Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Energiekrise: Mehr Photovoltaik auf Baggerseen gefordert

Die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Leimersheimer Baggersee.
Die schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Leimersheimer Baggersee.

Die Auswirkungen eines möglichen Gasmangels treibt auch die Kommunalpolitik im Landkreis um. Nun wurden erste Ideen gesammelt. Fest steht schon: Ohne Verzicht geht es nicht.

In den meisten städtischen Einrichtungen der Stadt Wörth fließt bis auf Weiteres kein warmes Wasser mehr. Doch das ist wohl erst der Anfang: Im Landkreis werden derzeit Ideen gesammelt, wie mit einer möglichen „Energiemangellage“ (Landrat Fritz Brechtel, CDU) im Winter umgegangen werden könnte. Dabei geht es unter anderem um wärmende Jacken, die Gefahr von Stromheizgeräten, Hilfen für Bedürftige und die Forderung nach Gesetzesänderungen.

Aber der Reihe nach: In der „kommunalen Familie“ müsse man sich auf einen drohenden Gasnotstand in Deutschland vorbereiten. So lautet ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen der CDU, SPD, Grünen, FWG und FDP im Kreistag. „Wir befürchten, dass wir eine Situation bekommen, wie wir sie noch nie hatten, das erinnert an den Anfang von Corona“, sagte Martin Brandl (CDU). In der Diskussion wurde schnell klar, dass es um ganz unterschiedliche Aspekte geht: Das Einsparen von Energie, das Gewinnen von Energie und um die Vorbildfunktion der Kreisverwaltung und der Kommunen.

Denkmalschutz und Naturschutz hinterfragen

Am großen Rad der Gesetzesänderungen drehen würde gerne Landrat Brechtel, „da darf es keine Tabus geben“. Zum Beispiel bei der Arbeitsstättenverordnung, die derzeit in Arbeitsräumen mindestens 20 Grad bei leichten Arbeiten im Sitzen und 17 Grad bei mittelschweren Arbeiten im Stehen oder Gehen vorschreibt. „Warum soll es nicht zumutbar sein, bei der Arbeit eine Jacke zu tragen“, fragte Brechtel bei der Sitzung in der Bienwaldhalle. Auch den Denkmalschutz hat der Landrat im Visier. Dieser verhindere zum Beispiel Photovoltaikanlagen, wenn ein Schulgebäude aus den 1960ern stamme. Doch dies solle – die Stabilität des Daches vorausgesetzt – möglich sein, sagte Brechtel.

Außerdem sollten die Vorgaben des Naturschutzes hinterfragt werden, fordert der Landrat und studierte Biologe Brechtel. Seit November 2021 ist eine schwimmende Photovoltaikanlage auf dem Leimersheimer Baggersee des Kieswerks Pfadt in Betrieb. Diese hat eine Größe von rund 14.000 Quadratmetern und kann etwa 400 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. Dies sei nur unter bestimmten Vorgaben genehmigt worden, erinnerte Brechtel. Dabei gebe es im Kreis über 50 Baggerseen mit einer Fläche von über einem Hektar. Diese könne man für die Energiegewinnung und -Speicherung nutzen, außerdem sollten dort Photovoltaik schwimmen. „Die Freizeitaspekte spielten natürlich auch eine Rolle“, so Brechtel. Aber warum könne man nicht die Kernflächen nutzen?

Hilfe für bedürftige Haushalte

Weitere Ideen seien zum Beispiel der Verzicht auf Warmwasser in den Öffentlichen Gebäuden oder den Beginn der Heizperiode nach hinten zu verschieben. Die Kreisverwaltung mit Sportstätten, Schulen, Bürogebäuden müsse Vorbild sein, forderte Brechtel. Der Landrat kündigte zudem die Einrichtung einer Beratungsstelle zur kommunalen Armutsprävention und einen Notfallfonds für bedürftige Privathaushalte an. Außerdem sind landkreisweit Infoveranstaltungen zum Thema Energiesparen geplant.

„Was ist Luxus und was ist essenziell“, fragte Dennis Nitsche (SPD). Der Bürgermeister von Wörth verwies auf Studien, denen zufolge 20 Prozent Energieeinsparungen alleine durch einen „bewussten Umgang“ mit Energie möglich sei. Auch plädierte Nitsche für eine Betrachtung von Katastrophenschutz und kritischer Infrastruktur. Seine Sorge: Was passiert mit dem Stromnetz, wenn auf einmal viele Bürger gleichzeitig elektrische Heizgeräte einschalten?

Schon eine drittes Treffen einer Taskforce habe es in Germersheim gegeben, berichtete der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile (CDU). Er erinnert an seine Oma, bei der auch immer nur ein Raum geheizt gewesen sei.

Debatten gab es im Kreistag zwischen den Befürwortern eines Tempolimits (Pascal Endres, Grüne) und der Atomkraft (Andreas Wondra, AfD). Gerd Unterforsthuber (AfD) warf dem Landrat gar „Hirngespinste“ vor, was die Pläne für Energiespeicherung angehe. Mit den Einsparungen, die dem Kreis möglich seien, könne man nur 350 Haushalte versorgen. Der Kreis habe aber zirka 60.000 Haushalte, von denen 30.000 an der Gasversorgung hingen. Es gehe doch um die Vorbildfunktion, sagte Thorsten Rheude (CDU): „Wenn wir in den Schulen erklären, warum wir die Hände mit kalten Waser waschen, dann erreichen wir Tausende.“

Info

Auf dem Klimaschutzportal des Kreises sollen Vorschläge gesammelt und Tipps zum Energiesparen gegeben werden.

https://germersheimer.klimaschutzportal.info/portal/startseite

Von der Anlage ist nur ein kleiner Teil des Sees bedeckt.
Von der Anlage ist nur ein kleiner Teil des Sees bedeckt.
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