Kreis Germersheim Einen Weg ins Berufsleben finden

Als eine Art „Perfektionierung des Kooperationsgedankens“ bezeichnete die Chefin der Arbeitsagentur Landau, Christine Groß-Herick, am Donnerstag die Gründung der Jugendberufsagentur „Impulse“ im Landkreis Germersheim. Diese Agentur soll alle Hilfsangebote der Region kennen und den Jugendlichen den Zugang zu individueller Unterstützung für den Weg ins Berufsleben ermöglichen. Zurzeit betreut die Arbeitsagentur etwa 350 junge Menschen zwischen 15 und 25 im Kreis, die ohne Qualifikation und dementsprechend ohne Berufszugang sind.
Beteiligt an dieser Jugendberufsagentur sind unter Federführung der Kreisverwaltung Germersheim die Arbeitsagentur und das Jobcenter Germersheim. Deren Vertreter, beispielsweise Jugendamtsleiterin Sabine Heyn oder Jobcenter-Chefin Ruth Burckhardt, knüpfen seit etwa drei Jahren landesweit in einer Arbeitsgruppe zusammen mit dem Arbeitskreis Jugendberufshilfe ein Netzwerk zwischen allen Einrichtungen, die sich in irgendeiner Form mit der Unterstützung Jugendlicher beschäftigen. Dazu gehören die staatlichen Ämter, Schulen, aber auch CjD, kirchliche Einrichtungen oder private Organisationen. „Es ist schon immer so gewesen, dass es Jugendliche gab, die nicht ganz einfachen Zugang zum Arbeitsmarkt haben“, sagte Landrat Fritz Brechtel (CDU). Deshalb werde die Jugendberufsagentur Impulse mit einer Vollzeitstelle ausgestattet. Dort laufen die Kontaktfäden zu allen Einrichtungen zusammen, damit die jungen Leute mit ihren Schwierigkeiten an die richtige Adresse gelangen. Und wer nicht kommt, der wird geholt. Schulen, Eltern, Jobcenter oder andere Einrichtungen können über die Jugendberufsagentur organisieren, dass die Hilfe dorthin kommt, wo sie gebraucht wird. Das, so Brechtel, gelte selbstverständlich auch für alle jugendlichen Flüchtlinge und Zuwanderer, die entsprechenden Bedarf haben. Sprachprobleme löst dabei der Jugendmigrationsdienst. „Das müssen nicht immer furchtbar faule oder doofe junge Leute sein“, sagte Jugendscout Joachim Krautwurst. Das Problem könne ganz einfach am mangelnden Fahrgeld beispielsweise von Wörth zum Jobcenter nach Germersheim liegen. „Dann fahre ich halt mal nach Wörth“, so Krautwurst. Das krassere Beispiel, nämlich um 8 Uhr beim Schüler auf der Matte zu stehen, der keinen Bock auf Penne hat, nannte Jugendamtsleiterin Heyn. Nicht umsonst habe die Jugendberufsagentur den Namen „Impulse“ erhalten. „In der Hoffnung, dass dem ein oder anderen ein Lichtchen aufgeht.“ Die Stärke der neuen Agentur sei die ganz lebenspraktische Unterstützung, „weil alle mit allen für jeden individuellen Fall koordiniert werden können“. Genau diese Neuerung barg aber auch ein Problem, so Landrat Brechtel. Denn zuerst musste der Landesdatenschutzbeauftragte überzeugt werden, dass der für diese Agentur notwendige Datenaustausch zwischen Ämtern und Einrichtungen ausschließlich zum Wohle der Betroffenen ist. Finanziert wird die beim Jugendamt angesiedelte Stelle des „Impulsmanagers“ mit 60.000 Euro pro Jahr. Der Verein Star Care, die private Hilfsorganisation des Daimler-Konzerns, beteiligt sich mit einer Anschubfinanzierung von 25.000 Euro. Star Care Vorstandsmitglied Gerd Herrmann umriss die Vereinsaufgabe mit „Hilfe für junge Leute in Not“. Der Verein organisiere dabei das Geld, Partner müssten für die Umsetzung sorgen. Herrmann verwies auf die guten Erfolge der Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung Germersheim bei den Projekten BBS-Bistro in Wörth sowie die Holzwerkstatt in Germersheim und bezeichnete die Jugendberufsagentur als genau passend für die Zielsetzung des Vereins. „Wir wünschen uns, dass das Projekt schnell auf die Straße kommt“, sagte er im klassischen Autobauer-Jargon. (tom)