Kreis Germersheim Für Partnerschaft und Bürgerhaus eingesetzt

Berthold Herrmann.
Berthold Herrmann.

«Steinweiler.» Es waren vor allem die persönlichen Erfahrungen des jungen Mannes, der, kurz nach Abschluss der Volksschule mit nur fünfzehneinhalb Jahren noch zum Schanzen ins Saarland einberufen wurde. Und dies, obwohl sein Bruder gerade erst in Russland gefallen war. Nie wieder sollte es Krieg geben, dafür wollte er sich auch persönlich einsetzen. Für ein friedliches Miteinander, auch für die Aussöhnung mit Frankreich.

Und er hat diese Ziele immer wieder im Auge behalten. In seiner Heimatgemeinde, die ihrem langjährigen Bürgermeister mit der Ehrenbürgerwürde dankte, in der Verbandsgemeinde Kandel und im Kreistag Germersheim, dessen Mitglied er 15 Jahre lang war. Heute nun darf Berthold Herrmann seinen 90. Geburtstag feiern. Seine Lebensleistung kann sich sehen lassen. Symbol hierfür ist die Landesehrennadel von Rheinland-Pfalz, die ihm 1997 verliehen wurde. Der Landwirt bewirtschaftete zunächst den elterlichen Betrieb im Ort. Mit 35 Jahren drückte er nochmals die Schulbank: Er ging auf die Gemüsebauschule, denn er wollte seinen Betrieb an den Ortsrand verlagern. Dort, auf dem „Herrmannshof“, baute er ab 1960 Salat und Gemüse an. Früh interessierte er sich für die Politik im Dorf. 1969 wurde er in den Gemeinderat gewählt. Als Kandidat einer Wählergruppe, die damals noch konfessionell orientiert war, wurde Erster Beigeordneter und kümmerte sich um „Feldwege, Friedhof und Wald“. Tagsüber konnte er gut einige Termine übernehmen, so dass er sich schon bald auch im Umgang mit Behörden eingeübt hatte. Nach dem plötzlichen Tod des damaligen Ortsbürgermeisters Helmut Hornberger wählte der Gemeinderat Herrmann 1976 zum Bürgermeister. 18 Jahre, bis 1994, stand er an der Spitze des Dorfes. Hier gelang es ihm, einiges zu bewegen. Zu nennen wären Straßenbaumaßnahmen, die Erschließung von Neubaugebieten und vor allem der Bau des Bürgerhauses, in dem fast alle kulturellen Veranstaltungen von Steinweiler stattfinden. Nicht alles war problemlos umzusetzen. Auch nicht im Kreistag, dem er in drei Wahlperioden als Mitglied der CDU-Fraktion angehörte. Die Arbeit im Ausschuss für Landwirtschaft und Umweltschutz habe ihm immer Freude bereitet, gestand er uns vor Jahren einmal, denn hier ging es auch um die Interessen seiner Berufskollegen. Für die Aussöhnung mit Frankreich etwas tun, das hatte er sich schon, wie eingangs erwähnt, früh vorgenommen. Und so setzte er sich für eine Gemeindepartnerschaft mit dem burgundischen Epinac ein, die 1992 besiegelt wurde und nach 25 Jahren noch recht lebendig ist, wie man bei den gegenseitigen Besuchen feststellen kann. Herrmann engagierte sich aber nicht nur in der politischen Gemeinde, sondern wirkte auch aktiv mit in Gremien der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin. Zehn Jahre lang führte auch den Ortsverein des DRK, war vielfacher Blutspender. Seit mehr als 60 Jahren ist Herrmann mit seiner Frau Maria verheiratet und hat zwei Töchter mit fünf Enkeln und Urenkeln. Von Jugend an fand er einen Ausgleich im Chorgesang, und jahrzehntelang wirkte er in den Reihen des MGV „Eintracht“ Steinweiler als aktiver Sänger mit. Zeitweise fuhr er auch noch zu Singstunden von Projektchören. Erst mit 82 Jahren und nach dem großen Sängerfest zum 150-jährigen Vereinsjubiläum hörte der mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes ausgezeichnete Sänger auf. Die Entwicklung von Steinweiler zum Traditionsdorf mit Zukunft, das letztes Jahr sein 1050-jähriges Jubiläum feiern konnte, wurde von Herrmann eine schöne Strecke geprägt.

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