Neupotz / Leimersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein neuer Hof mit Vollpension für Pferde

Jeannine Wolf kommt mit ihrer Stute Quality Time aus der Führmaschine.
Jeannine Wolf kommt mit ihrer Stute Quality Time aus der Führmaschine.

Mit 14 Jahren hatte Jeannine Wolf ihr erstes eigenes Pferd. Mit 28 gewinnt sie zwei Europameistertitel im Westernreiten und arbeitet danach als Pferdetrainerin in London. Mit 32 kehrt sie nach Deutschland zurück. Jetzt steckt die 46-Jährige mitten in ihrem größten Projekt.

Kurz vor dem Ortseingang Neupotz tut sich was: Jeannine Wolf baut auf dem zweieinhalb Hektar großen Gelände am Erlenbach einen Pferdehof. Hier sollen bis zu 60 Tiere leben und unter modernsten Bedingungen trainieren können. Das Konzept sei vornehmlich auf Sportpferde, Zucht und Aufzucht ausgerichtet, sagt die Leimersheimerin. „Aber jeder, der es gut findet, ist willkommen.“ Auch der Hobby-Reiter. Wie auch immer, wer sein Pferd hierher bringt, muss nur „zum Reiten und für den Spaß“ kommen, erzählt Jeannine Wolf. Den Rest – Ausmisten, Füttern und andere Arbeiten im Stall – übernehmen Mitarbeiter. Bedarf an diesem „Rundum-sorglos-Service“ sieht die Betreiberin auf jeden Fall. Es gebe nicht viele Ställe in der Umgebung, die Vollpension für Pferde anbieten.

Jeannine Wolf rechnet mit zwei Vollzeit- und zwei Teilzeitkräften, die sie beschäftigen wird, darunter ein Verwalter, der hier wohnen soll. Das Haus auf dem ehemals landwirtschaftlichen Hof wurde kernsaniert. Hier soll künftig die „Schaltzentrale“ mit Wohn-, Seminar-, Büro- und Mitarbeiterräumen sein. Im „Reiterstübchen“ können sich die Besucher treffen. Es ist aber ein anderes Gebäude, das beim Gang über das Gelände sofort ins Auge springt: die Reithalle. Sie ist 60 Meter lang und und mehr als 23 Meter breit, in Holzbauweise errichtet. „Wegen der Nachhaltigkeit auch nur mit Hölzern aus Deutschland“, sagt Wolf. An dem Bauprojekt seien fast ausschließlich lokale Firmen beteiligt.

Boxen mit Vorgarten und Terrasse

An die Halle schließt sich der Stall mit fünf Innenboxen und 16 so genannten Paddockboxen an: Einzimmer-Wohnungen für Pferde mit Vorgarten und Terrasse. „Sie können rein und raus, wie sie wollen“, erklärt Jeannine Wolf. Hier haben die Tiere außerdem rund um die Uhr Zugang zum Heudepot und müssen nicht nach der Uhrzeit essen. „24 Stunden Knabberspaß“ nennt Wolf das. Alle Boxen seien deutlich über den Tierschutzvorgaben konzipiert. Auch die kreisrunde Führmaschine ist bereits montiert: Hier können sich sechs Pferde in Abteilen im Schritt aufwärmen, ein Trainingsprogramm durchlaufen. „Es funktioniert ähnlich wie ein Laufband für Menschen“, erklärt die gebürtige Karlsruherin.

Die 46-Jährige liebt den Reitsport: „Ich war schon als kleines Kind pferdeverrückt, wollte jede freie Minute im Stall verbringen.“ Sie wird Springreiterin. Mit 21 Jahren hat Jeannine Wolf einen schweren Reitunfall. „Ein Konzentrationsfehler“, sagt sie. Die junge Frau steigt trotzdem wieder aufs Pferd, entdeckt das Westernreiten für sich und wird mit einer „kleinen Araberstute“ zweifache Europameisterin. Sie schließt ihr Studium der Wirtschaftswissenschaft ab und entscheidet sich doch gegen einen Bürojob, macht sich stattdessen in England als Pferdetrainerin selbständig. Dort kommt sie auch mit der Pferdezucht in Berührung. Mittlerweile züchtet Wolf seit elf Jahren eigene Pferde.

Geburten werden überwacht

Die Zucht der „Erlenhof“-Pferde spielt sich in dem Teil des Betriebs ab, der baulich noch nicht so weit fortgeschritten ist - und der auf Leimersheimer Gemarkung liegt. Jeannine Wolf kümmert sich nicht nur um die Aufzucht eigener Pferde, sondern auch um trächtige Tiere und Jungpferde von anderen Besitzern. „Man kann zum Beispiel seine Stute zum Abfohlen hierher bringen“, erklärt sie. Die Stute werde betreut „und die Geburt von uns auch mit Hilfe von Kameras überwacht“.

Der Betrieb bietet auch Gruppenhaltung an, in der die Tiere wie in der Herde leben, nach Geschlechtern getrennt. Auf der „Leimersheimer Seite“ entstehen zudem eine Longierhalle, ein Außenreitplatz, Lager für Stroh und Maschinen und ganzjährig nutzbare Ausläufe, wo sich die Pferde auch wälzen können. Bis das alles fertig ist, werde es aber wohl nächstes Frühjahr. In die Einzelboxen auf Neupotzer Gemarkung sollen hingegen schon im Dezember die ersten Pferde einziehen. Um die 20 seien schon reserviert, sagt Wolf. Ein Teil davon für eigene Tieren. Neben dem Zucht- und Pensionsbetrieb plant die Unternehmerin auch kleine Turniere und Fohlenschauen.

Hof mit großem Brandschaden gekauft

Die Immobilie vor der Haustür war ein Glücksfall für Jeannine Wolf, die in Leimersheim wohnt. 2018 hat sie den Erlenhof gekauft, der 2013 in Flammen aufgegangen war. Abriss und Sanierung seien aufwändig gewesen. Etliche Umweltaspekte mussten mit Naturschutzbehörden abgestimmt, Frösche und Eidechsen umgesiedelt werden. „Alle haben mitgezogen“, auch die beteiligten Gemeinden. Viele Erdarbeiten wurden in Eigenleistung gemacht, nicht zuletzt weil Wolf auf Maschinen ihres Ehemanns zurückgreifen kann, der ein Kieswerk in Leimersheim betreibt. Unterm Strich investiere sie einen Betrag im unteren einstelligen Millionenbereich in ihr Projekt, sagt Wolf. Sie habe sich viel von ihrem Vater abgeschaut, der ebenfalls Altbauten saniert und sie im Reitsport von Klein auf unterstützt habe.

Die Reithalle ist mehr als 60 Meter lang.
Die Reithalle ist mehr als 60 Meter lang.
Neben der Reithalle entstehen Pferdeboxen mit kleiner Terrasse.
Neben der Reithalle entstehen Pferdeboxen mit kleiner Terrasse.
Die Führmaschine ist ein Blickfang an der Ortseinfahrt.
Die Führmaschine ist ein Blickfang an der Ortseinfahrt.
Das Bestandsgebäude auf dem Erlenhof wurde kernsaniert. Hier enstehen Aufenthalts- und Büroräume.
Das Bestandsgebäude auf dem Erlenhof wurde kernsaniert. Hier enstehen Aufenthalts- und Büroräume.
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