Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Erneuter Einbruch in Vogelpark: Tatverdächtige festgenommen

Schneeeule Smilla hatte sich bei einem der früheren Einbrüche wohl gegen die Diebe gewehrt und hat sich dabei schwere Verletzung
Schneeeule Smilla hatte sich bei einem der früheren Einbrüche wohl gegen die Diebe gewehrt und hat sich dabei schwere Verletzungen am Auge zugezogen. Inzwischen geht es ihr ein bisschen besser,

Seit Wochen hält eine Einbruchserie im Wörther Vogelpark die Vogelliebhaber in Atem. In der Nacht zum Dienstag wurden nun zwei Täter bei einem erneuten Einbruch geschnappt. Ein dritter Tatverdächtiger wurde ermittelt. Der Schaden ist immens. Die Suche nach den gestohlenen Tiere geht weiter.

„Was mich wirklich überrascht hat, ist, dass die Täter es tatsächlich noch einmal versucht haben“, sagt Theo Binkele, Vorsitzender des Vogelzucht- und Waldvogelliebhabervereins Wörth. Zwischen dem 22. April und dem 6. Mai waren die Vogeldiebe insgesamt drei Mal in den Vogelpark eingebrochen und hatten dabei rund 70 Tiere gestohlen. Danach wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Die Polizei ist verstärkt Streife gefahren, und auf dem Gelände wurde eine Videoanlage installiert, die Bilder aufs Handy sendet. Finanziert hat sie das Ehepaar Essig, das in Wörth ein Unternehmen für Heizungsbau, Sanitär und Klimatechnik betreibt und dem Verein helfen wollte. „Mit der Kamera haben die Täter nicht gerechnet. Man sieht auf den Aufnahmen, wie sie seelenruhig zwischen den Volieren hin und herspazieren, plötzlich schaut einer nach oben, weil er offenbar das rote Licht der Kamera entdeckt hat“, berichtet Binkele, der die Wörther Polizei ausdrücklich für ihren Einsatz lobt: „Die waren wahnsinnig schnell vor Ort. Und das mit so vielen Leuten, die haben gleich die Straßen abgesperrt. Das hat mich echt beeindruckt.“

Auf frischer Tat ertappt wurden ein 20-Jähriger und ein 15-Jähriger aus dem Raum Karlsruhe. Die Einbrecher hatten bereits acht Vögel für den Abtransport in einen Sack gesteckt. Diese Tiere konnte die Polizei dem Verein weitgehend unbeschadet zurückgeben. Dennoch ist auch in dieser Nacht ein kaum wieder gut zu machender Schaden entstanden.

Wertvoller Schönsittich verschwunden

Nach den ersten Einbrüchen und dem Verlust von rund 70 Tieren waren dem Verein von Privatleuten, aber auch von Züchtern Vögel angeboten worden. Erst am vergangenen Wochenende war Binkele rund 350 Kilometer gefahren, um bei einem Züchter, der seine Zucht aufgeben will, mehrere Vogelpaare abzuholen, darunter ein wertvolles Schönsittich-Pärchen. „Leider ist einer der beiden Schönsittiche verschwunden. Als die Täter die Voliere geöffnet haben, ist er offenbar weggeflogen“, sagt Binkele. Dass das Tier wieder zurückkommt, glaubt Binkele nicht. „Dafür ist er erst zu kurz bei uns.“ Anders sieht es bei einem Kanarienvogel aus, der ebenfalls in der jüngsten Tatnacht entflogen ist. „Der fliegt die ganze Zeit hier rum und will zurück in seine Voliere, den bekommen wir wieder“, ist Binkele überzeugt. In der Nacht wurden die verschiedenen Vogelarten zusammen in einen großen Käfig gesetzt, am Morgen hat sie der Zuchtwart des Vereins wieder getrennt.

Höhe des Schadens nur schwer bezifferbar

Bei den Festgenommenen gab es noch in der Nacht Durchsuchungen. Dabei konnten zwei Vögel in einer Wohnung aufgefunden werden. „Diese konnten dem Verein zugeordnet werden“, bestätigt die Polizei auf Nachfrage. Der Verbleib der übrigen mehr als 60 Vögel bleibe bislang ungeklärt. Dem Verein fehlen mehrere Kanarienvögel, ein Rostkappenpapagei, mehrere Wellensittiche, mehrere Nymphensittiche, zwei Loris, zwei Agaporniden und ein spezieller dunkelblauer Wellensittich, der relativ viel wert ist. Der Schaden beläuft sich laut Binkele auf 7000 Euro oder mehr, das lasse sich nur schwer sagen. „Die Preise für Vögel schwanken, für einen Lori zum Beispiel zwischen 600 und 2400 Euro – je nachdem, wie zutraulich die sind.“

Wo die gestohlenen Vögel gelandet sind, versucht die Polizei nun herauszufinden. Erste Ermittlungen führten zu einem 19-Jährigen aus dem Raum Wörth, der womöglich an den vorherigen Taten beteiligt war. Gegen die Täter wird wegen besonders schweren Fällen des Diebstahls und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Wie die Polizei mitteilt, wurden die beiden vorläufig Festgenommenen nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen entlassen beziehungsweise im Fall des 15-Jährigen an einen Erziehungsberechtigten übergeben.

Schneeeule auf dem Weg der Besserung

Binkele hofft, dass nun wieder Ruhe in den Vogelpark einkehrt. Denn die Aufregung der letzten Wochen hat auch den von den skrupellosen Dieben verschont gebliebenen Tieren nicht gut getan. „Die Vögel sind sehr unruhig, manche sind richtiggehend verstört“, so Binkele. Im rund 100 Mitglieder zählenden Verein hätten die Vorfälle eine tiefe emotionale Wunde hinterlassen. Immerhin ist die Schneeeule Smilla auf dem Weg der Besserung. Sie war bei einem der ersten Einbrüche schwer am Auge verletzt worden. Offenbar hatte sich der nachtaktive Vogel gewehrt. Ob die Diebe die Eule stehlen wollten, ist unklar. Von den Greifvögel des Parks haben die Täter ansonsten die Finger gelassen.

Der Vogelzucht- und Waldvogelliebhaberverein wurde 1974 gegründet, damals noch unter dem Namen Vogelschutz- und Zuchtverein. Ziel des Vereins war die Erhaltung und Pflege der einheimischen Vogelwelt. Schon früh hatte Vereinsgründer Willi Graf den Wunsch geäußert in Wörth einen Vogelpark zu bauen. Nach vielen Verhandlungen und intensiver Planung konnte dieser im Juni 1992 auf einem Gelände am Ende der Friedrichstraße eingeweiht werden.

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