Kandel Erst neue Friedenslinde gesetzt, dann Narrengericht gehalten
[Aktualisierung: 2. März, 11.20 Uhr] In einer Gemeinschaftsaktion schafften es Sponsoren, der Elferrat der Kandeler Narrengesellschaft Bikage und die Stadt, eine neue Winterlinde zu erwerben und genau an dem Standort anzupflanzen, an dem mehr als 150 Jahre lang die Kandeler Friedenslinde gestanden hatte. Sie war im Jahre 2022 Opfer eines starken Sturmes geworden, genau am 22. Februar vor drei Jahren und damit zwei Tage vor dem Beginn des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine. Die Friedenslinde, die zuvor schon einige Stürme überstanden hatte, musste schließlich gefällt werden. Seitdem fehlte etwas auf diesem Plätzel.
Bürgermeister Michael Gaudier sprach von intensiven Verhandlungen, vor allem mit der Bikage und deren Präsidenten Markus Jäger-Hott. So entstand der Plan, eine Winterlinde zu pflanzen. Dieser Baum soll nach Angaben der Sponsoren vom Kandeler IUS-Büro Team Ness (Institut für Umweltstudien) besonders gut auf die veränderten Klimaverhältnisse reagieren und schätzungsweise zehn Meter hoch werden. Das Pflanzbeet wurde zuvor von Mitarbeitern des Bauhofes der Stadt hergerichtet und mit neuem Pflaster und einer Einfassung angelegt. Es ist beleuchtet, für die Bewässerung und Belüftung der Winterlinde ist gesorgt. An den Ecken stehen Pfosten mit dem Kandeler Stadtwappen. Zuvor wurde der Baumstumpf der alten Linde entnommen.
Mit der großen Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr konnte Faschingsprinzessin Lena I. zusammen mit Feuerwehrmann Thorsten Dries nah an den Baum gebracht werden, damit die Schnüre entfernt werden konnten, die die Äste und Zweige zusammen hielten, während Mitarbeiter des Bauhofes letzte Hand anlegten. Der Baum soll Hoffnungsgeber sein für weitere Friedensjahre, wie Pfarrer Stanislaus Mach in seinem Grußwort für die Kandeler Kirchengemeinden sagte. Werner Esser, der frühere Beigeordnete, hob die starke Symbolkraft der alten Friedenslinde hervor, und Landrat Martin Brandl als Schirmherr drückte seine Hoffnung aus, dass es trotz aller weltweiten Verwerfungen gelingen möge, weitere Jahrzehnte des Friedens zu sichern. Gegossen wurde die Linde schließlich von den Herren des Elferrates.
Und dann ließ das erste Narrengericht der Kandeler Bikage noch einmal Gnade gegenüber dem angeklagten und derzeit seines Amtes enthobenen Stadtbürgermeister Michael Gaudison walten. Er wurde weder ausgepeitscht und geteert noch gerädert oder gar gevierteilt, obwohl dies die Schwere der Schulden, die er und sein Stadtrat auf sich geladen hatte, durchaus im Bereich des angemessenen Strafmaßes gelegen hätte, so das Plädoyer der Ankläger.
Denn das Stadtoberhaupt hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit mehrfach als Hausmeister betätigt und ausgegeben, sei nicht bei allen Prunksitzungen der BiKaGe von Beginn an und bis zu deren Ende in den frühen Morgenstunden anwesend gewesen. Und, vor allem habe er immer behauptet, ein einfacher Mensch zu sein und nicht viel zu besitzen. Dies stimme nicht, denn er habe nachweislich ganze Berge von „Kies“ und „Schotter“ angehäuft, und von so viel Geld könne ein einfacher Mensch ja nur träumen.
Der Narrenrichter in der Person von Michael Becht hatte dem von Hexen aufgegriffenen Gaudison zwar einige Verteidiger zur Seite gestellt, aber selbst diese konnten in allen Punkten der Anklage nur auf „schuldig“ plädieren. Doch angesichts des Versprechens, sich künftig zu bessern, durfte der Angeklagte sich für die Alternativ-Strafe (50 Liter) entscheiden. Allerdings wurde die Strafe auf Bewährung ausgesetzt. Die BiKaGe werden jede Bewegung des Bürgermeisters nach dessen Wieder-Einsetzung am Aschermittwoch genauestens beobachten. Gaudison hatte großes Glück und ihm wurde sogar der Wunsch erfüllt. Er darf sogar mittrinken.
Glück hatte beim BiKaGe-Spektakel am Samstag auch Peter Roth, der für 1444 Euro ein Werk des Kandeler Künstlers Benjamin Burkard mit dem Titel „Der Lindenpflanz“ ersteigern konnte. Mehrfach waren die Preise hierfür sprunghaft in die Höhe gegangen. Der Erlös für das Gemälde kommt dem „Lindenfonds“ zugute.