Kreis Germersheim Es soll ganz einfach nur gefallen

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Der 21-jährige Robin ächzt: „Oh Mann, ich hab’ meinen Rucksack gesprayt!“ Zuvor sah das gepflegte Teil noch wie frisch aus dem Verkaufsregal gezogen aus, aber jetzt hat es seinen ganz eigenen Charakter. Wie auch all die anderen jungen Männer, die in der Unterführung bei der Alten Bahnmeisterei am Arbeiten sind. „Ich finde das gut!“, sagt eine mit dem Fahrrad vorbeikommende Wörtherin. Begeistert schiebt die ältere Dame sogar hinterher, wie klasse doch die letztjährige Graffiti-Aktion mit den Messdienern unter der Eselsbrücke gewesen sei: „Ich gucke immer regelmäßig, ob noch alles sauber ist“. Diese Reaktion sei kein Einzelfall, sagt Robin. Von vielen Leuten käme sogar die erfreute Reaktion, dass es nun endlich losgehe. Dass inzwischen viele Menschen von dieser ursprünglich verachteten Kunstform angetan sind und den allgegenwärtigen, funktional-schäbigen Sichtbeton nicht mehr sehen können, ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Robin selbst gestaltet sein Teilstück mit der Buchstabenfolge „KORS“. Eine Bedeutung habe diese nicht, wie übrigens auch jene seiner daneben sprayenden Kollegen. Ein Zufall, wie er in der Szene häufiger zu beobachten ist. Mag auch so mancher Passant darüber grübeln, welche geheimbündische Parole sich dahinter verbergen mag, so geht es oft schlicht um eigenen Stil und Geschmack. Die Verpackung zählt mehr als der vermeintliche Inhalt. So haben Robin die Buchstaben ganz einfach gefallen. Er und sein Freund Daniel (22) waren gerade mal „13 oder 14 Jahre alt“, als sie mit dem Sprayen angefangen haben. Daniel, der im kommenden Wintersemester anfangen wird, Kommunikationsdesign zu studieren, hätte mit dem Sprayen wohl nie alleine angefangen. Wichtig war und ist ihm immer die Gemeinschaft mit Kumpels. Er ist ein guter Zeichner, so dass er weit überwiegend illustrativ arbeitet. „The End is near/I want to believe“ hat er sein sich auf 10 Meter Länge erstreckendes Bild genannt. Ein Science-Fiction-Motiv mit Raumschiff und Außerirdischen. Auch hier steht die eigentliche Bedeutung hinter bloßer Stimmung und Ästhetik zurück. Wie bei Thomas (29) aus Wörth, Timo (14) aus Maximiliansau oder Nico(19)aus Hagenbach. Nico sagt ganz offen, dass illegales Sprayen nichts für ihn ist: „Da bin ich viel zu langsam dafür.“ Auch die anderen schätzen wieder einmal die Ruhe, die ihnen die ihnen eine solch offizielle Fläche bietet. Mit blindem Vandalismus können sie nichts anfangen, zumal sie mit der aktuell entstehenden Sprayergeneration nicht mehr viel anfangen können. Robin: „Die Arbeit von künstlerisch besseren Sprayern wird nicht mehr respektiert und stattdessen mit eigenen Versuchen einfach zerstört“. Mit der Aktion an der Bahnmeisterei hofft er, dass das Sprayen auch bei den Bürgern einen besseren Ruf bekommt: „Die Leute sehen, dass aus unserer Arbeit auch etwas Schönes entstehen kann.“ Initiator Andreas Hella hat diese Erfahrung jedenfalls schon gemacht. Über Spenden ist es nicht nur gelungen, alle Kosten abzudecken. Sondern auch das nächste Projekt bereits anzuschieben: „Viele Passanten waren beim Vorbeikommen so begeistert, dass sie spontan Geld gespendet haben“, sagt er. Ansonsten haben über die zahlreichen Privatspenden hinaus die örtliche Parteien, die Gemeinde und auch kleine Geschäft Geld gespendet. Im nächsten Frühsommer ist die nächste Unterführung dran.

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