Kandel / Minfeld
Erweiterung Grundschule Minfeld: Kommt es jetzt zu einem Kompromiss? – Entscheidung im VG-Rat
Im Streit um den Ausbau der Grundschule Minfeld zur Ganztagsschule deutet sich ein Kompromiss an. Fetzen flogen keine im Haupt- und Finanzausschuss der Verbandsgemeinde Kandel, wo der Haushaltsplan für die kommenden zwei Jahre beraten wurde. Aber eine gewisse Verstimmung war doch zu verspüren. Vor allem der Minfelder Ortsbürgermeister Martin Volz (FWG), der eigens wegen dieser Sitzung seinen Urlaub um eine Woche verkürzt hatte, machte deutlich, dass er nicht hinnehmen könne, dass die Interessen seiner Ortsgemeinde und der Grundschule in Minfeld „wieder einmal hinten runterfallen“ sollten.
Wie mehrfach berichtet geht es konkret darum, ob die bisher zweizügige Grundschule in Minfeld, deren neue Schulleiterin Laura Ohmer am Freitag offiziell bestellt wird, so ausgebaut wird, dass die Voraussetzungen für den Betrieb einer Ganztagsschule geschaffen werden. Bisher reichten die vorhandenen Räumlichkeiten hierfür nicht aus, vor allem Küche und Mensa fehlen, aber auch weitere Räumlichkeiten für die Ganztagsschule und die Lehrkräfte. Die Verbandsgemeinde Kandel, Trägerin der Grundschulen in Kandel, Freckenfeld und Minfeld, hatte bereits Pläne für die Erweiterung in westlicher Richtung erstellen lassen. Die PIA-Architekten aus Landau präsentierten sie schon 2023 dem Verbandsgemeinderat. Eine Änderung des Bebauungsplanes wurde von der Ortsgemeinde in Auftrag gegeben.
Die Notbremse ziehen wollen
Viel Geld wurde also bereits in die Hand genommen. Nun aber schreckte man zurück: Der Kostenrahmen für die geplante Erweiterung bewegt sich zwischen sieben und acht Millionen Euro. Teurer als geplant geworden war schon der Ausbau der Grundschule in Freckenfeld, auch die neue Mensa der Ludwig-Riedinger-Grundschule in Kandel kostete mehr als acht Millionen Euro und damit viel mehr, als ursprünglich angenommen. Bürgermeister Mike Schönlaub (SPD) hatte deshalb die Notbremse ziehen und alle „Pläne auf Null stellen“ wollen, auch um die Ergebnisse des Schulentwicklungsplanes von Anja Reinermann-Matatko (SEP-Beratung Bonn/Trier) in die Überlegungen einzubeziehen.
Damit wäre das Projekt „Grundschule Minfeld“ wohl – zumindest vorerst – vom Tisch gewesen. Zwischenzeitlich hatte man auch darüber spekuliert, die Kinder aus Winden, die seit den frühen 1970er–Jahren die Grundschule in Minfeld besuchen, künftig in Freckenfeld einschulen zu lassen. Unbestritten sei aber, dass auch an der Grundschule in Minfeld etwas getan werden müsse, betonte jetzt Martin Volz (FWG) im Haupt- und Finanzausschuss. Man habe vor Jahren dem Zeitplan zugestimmt, zunächst die Mensa in Kandel und die Grundschule in Freckenfeld zu finanzieren, und danach Minfeld. Volz zeigte sich verstimmt über die Vorgehensweise des Bürgermeisters, dem er vorhielt, im Vorfeld nicht das Gespräch mit den Beteiligten gesucht zu haben. Auch der Schulträgerausschuss der Verbandsgemeinde hatte die Pläne der Verwaltung einstimmig abgelehnt.
Der Verbandsgemeinderat hat das letzte Wort
Bürgermeister Schönlaub (SPD) verwies auf die Notwendigkeit, die Sonderumlage für die Grundschulen zu erhöhen, was wiederum zu einer stärkeren Belastung der Ortsgemeinden führen würde. Man solle den Ausbau von Minfeld zunächst um ein Jahr verschieben, schlug Schönlaub vor, um dann einen besseren Überblick zu bekommen. In der Diskussion wurde angeregt, mit der ADD über den Zuschnitt von Schulbezirken, auch in Abstimmung mit der Stadt Wörth wegen der Grundschule Schaidt, neu zu sprechen.
Erster Beigeordneter Josef Vollmer (CDU) erinnerte an fehlende Klassenzimmer in der Kandeler Grundschule. Diese sei randvoll und drohe „aus allen Nähten platze“, um deren Leiterin Swantje Rimpler zu zitieren. Vollmer erinnerte auch an die Probleme mit den Kindern aus Vollmersweiler, die eigentlich die Grundschule Freckenfeld besuchen müssten, häufig aber den Schulweg nach Schaidt vorziehen, weil dieser kürzer sei. Auch in Schaidt gebe es Diskussionen wegen einer erforderlichen Erweiterung der Schule.
Auf dem Weg zu einer Kompromisslösung gibt es die – nicht mehr ganz neue – Überlegung, den Schulsport der Grundschule in Minfeld in die Mundohalle zu verlagern. Damit könnte man die alte Grundschul-Turnhalle für einen Umbau nutzen und so womöglich auf den aufwändigen Erweiterungsbau im Westen verzichten. Minfeld sei bereit, hier seinen Beitrag zu leisten, deutete Ortsbürgermeister Martin Volz an. Jetzt müsse man erneut planen. Die Kosten hierfür, rund 300.000 Euro, sollen in den Haushaltsplan für 2026 eingestellt werden, und im Haushalt für 2027 sollen weitere 1,2 Millionen für dann anstehende Umbauarbeiten vorgesehen werden.
Die endgültige Entscheidung hierüber bleibt dem Verbandsgemeinderat vorbehalten, der am Donnerstag, 9. Oktober, 19 Uhr, im Feuerwehrgerätehaus tagt.