Germersheim
Elfen, Orks und Hexen: Mystika lockt mit tollen Kostümen
Elfen, Feen, Orks und Hexer hatten die Festungsanlage vier Tage lang fest im Griff. Das Mystika Festival versprach eine Reise in andere Welten. Allerdings traten nur wenige Besucherinnen und Besucher diese Reise an. Überraschend ruhig wirkt das Gelände zumindest am ersten Festivaltag. Ob das wechselhafte Wetter manche Gäste abgeschreckt hat oder ob der Eintrittspreis von 25 Euro für ein Tagesticket eine Rolle spielt, lässt sich nicht sagen. Die Wege auf dem weitläufigen Gelände sind jedenfalls angenehm leer.
Der Rundgang führt vorbei am Innenhof des Hufeisens und an mittelalterlichen Lagern. Ein kurzer Blick ins Foltermuseum, dann weiter durch den Hexenwald. Ein Kerkermeister mit Klimper-Schlüsselbund und eine geheimnisvolle Frau im langen schwarzen Samtumhang ziehen vorbei. Wenig später kreuzen ein Ork und eine Fee mit spitzen Ohren den Weg. Beide halten ein Schwätzchen mit einer mittelalterlich gewandeten Gruppe. Das „Labyrinth der Verlorenen“ führt durch die illuminierten Festungsgänge. In den Nischen ist mal eine Gruselhochzeit aufgebaut, mal wird die tragische Geschichte der „Weißen Frau“ erzählt. Die historischen Gemäuer dienen zugleich als Kulisse für Fotoshootings. Eine junge Gothic-Fee mit dunklen Flügeln, knappem Outfit und aufwendigem Make-up posiert vor den Steinmauern. Ein Stück weiter zeichnet eine vermummte Gestalt mit langem Zottelhaar ihre Hang-Performance mit dem Smartphone auf.
Zwischen Hippiemarkt und Elfenwald
„Das Met ist schön kalt“, schallt es aus einem der zahlreichen Bewirtungsstände. Drachenglut, Feenhaar oder Gerupfter Wikinger heißen die Gerichte, die Händlerinnen und Händler mit viel Klamauk anpreisen. Der Weg führt vorbei an Marktständen mit Gewandungen, Trinkhörnern, Holzwaffen, Schmuck und allerlei Kuriositäten. Aus einer Ecke dringt der Duft von Räucherwerk, wenige Meter weiter können Besucherinnen und Besucher sich im Holzschnitt versuchen oder beim Bogenschießen ihre Treffsicherheit testen. Eine Gruppe Männer steigt gerade in einen Badezuber – so, wie Gott sie schuf. Die Stimmung bei Märchenerzählern, Söldnern, Hippies und Tänzerinnen ist trotz des durchwachsenen Wetters und des überschaubaren Besucheraufkommens ungetrübt. Zwischen Endzeitlager, Feen- und Yogawiese dreht ein handbetriebenes Karussell seine Runden. Das schwere Holz knarzt, die Kinder freut es. Außer den zahllosen Möglichkeiten zu essen, zu trinken und mehr oder weniger historisch authentische Souvenirs zu kaufen, wird auf dem Festival noch einiges mehr geboten.
Mitreißende Musikklänge
Bereits bei der Eröffnungsparade hallen Dudelsackklänge durch die Festungsmauern. Fahnen wehen im Wind, Schwerter und Schilde werden präsentiert. Vor der Bühne treibt das rhythmische Schlagen der Trommeln und das aufpeitschende Schlagzeug die Tänzerinnen und Tänzer an. Später zieht der Pestumzug über das Gelände. Musik, Rufe, Rauch und Fackelschein begleiten die schweren Karren, auf denen die Unglücklichen liegen. Tatsächlich lässt sich auf dem weitläufigen Gelände hinter jeder Ecke eine andere Welt entdecken. Aufwendig kostümierte Orks mit schwarzen Gesichtern und gewaltigen Rüstungen marschieren über die Wege. Ihre Gewandungen sind mit Totenköpfen, Fellen und martialischen Waffen geschmückt. Nur wenige Schritte weiter sitzen Feen mit spitzen Ohren auf einer Wiese, manche in leuchtenden Farben und mit riesengroßen Flügeln.
Mehr als nur Kostüme
Vor der Bühne stehen sich ein Ork und der „Swiss Witcher“ im Schwertkampf gegenüber. Die beiden Kontrahenten umkreisen sich, Schwerter treffen aufeinander, Metall klirrt. Der Ork brüllt, der Witcher kontert mit gespielter Gelassenheit. Ein kleiner Junge verfolgt das Geschehen mit sichtbarer Anspannung. „Keine Angst. Orks sind nur Elfen, die sich nicht waschen“, sagt der großgewachsene Witcher, der nach eigener Aussage bei allen Monsterproblemen zur Seite steht. Solche Momente und Begegnungen gibt es viele auf dem Mystika Festival. Es bietet mehr als Kostüme und Mittelalterromantik. Die Leidenschaft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist überall zu sehen und zu spüren. Zwischen den historischen Festungsmauern entsteht eine Welt, in der gruselige Dämonen, anmutige Zauberinnen, freche Hexen und stattliche Wikinger ganz selbstverständlich nebeneinander existieren.