Kandel
Für die Mensa fehlt das Geld
Als sich die rheinland-pfälzische Landesregierung um die Jahrtausendwende entschloss, ein Ausbauprogramm für „Ganztagsschulen in Angebotsform“ aufzulegen, war eines schon jedem klar: Das geht ins Geld. Und zwar ordentlich. Da entstanden zum einen zusätzliche Personalkosten, für die das Land die Mittel bereitstellen wollte, andererseits aber auch Kosten für die erforderlichen Umbaumaßnahmen. Denn ohne zusätzliche Räumlichkeiten, die dazu noch geeignet und einladend aussehen sollten, würde das nicht gehen.
Und wenn ein Mittagessen angeboten werden sollte, mussten hierfür entweder eigene zum Kochen geeignete Küchen oder Küchen für die Ausgabe des Essens, das Caterer liefern, eingerichtet werden. Und Speisesäle für die Kinder natürlich. Nach Zeiten mit improvisierten Lösungen waren neue Räume notwendig. Schließlich sollten sich Kinder, die freiwillig auch nachmittags in ihrer Schule bleiben, in diesem Gebäude wohl fühlen. Zwischenzeitlich gibt es im Land 647 Ganztagsschulen, so die Angaben auf dem Bildungsserver des Landes.
Eine davon ist die Ludwig-Riedinger-Grundschule in Kandel. Und die kämpft seit Jahren damit, dass ihre Räumlichkeiten nicht ausreichen. Denn durch den kleineren Klassenteiler von 24 wurden plötzlich wieder mehr Klassenzimmer benötigt. Was fehlte, war eine Mensa für die Einnahme des Mittagessens, und Räume für die Freizeitgestaltung der Kinder, die ja nicht nur in ihren Klassenzimmern sitzen sollten. Es ging vielmehr darum, durch den Wechsel in ein anderes Gebäude ganz bewusst eine Gliederung in ihrem Tagesablauf zu erleben. Die Verbandsgemeinde führte einen Architektenwettbewerb durch, das Büro zwo/elf aus Karlsruhe erzielte den ersten Preis und machte sich an die Arbeit. In mehreren Sitzungen des Verbandsgemeinderates wurden die Pläne diskutiert, auch die zwischenzeitlich ins Gespräch gebrachte Nutzung des früheren Schleckermarktes.
Unterschiedliche Vorstellungen, was nötig ist
Doch davon nahm man bald wieder Abstand, die Pläne für einen Neubau auf dem nordöstlichen Teil des Pausenhofes wurden zur Genehmigung eingereicht. Das war Ende September 2021. Und nun, gegen Ende Oktober 2022, erhielt die Verbandsgemeinde die Genehmigung für den sofortigen Baubeginn. Auch die schulbehördliche Genehmigung traf am 26. Oktober ein. Was jedoch fehlte, so Bürgermeister Volker Poß (SPD), war die genaue Höhe der Förderung durch das Land. Die Bausumme von rund 6,4 Millionen Euro hatte die SGD-Süd in Neustadt zwar geprüft, doch stellte sich dabei wohl heraus, dass Planer und Verbandsgemeinde auf der einen und die Schulbehörde auf der anderen Seite wohl unterschiedliche Vorstellungen von dem haben, was an Flächen in der neuen Mensa erforderlich sind. Denn nur das, was nach den Schulbaurichtlinien notwendig ist, wird bezuschusst. Und das läge deutlich unter dem Zuschuss, den sich die Verbandsgemeinde eigentlich erhofft hatte.
Differenzen gibt es womöglich bei den Nebenräumen wie dem Differenzierungsraum und der eigenen WC-Anlage in der Mensa. Auch seien wohl die Ansätze für die Baukosten noch nicht angepasst. Dass die Baupreise zwischenzeitlich davon gelaufen sind, spüre aber jeder Bauherr bei Ausschreibungen oder Arbeitsvergaben. Bauabteilung und Architekturbüro haben zwischenzeitlich den Taschenrechner ausgepackt und prüfen, wo die Differenzen auszumachen sind. Mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde möchte der Kandeler Verbandsbürgermeister noch einmal ins Gespräch kommen, weil er hierdurch veränderte Voraussetzungen sieht, die Berücksichtigung finden müssten. Für die Sicherstellung einer ausreichenden Raumversorgung und die Gebäudeunterhaltung ist nach dem Schulgesetz zwar der Schulträger, in diesem Falle die Verbandsgemeinde Kandel zuständig. Die Förderung „ganztagsschulspezifischer Baumaßnahmen ist mit den höchstmöglichen Sätzen“ vorgesehen. Und zwar mit 60 Prozent.
Geklärt werden muss nur, von welcher Summe diese 60 Prozent berechnet werden. Die Verbandsgemeinde, die in den kommenden Jahren mit Millionenbeträgen auch die Grundschulen in Freckenfeld und Minfeld ausbauen und sanieren will und diese Maßnahmen über die Sonderumlage Grundschulen – die Ortsgemeinde Steinweiler ist mit ihrer eigenen Schule hier außen vor –finanzieren muss, steht damit vor einer finanziellen Herkulesaufgabe.