Wörth / Sahrbachtal / Ahrbrück
Extra-Spende aus dem Zigarettenautomaten
18 Männer waren dieses Mal dabei mit drei Lkws, drei Radlader, drei Bagger, einem Teleskoplader sowie einem Tieflader der Firma Gaudier aus Kandel. Diese hat den Maschinenpark nach Queckenberg bei Bad Münstereifel an der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz gefahren und wieder abgeholt. Zum Konvoi gehörten noch diverse Autos mit Anhänger. Zudem wurden etwa 100 Kubikmeter Stroh mitgenommen, die dort benötigt wurden, da das einheimische Stroh umgefallen und verseucht war.
In Houverath, einem Ortsteil von Bad Münstereifel wurde an der Sporthalle in mehreren Hängern und Autos campiert, bevor es in NRW ins Sahrbachtal ging, einem Seitental der Ahr. „Hier mussten wir feststellen, dass bisher kaum etwas gemacht worden war“, sagt Adam. Während das THW Landau den Sahrbach von Schwemmgut befreite, arbeitete Adam mit Kollegen an einer alten am Hang gelegenen Mühle. Die anderen Helfer der Truppe waren weiter unten im Tal und luden den Sperrmüll auf der Strecke auf, sortierten ihn und fuhren ihn weg. Metallschrott musste in den einzelnen Orten bleiben, da er zu Höchstpreisen verkauft wird.
112 Euro aus Zigarettenautomat geborgen
In Ahrbrück holte die Helfergruppe Schlamm aus den Gärten, beseitigte Schutt, Schrott und Sondermüll, sortierte diesen und brachte ihn auf die Deponie. Adam holte dabei mit seinem Bagger einen Zigarettenautomaten aus der Ahr. Diesen „knackten“ sie. „Die Zigaretten waren nicht mehr brauchbar, aber wir fanden noch 112 Euro, die wir dem Ort spendeten“, berichtet Adam.
Das von Adam eingerichtete Spendenkonto hatte inzwischen bei der Abfahrt aus Wörth einen Stand von 17.000 Euro. Die übergaben er und die beiden Helfer Thomas Pfirrman (Gartenbaubetrieb in Wörth) sowie Pascal Herzog (Geschäft für Spanndecken in Wörth), die auch beim ersten Einsatz dabei waren, an drei Flutopfer-Familien.
Hausecke einfach weggespült
So erhielt eine Mutter (58) mit sieben Kindern (drei schon ausgezogen, zwei Söhne 23 und 15, zwei Töchter 18 und 17), die ein Fachwerkhaus von den Großeltern übernommen hatte, 7 000 Euro. „Als die Scheiben klirrten, flüchteten sie zu Dritt mit zwei Katzen und zwei Hunden ins Obergeschoss. Dort sahen sie, wie die Ecke vom Haus weggespült war und sie flohen in den hinteren Teil des Hauses. Die Familie wohnt derzeit bei Verwandten“, erzählen Adam und Pfirrmann. Sie hatte keine Versicherung.
Über Balkon vor Wasser geflüchtet
Eine zweite Familie (Vater 37, Mutter 34, zwei Töchter drei Jahre und vier Monate) erhielt 5000 Euro. Sie war 2019 in einen Reihenhaus-Neubau eingezogen. Innerhalb von einer Viertelstunde war das Erdgeschoss voll mit Wasser. „Die Mutter begab sich mit den beiden Kindern ins Obergeschoss und von dort über den Balkon ins Nachbarhaus des Schwagers. Dort wohnen sie jetzt auch, bis das Erdgeschoss irgendwann wieder bewohnbar ist“, schildern die beiden Wörther diese Situation.
In Todesangst zur Familie geschwommen
Die dritte Familie, die ebenfalls 5000 Euro erhielt (Vater 56, Mutter 50, Tochter und Sohn 11 Jahre – Zwillinge, eins mit Down Syndrom, – hatte 2001 ihr Haus in Holzständerbauweise erbaut. Am 14. Juli half die Mutter im Dorf Sandsäcke zu füllen, der Vater versuchte, das Haus abzudichten und passte auf die Kinder auf. Um 20 Uhr war es der Mutter nicht mehr möglich, ans Haus zu kommen, das Wasser stand ihr bis zum Bauchnabel. Unter Todesangst schwamm sie doch dorthin um bei ihrer Familie zu sein. Sie mussten in den ersten Stock, weil im Erdgeschoss das Wasser bis zum Griff der Terrassentür reichte. Zudem hatte sich der Gastank des Nachbarn gelöst und schwamm mit Gasaustritt auf ihr Haus zu. Zum Glück bildete sich ein Strudel, der ihm eine andere Richtung gab. Auch das THW blieb mit seinem Lkw vor dem Haus im Morast stecken. Die Familie wohnt jetzt in einer Mietwohnung und hofft bis Weihnachten 2022 wieder in ihr Haus einziehen zu können, erzählen Pfirrmann und Herzog.