Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Schule mit fünf Schülern

Diese Erstklässler in der Freien Naturschule Kandel stört der Regen nicht.
Diese Erstklässler in der Freien Naturschule Kandel stört der Regen nicht.

Innerhalb der ersten Monate ist die Schülerschar an der „Freien Naturschule“ von zwölf auf fünf geschrumpft. Dennoch blickt der Verein zuversichtlich in die Zukunft. Allerdings will man künftig bei der Auswahl der Schüler genauer hinsehen.

„Wir waren zu optimistisch, was den Wechsel von Regelschulen zu uns angeht“, sagt Heinrich Reich, der bisherige Vorsitzende – jetzt dritter Vorstand – des Vereins „Naturkindergarten Bienwald“ , der als Träger der „Freien Naturschule“ in Kandel fungiert. Die Naturschule war zum Schuljahr 2022/23 gestartet und hatte zunächst zwölf Anmeldungen für die Klassenstufen 1 bis 4.

Doch dann startete man nur mit acht Schülern, was im Übrigen noch den Vorgaben des Ministeriums und der Aufsichtsbehörde ADD entspricht. „Zwei Erstklässler sind erst gar nicht gekommen“, sagt die Vorsitzende Daniela Frey im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Dann hat uns Lehrerin Daniela Ehmer mit ihren beiden Kindern aufgrund des weiten Schulwegs verlassen.“ Schließlich gingen auch noch ein Dritt- und zwei Viertklässler wieder in ihre Regelschule zurück, sodass die Naturschule im Moment noch fünf Schüler zählt, vier in der 1. Klasse und einen in der 2. Klasse.

Neue Schüler kommen aus Naturkindergarten

„Die mindestens acht Schüler werden wir aber leicht wieder erreichen, da bereits vier Anmeldungen aus dem Natur-Kindergarten schon vorliegen“, ist Frey zuversichtlich. Vertreter des Bildungsministeriums und der ADD waren bereits vor Ort und haben sich informiert.

„Wir lernen auch dazu“, sagt Johannes Heinz in seiner Funktion als Leiter der „Freien Naturschule“. „Unser Projekt-Charakter muss wachsen.“ Gemeinsam werden Regeln für das Zusammenleben gefunden, auch in der Naturschule sind klare Strukturen und Regeln notwendig. Doch manche Eltern wollen eine Alternative zum Regelsystem – vor allem, wenn ihre Kinder dort schon Probleme hatten. „Diese Kinder finden bei uns Freiräume, aber bekommen auch hier Probleme, die die Familie wohl nicht so sieht. Dann wechseln sie wieder“, sagt Heinz und merkt an: „Bei uns ist nämlich auch viel Elternmitarbeit gefordert.“

Anderer Weg zu gleichem Inhalt

Der Schulleiter, der auch an Regel-Grundschulen als „Feuerwehr“ arbeitet, berichtet über Ähnlichkeiten und Unterschiede. „Die Inhalte sind überschaubar gleich und orientieren sich auch am Rahmenplan für Grundschulen.“ Nur der Weg sei ein anderer. Schlüsselkompetenzen sind für ihn das konzentrierte Zuhören, das Lesen und Verstehen. Für diese originären Erfahrungen böten Natur und Wald als Lernumgebung zahlreiche Möglichkeiten die Unterrichtsfächer und Lernbereiche hautnah zu erfahren – stellt Heinz fest.

Diesen Argumenten stimmt sein Kollege Jonas Basselli zu. Er unterrichtet montags, dienstags und mittwochs mit 15 Stunden und war vorher an der Montessori-Schule in Landau tätig. „Dort habe ich auch alle Lernniveaus, Inklusion und altersgemischte Gruppen kennen gelernt, was ich auf unsere Schule gut übertragen kann.“ Beide Lehrer werden in Zukunft mehr auf mögliche Quereinsteiger in die 3. oder 4. Klasse achten. „Sie müssen in unsere Strukturen passen.“

Der Sohn von Sabine Marschall aus Landau, zweite Vorsitzende des Vereins, besucht die 1. Klasse. Ihr imponieren die Kooperationen mit zahlreichen außerschulischen Institutionen. So statten die Schüler der Stadtbibliothek und der Musikschule in Kandel Besuche mit den vereinseigenen Fahrrädern ab. Es geht aber auch in die Museen nach Speyer, Bad Dürkheim und Karlsruhe oder auf einen Bauernhof. „Das Lernen in Bewegung macht den Kindern viel Spaß und sie können auch ihr Alltagswissen gut übertragen und anwenden, wenn sie sich zum Beispiel mit dem Bärlauch, der ganz in der Nähe wächst, auseinandersetzen.“

Erstklässler sind begeistert

Schon kommt der Erstklässler Rodrigo mit einem Blatt angelaufen und bietet es zum Probieren an. „Wir haben Pesto zubereitet. Das war lecker, aber sehr scharf“, erzählt er und zeigt sein Lerntagebuch. Zusammen mit Jannis und Luca antwortet er auf die Frage der RHEINPFALZ, was ihnen an dieser Schule gefalle: „Alles“. Zuerst noch etwas schüchtern, legen die drei Erstklässler dann los. Luca: „Hier bekomme ich mehr Luft als in den geschlossenen Klassenzimmern.“ Gerade regnet es, das Gespräch wird unter der Zeltplane des Klassenzimmers geführt. „Macht euch denn das Wetter nichts aus?“ Da lachen die drei Kinder nur. Dann erzählen sie begeistert, wie sie Steine aufgeklopft und nach Edelsteinen gesucht haben. Besonders angetan waren sie von der Fabrik, die Brezelmaschinen baut und ihnen Brezeln gebacken hat. Aber auch das Baumpflanzen mit dem Förster habe viel Spaß gemacht.

Termin

Infoveranstaltung am Samstag, 15. April, 10 bis 12 Uhr im Bienwald in der „Freien Naturschule“ in Kandel. Lehrer und Vorstand des Träger-Vereins informieren über das Alltagsgeschehen in der Schule.

Mehr zum Thema
x