Meinung Ein Parkautomat für Nostalgiker
Nun sollen also auch in der Stadt Kandel zwei Parkautomaten kommen. Schicke, moderne, nur mit App bedienbare Geräte. Es lohnt sich also nicht, jetzt schon schnödes Münzgeld für kommende Ausflüge in die Bienwaldstadt zu sammeln. Ob das nun jeden Kunden, der in Kandel shoppen gehen will, so entzückt, wird man sehen. Denn gerade reifere Einkäufer, sagen wir mal Ü65, freuen sich vielleicht nicht so sehr darüber, wenn sie erst das Smartphone zücken und eine App herunterladen müssen, bevor sie ganz legal ihren Wagen auf dem Marktplatz oder bei der Sparkasse parken dürfen. Oder ihre Bankkarte an den Automaten halten müssen, um zu bezahlen.
Andererseits bleiben in Kandel – zumindest bis auf Weiteres – noch genug kostenfreie Parkplätze übrig, die man ansteuern kann. Dazu gehören zum Beispiel das Parkdeck und die Tiefgarage bei der Verbandsgemeindeverwaltung. Auf dem Parkdeck findet sich übrigens ein Leckerbissen für Nostalgiker: Ein Parkautomat, der noch mit DM, also der guten alten Deutschen Mark, betrieben wird. Oder besser: Einmal betrieben werden sollte.
Ungebraucht und jetzt unbrauchbar
Im Jahr 2000 wurde das Parkdeck gebaut, doch im Jahr 2002 wurde der Euro eingeführt. Und doch war der Parkautomat nicht einmal in der knappen Zeit, in der es das Parkdeck und die DM parallel gab, im Einsatz. Im Keller lagern noch zwei dazugehörige Geldkassetten, die aber ebenfalls nie zum Einsatz kamen. Meist ist der Automat schamvoll mit einer Folie verhüllt, die wurde jedoch offensichtlich vom Winde verweht. Nun ist das Schild „Außer Betrieb“ ganz offen zu sehen.
Falls sich nun also Nostalgiker finden, die das Gerät gerne im heimischen Garten aufstellen möchten: Parkdeck und Automat gehören der Stadt, die bekanntlich aufs Geld schauen muss und den Apparat nach knapp 26 Jahren bestimmt gerne los wäre. Im Zweifel gegen kleines Geld.
Doch eine Warnung an alle, die sich das Parkdeck für künftige Ausflüge nach Kandel jetzt schon als Parkgelegenheit im Stadtplan rot markieren: Ein Teil der Stellplätze in der Tiefgarage und auf dem Deck sind sowieso den Mitarbeitern der Verbandsgemeinde zugeordnet und vermietet, übrigens von der Stadt Kandel. Bei allen anderen Plätzen ist etwas Vorsicht geboten: Mit einem etwas dickeren Fahrzeug kommt man zwar noch komfortabel auf das Parkdeck. Aber je nachdem, wer dort noch seinen Wagen abgestellt hat, kann es schwer sein, das Parkdeck auch wieder zu verlassen. Denn die Plätze wurden offensichtlich zu einer Zeit konzipiert, in der nicht nur eine andere Währung galt, sondern in der auch Kleinwagen noch wirklich schmal waren.