Kreis Germersheim Ein Loch auf dem Stimmzettel
Hier ist kein Missgeschick mit dem Locher passiert, sondern dahinter steckt pure Absicht: Bei der Wahl am Sonntag haben alle Stimmzettel in Rheinland-Pfalz ein gestanztes Loch in der rechten oberen Ecke. Es soll blinden Wählern helfen, den Stimmzettel auszufüllen.
Ein Novum bei dieser Wahl ist das Loch auf den Stimmzetteln zwar nicht, dennoch dürfte es bisher einigen Wählern, die schnell ihre Kreuzchen machen, nicht zwangsläufig aufgefallen sein. „Alle Stimmzettel in Rheinland-Pfalz sind gelocht, egal ob Brief- oder Urnenwahl“, berichtet Hans Ulrich Weidenfeller vom Büro des Landeswahlleiters in Bad Ems auf RHEINPFALZ-Anfrage. Nötig sei dies, um das Wahlgeheimnis zu wahren. Dies sei schon bei der Landtagswahl 2011 so gewesen. Sehbehinderte Menschen können mit einer Schablone ohne fremde Hilfe den gelochten Stimmzettel ausfüllen. „Man kann die Schablone aufklappen, um den Zettel einzulegen“, erklärt Anja Geißler, Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins (BSV) Rheinhessen. Nur über den in Mainz ansässigen Verein sind die Schablonen landesweit erhältlich. Weil die Schablonen für alle Wahlkreise einheitlich sind, befinden sich auf der Vorderseite zwei Spalten mit Nummern – eine für die Wahlkreis- und eine für die Landesstimme. „Neben jeder Nummer ist ein Loch, um die Stimme abgeben zu können“, erläutert Geißler. Jeder Partei sei eine Nummer zugeordnet. Begleithefte in Blinden- und Schwarzschrift für die einzelnen Wahlkreise informieren über die Direktkandidaten und die Namen der Landesliste – „wie sie für sehende Menschen auf dem Stimmzettel abzulesen sind“. Das Loch soll sicherstellen, dass der Stimmzettel richtig in der Schablone liegt. Auf der Schablone wiederum ist die obere rechte Ecke abgeschnitten. „Die Schablonen sind in den Wahllokalen nicht erhältlich“, betont Weidenfeller. Wer sie braucht, kann sie beim Blindenverein beantragen. „Es gibt 51 Wahlkreise und wir haben nach unseren Erfahrungen pro Wahlkreis fünf Schablonen produziert“, sagt Anja Geißler. Bislang seien 180 verschickt worden. Die Kosten trägt laut Weidenfeller das Land. (naf)