Kandel Ein-Mann-Theater: Es gibt keine Alternative zur Demokratie

Tino Leo in Aktion.
Tino Leo in Aktion.

Wie stehen Oberstufenschüler zur Demokratie? Sie sehen die aktuellen Entwicklungen durchaus mit Sorge, wie eine Diskussion an der IGS Kandel zeigte.

„Histotainer“ Tino Leo, ein Schauspieler, der Historisches mit Unterhaltung verbindet, hatte jüngst an der Integrierten Gesamtschule Kandel einen Auftritt mit einem Ein-Mann-Theaterstück. In diesem stellt er ein Kapitel deutscher Geschichte vom Wiener Kongress (1815) bis zur Revolution 1848/49 in unterhaltsamer Weise dar.

Leo zeigte die politischen Richtungen und den Freiheitskampf des Volkes gegen die Feudalherren auf. Dabei verkörperte er den Jakobiner Adam von Itzstein, Freiheitskämpfer und Abgeordneter der Paulskirchenversammlung, der auf der Flucht wegen Hochverrats und zum Tode verurteilt ist.

Die Revolution scheitert zwar, die vorgesehene Verfassung tritt nicht in Kraft. „Aber was hier begann, ist nicht mehr rückgängig zu machen“, betont Leo. „Die Grundrechte, Parlamente, Pressefreiheit, Volksversammlungen und Rechtsstaatlichkeit haben hier ihre Wurzeln. Die Verfassung ist die Großmutter eines allgemein gültigen Gesetzes. Manche Stellen sind noch in aller Munde.“

Aussprache und Fragen der Schüler der 12. und 13. Jahrgänge und der anwesenden Erwachsenen dauerten genauso lange wie das 45-minütige Theaterstück. Auf die Frage des Schauspielers, ob die Schüler diese 40 Jahre Geschichte nachvollziehen könnten, gab es Resonanz. „Geschichtsunterricht ist zwar auch gut, aber so wird man mehr begeistert – auch um positiv um die Demokratie zu kämpfen“, war eine der Antworten oder „Gerade, wo sie wieder mehr bedroht ist, müsse und könne jeder etwas im Kleinen dafür tun.“ Schüler fragten nach, ob sich ihm gegenüber schon jemand demokratiefeindlich geäußert habe. Leo meinte dazu, dass man aufklären müsse, dass es einfach keine Alternative zur Demokratie gäbe.

Auf den Einwurf der Lehrerin Gudrun Kampen, dass nach einer Umfrage in Deutschland inzwischen weniger als die Hälfte die Demokratie gut fände, kam von Schülern der Einwand, dass diese Leute gar nicht wüssten, wie gut es uns in Deutschland gehe. Darauf Leo: „Jugendliche finden sich nicht ernst genommen. Die Politik hat Nachholbedarf, es fehlt Empathie, während radikale Parteien mehr zuhören.“ Deshalb sei politische Bildung in der Schule wichtig, sein Stück sei ein Mosaiksteinchen.

So kam das Stück an die Schule: Gudrun Kampen, die an der IGS Kandel die AG „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“ leitet und Geschichtslehrerin ist, war zuvor vom Bezirksverband angeschrieben worden, ob sie Interesse hätte, mit diesem Theaterstück Demokratie aus verschiedenen Perspektiven zu erleben.

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