Rheinzabern Eine Schule wächst: So plant das Gymnasium den Übergang zum Neubau

Schulleiter Matthias Wolf studiert die Pläne der geplanten Containeranlage.
Schulleiter Matthias Wolf studiert die Pläne der geplanten Containeranlage.

2026 ziehen die Schüler des neuen Gymnasiums in Rheinzabern in Container um. Was das neue Jahr sonst noch für das kleinste Gymnasium in Rheinland-Pfalz bringt.

Groß und hell ist das Büro von Matthias Wolf. Auf dem Regal des Schulleiters, Musiklehrers und Dirigenten stehen ein goldener Taktstock und ein Klavierspieler aus Metall. An der Wand hängt ein buntes Gemälde mit Wünschen der Schüler. Darunter sind Kästen mit Limo gestapelt, die beim Schulfest übrigblieben. Durch die Fensterfront streift der Blick ins Grüne. Ein halbes Jahr ist fast vorüber, seit das neue Gymnasium in Rheinzabern den Unterricht aufgenommen hat. Noch werden die Kinder in einem Trakt der Integrierten Gesamtschule (IGS) unterrichtet. Im nächsten Schuljahr soll sich das ändern. Dann wird auch Matthias Wolf aus dem Übergangsbüro, das gar nicht wie ein solches aussieht, umziehen. Ein Rück- und Ausblick.

„Es ist eine komplette Umstellung“, erzählt der Schulleiter. Die letzten Jahre war er Lehrer am Germersheimer Goethe-Gymnasium, unterrichtete dort vor allem ältere Schüler. In der neuen Schule – dem kleinsten Gymnasium im Land – sind bisher nur Fünftklässler, der erste Jahrgang. Drei Klassen, 76 Kinder, sind im August hier gestartet. Eine Integrationsfahrt und eine Vollversammlung, das erste Schülerparlament, liegen bereits hinter der Schulgemeinschaft. „Das war eine Sternstunde“, sagt Wolf. Demokratiebildung ist neben Musik und Naturerfahrung einer der Schwerpunkte des Gymnasiums. Jede Klasse konnte einen Antrag für die Vollversammlung stellen. Die Mehrheit entschied sich für den, dass an Halloween alle verkleidet kommen durften. „Die Kinder lernen, dass in einer Demokratie jeder eine Stimme hat und damit umzugehen, dass Anträge auch mal nicht angenommen werden“, sagt Wolf.

Blick in den Flur.
Blick in den Flur.

Platz bis zur achten Klasse

In den Osterferien sollen neben der IGS Unterrichtscontainer mit zwei Geschoßen gestellt und bis zu den Sommerferien ausgebaut werden. Zum Schuljahr 2026/27 werden Kinder, Lehrer und Sekretariat des Gymnasiums dorthin umziehen. Die Schülerzahlen der IGS seien gestiegen und sie brauchen ihre Räume wieder. „Es ist eins zu eins eingetreten, was der Schulentwicklungsplan prophezeit hat“, sagt Matthias Wolf. Im Frühjahr 2024 hatte die Kreisverwaltung wegen dieser Prognose Alarm geschlagen: Die beiden Gymnasien im Kreis waren demnach auf mehrere Jahre zahlenmäßig an der Belastungsgrenze, das in Wörth sogar drüber. Der Kreistag entschied daraufhin, ein weiteres Gymnasium in Nachbarschaft der IGS Rheinzabern zu bauen. Die Nutzung der leeren IGS-Räume war von Beginn an eine Interimslösung.

Die Containeranlage wird zunächst acht Klassenräume, ein Lehrerzimmer, Büros, einen Nawi-Raum und einen Musiksaal haben. Wolf ist froh über die Fachräume: Für die Kunst- und Orchesterklassenstunden müsse derzeit immer Möbel gerückt werden. In einem Mehrzweckraum sollen die Ganztagsschüler zu Mittag essen. Später kommt ein drittes Stockwerk dazu. Die Unterrichtscontainer bieten dann Platz für alle Schüler bis zur achten Klasse. Stichtag sei der 30. Juni 2029: Bis dahin soll das neue Schulhaus stehen.

Demokratiebildung ist ein Schwerpunkt der Schule.
Demokratiebildung ist ein Schwerpunkt der Schule.

Kosten steigen auf 45 Millionen

Auch die Kreisverwaltung geht davon aus, dass nach den Sommerferien 2029 Unterricht im Neubau stattfinden kann. Die voraussichtlichen Gesamtkosten liegen bei rund 45 Millionen Euro – und damit deutlich über der „allerersten groben Schätzung“ von 25 Millionen im Frühjahr 2024. „Dieser Schätzung lagen keine belastbaren Berechnungen zugrunde. Erst durch die Wirtschaftlichkeitsberechnung haben sich erste kalkulierte Kosten in Höhe von 35,3 Millionen Euro für das Gymnasium ergeben“, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Für die Sporthalle werden zusätzlich 5 Millionen Euro berechnet. Hinzu kommen die Container-Miete, der Grundstückskauf, Voruntersuchungen, die Begleitung bei der Vergabe und technische Beratung sowie die Einrichtung und Ausstattung.

Unabhängig von den baulichen Veränderungen möchten der Schulleiter und sein Kollegium das AG-Angebot und die Schwerpunkte weiter ausbauen. Im Bereich Naturerfahrung werde eine Zusammenarbeit mit dem Forstamt vorbereitet, so Wolf. Bilingualer Unterricht, ein Wunsch der Eltern, soll ab Klasse 7 kommen. Matthias Wolf rechnet aufgrund der „aktuellen Interessenslage“ damit, dass es auch im nächsten Schuljahr eine große Orchesterklasse geben wird. Der Tag der offenen Tür im Januar ist bereits ausgebucht. Termine für die Anmeldegespräche mit den Schülern Anfang Februar können über die Homepage vereinbart werden.

Noch sind die Unterrichtsräume in einem Anbau der IGS.
Noch sind die Unterrichtsräume in einem Anbau der IGS.
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