Wärmenetz eingestellt werden müsste, während andernorts welche gebaut werden, weil sie als zukunftsträchtige Technologie für die Wärmewende gelten. „Ich würde es begrüßen, wenn das Wärmenetz erhalten bleibt“, sagte Giel.

Entscheidung fällt bis Ende September

Dass Heizen teurer geworden ist, bestreiten auch die Pfalzwerke nicht: „Wärmepreise im Allgemeinen und auch in Schwegenheim sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Vornehmlich verursacht durch gestiegene Energiepreise“, erklärt das Unternehmen. Auch der Energieversorger verweist auf Giels Aussage, dass „der von der Pfalzwerke AG für die Fortführung des Projekts genannte Preis ein üblicher und fairer Preis“ sei. Zur Kritik an der Technik teilt das Unternehmen mit: Zu der ausreichenden Temperatur des Wassers gebe es unterschiedliche und unklare Aussagen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Wärmeübertragung in der Hausübergabestation nicht ordnungsgemäß funktioniert. „Dies kann durch einen qualifizierten Heizungsbauer überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.“

Ob das Wärmenetz in Schwegenheim eine Zukunft hat, wird sich bald zeigen. Derzeit werden laut Pfalzwerke Wärmelieferverträge an alle Kunden im Oberen Waldacker mit angepassten Lieferkonditionen versendet. „Bis Ende Juli 2025 können sich die Kunden für die neuen Verträge entscheiden“, erklärt das Unternehmen weiter. „Bis Ende September erfolgt eine Information, ob die notwendige Anzahl an Vertragszusagen zustande gekommen ist. Falls es nicht zu einer Verlängerung des Projekts kommt, laufen die bestehenden Verträge zu unveränderten Konditionen weiter.“

Wann wäre in diesem Fall also Schluss für das Wärmenetz in Schwegenheim? „Die Laufzeiten der Wärmelieferverträge im Oberen Waldacker laufen in den nächsten zwei bis sechs Jahren aus und würden von der Pfalzwerke AG zum jeweiligen Laufzeitende gekündigt werden“, teilt das Unternehmen mit. „Gleichzeitig würde die Pfalzwerke AG eine einmalige Vertragsverlängerung bis zu einem – für alle Kundinnen und Kunden identischen – Termin anbieten.“

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