Kreis Germersheim „Ein Ruck durch Bevölkerung gegangen“
So richtig überrascht war man im Wörther Rathaus nicht, als von der Kreisverwaltung immer häufiger die Meldung kam, dass im Stadtgebiet Asylsuchende unterzubringen sind. Schon vor zirka eineinhalb Jahren habe man in Ausschüssen über das Thema gesprochen, erinnert sich Ordnungsamtsleiter Peter Haubold. Im damaligen Sozialbericht sei ein Problem deutlich geworden: „Die Mietpreise explodieren hier.“ Deshalb habe man sich beizeiten Gedanken gemacht, wie man im Fall der Fälle reagieren würde. Und schon damals galten Unterkünfte in Containern nur „als Plan B oder C“. Die Stadt habe schon immer auf dezentrale Unterbringung in eigenen Objekten oder Gebäuden der Wohnbau gesetzt. Damals habe die Problematik aber noch wenig Widerhall gefunden, sagt Haubold. Also entwickelte der Ordnungsamtschef eine Strategie: In allen städtischen Gremien wurde informiert und der klare Auftrag „Gebt das weiter!“ erteilt. Im Amtsblatt wurde annonciert, die Beigeordnete Ursula Radwan sei ständig im Einsatz gewesen. Und die Strategie ging auf: In den vergangenen vier Wochen sei geradezu ein Ruck durch die Bevölkerung gegangen, sagt Haubold sichtlich erfreut. „Wir waren positiv überrascht.“ Seit den Sitzungen in Ortsbeiräten und dem Stadtrat – als unter anderem Büchelberg dafür gestimmt hatte, auf seiner Gemarkung Container aufzustellen – habe sich einiges getan. Gespräche mit Haus- und Wohnungseigentümern, die Asylsuchenden eine Unterkunft anbieten, seien mittlerweile „Tagesgeschäft“. Die Bürger, die ihren Wohnraum anbieten, haben ganz unterschiedlichen Hintergrund: Vom Hotelier zum Besitzer einer Ferienwohnung bis zum in der Kirche Engagierten. „Wir haben zuhause überlegt, ob wir euch das zur Verfügung stellen“, sagen viele, die sich im Rathaus melden. Auf Haubolds Schreibtisch liegt eine Liste mit 16 Objekten im Stadtgebiet, die in den kommenden Tagen besichtigt und geprüft werden sollen. Sanierungsaufwand, Lärmbelästigung, Hygiene, Wärmdämmung sind nur einige der Punkte, die abgeklopft werden. Danach wird über die Miete gesprochen, dabei wird der ortsübliche Mietspiegel angelegt, betont Haubold. Manche Vermieter freuen sich auch darüber, mit der Stadt Wörth einen sehr sicheren Mietzahler zu bekommen, „das ist eine legitime Motivation.“ Natürlich sind auch in Wörth Gerüchte im Umlauf. So werde verbreitet, dass die Stadt 45 Euro pro Person und Tag an die Vermieter bezahle, sagt Haubold kopfschüttelnd. „Wir zahlen keine Kopfpauschale.“ Schon heute werden von Privatleuten vermietete Wohnungen von Asylsuchenden bewohnt. „Es läuft sehr gut“, sagt Haubold. Die Sozialarbeiterin sei täglich unterwegs, in Unterkünften wie der „Linde“ in Schaidt gebe es einen Hausmeister. Bei der Verteilung des Wohnraums versuche man sensibel mit Fragen wie Konfession oder Nationalität umzugehen und so Konflikte vorab zu vermeiden. Im Rathaus hofft man, dass die Bürger weiter bereitwillig helfen. „Dann können wir vielleicht auf die Container verzichten“, sagt Haubold. Auch in Sachen Bürokratie hofft er auf Hilfsbereitschaft. Denn es kann passieren, dass der Stadt jetzt schon Objekte zu Miete oder Kauf angeboten werden, die aber nicht gleich bezogen werden – sei es, weil sie noch saniert werden müssen, oder weil sie vorausschauend für die sicher zu erwartenden Flüchtlinge bereit gehalten werden. Solche Fälle sind bislang nicht wirklich vorgesehen und werden von Rechnungsprüfern kritisiert. Aber Haubold ist zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden kann.