Kreis Germersheim Förderschulen sind kein Abstellgleis

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Der Tropfen, der das Fass für die Mütter zum Überlaufen brachte: Der Schulträgerausschuss hat im März entschieden, dass die Förderschulen in Germersheim und Wörth eine gemeinsame Schulleitung bekommen (wir berichteten). Diese wird Petra Mohr, Leiterin der Nardini-Schule in Germersheim, übernehmen. Hintergrund ist, dass sich auch nach mehreren Ausschreibungen niemand für die Leitung der Bienwaldschule Wörth beworben hatte. Die Schule läuft. Aber ohne die langjährige Schulleiterin, Doris Knöll, „fehlt das Herz der Schule“, sagen Andrea Hirsch und Nicole Heim seufzend. Lehrerin Beate Nonn habe das in der Übergangsphase auch gut gemacht. Aber ohne Leitung vor Ort fehle den Lehrern der direkte Ansprechpartner. „Die Schule braucht ein gutes Team, dazu gehört auch der Rektor. “ Beide Mütter kennen den Wunsch, ihre Kinder in eine Regelschule statt in die Förderschule mit Schwerpunkt „Lernen“ zu schicken. Aber beide haben für ihre Familie entschieden: „Momentan ist unser Kind nicht so weit.“ Der Unterricht an einer Regelschule mag für manche Schüler mit Handicap richtig sein, sagt Hirsch. „Aber Kinder, die nervös sind, haben an der Förderschule mehr Ruhe.“ Heim merkt an: „Die Kinder brauchen mehr Struktur“, in den kleineren Klassen könnten sie besser unterstützt werden. Zirka zehn Prozent der Kinder an der Bienwaldschule hätten eine Behinderung, „die anderen brauchen einfach etwas länger“, sagt Hirsch. „Das geht in der Grundschule nicht“, an der Förderschule hingegen schon. So würde verhindert, dass diese Kinder ohne Schulabschluss später von der Gesellschaft finanziert werden müssen. Jedes Kind hat individuell seinen Plan, sagt Heim. Die Lehrer lockern den Unterricht regelmäßig auf, „es gibt mehr Bewegungsfreiheit“. Die Ganztagsschule biete Arbeitsgruppen zu den Themen wie Hiphop, Erste Hilfe oder Holz. Muscial-Auftritte fördere das Selbstbewusstsein der Kinder. Die Lehrer machen Überstunden, zeigen viel Engagement, lobt Hirsch das Kollegium. Aber angesichts der Inklusionsdebatte sei unter den Eltern eine Verunsicherung spürbar, geradezu „eine Art Melancholie“. Denn es gibt weiter Eltern, wie sie, die ihre Kinder lieber auf die Förderschule als auf eine Regelschule schicken. Doch die Förderschulen würden wie ein Auslaufmodell behandelt. Ein Beispiel: Lehrer werden immer häufiger für Gutachten abgezogen, dann fällt Unterricht aus. „Eine Lehrerin in der Klasses meines Sohnes war zeitweise dreimal in der Woche weg, um Kinder an Grundschulen zu begutachten“, sagt Heim. Ihre Befürchtung: Sollen Förderschulen ausgehungert werden? Derzeit läuft im Landkreis das Pilotprojekt „4 plus 2“: Die Grundschulen Lingenfeld und Rülzheim bekommen fest angestelltes extra Personal für jede Jahrgangsstufe. So sollen Inklusionskinder, aber auch Schüler mit anderen Problemen besser unterstützt werden können. Läuft das Pilotprojekt gut, kann sich der Landkreis Germersheim vorstellen, dass jede Verbandsgemeinde eine so ausgestattete Schwerpunktschule bekommt. Anders als zum Beispiel die Bienwaldschule bieten solche Schwerpunktschulen aber nur Unterricht bis zur vierten Klasse an, halten die beiden Mütter dagegen. Die Förderschule in Wörth geht bis zur 9. Klasse, danach haben die Jugendlichen an der Berufsbildenden Schule noch zwei Jahre Zeit, um den Qualifizierenden Hauptschulabschluss zu absolvieren. Falls die Bienwaldschule geschlossen würde – was angesichts des großen Einzugsbereichs zunächst unwahrscheinlich ist, wegen der sinkenden Schülerzahlen aber nicht komplett vom Tisch – müssten die Schüler mit dem Förderbedarf „Lernen“ nach Germersheim kommen. „Da fährt kein Bus“, sagt Hirsch lapidar. Schon jetzt gebe es Schüler, die einfach eineinhalb Stunden unterwegs sind, sagt Heim. Und dabei liegt die Bienwaldschule noch im südlichen Landkreis. Diese Kinder haben es sowieso schon schwerer, sagt Hirsch. Ihr Fazit: Durch die Inklusionsdebatte, wie sie derzeit geführt wird, würden sie nur noch mehr belastet. „Eine Randgruppe wird so noch mehr an den Rand gestellt.“ Dabei sollten die Förderschulen mehr Aufmerksamkeit bekommen, um ihren Ruf als Abstellgleis ablegen zu können.

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