Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Insta-Post wird groß: Winterpakete für Menschen ohne Zuhause

Die Autos waren vollgepackt mit Spenden.
Die Autos waren vollgepackt mit Spenden.

Sari Lutz hatte ihre Spendenaktion erst als Weihnachtsprojekt gedacht. Doch dann ging ihr Post viral und viele Bedürftige bekamen ihre Päckchen schon früher überreicht.

Eigentlich sollte es nur ein kleiner Aufruf sein, den Sari Lutz am 22. September auf ihrem Instagram-Account gepostet hatte. „Unser Herzensprojekt für den Winter“ hieß es da. „Der Winter ist für viele für uns ungemütlich, für Menschen ohne Zuhause bedeutet er jedoch Lebensgefahr.“ Daher habe sie sich mit Freundinnen ein kleines Winterprojekt überlegt, schreibt die 22-Jährige. „Wir möchten obdachlosen Menschen eine Freude machen, mit warmen Sachen, kleinen Paketen und ganz viel Liebe.“ Es folgte eine kleine Liste mit möglichen Präsenten, darunter Decken und Sanitärartikel. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Sari Lutz nur 380 Follower – doch dann ging ihr Post viral und hatte über 184.000 Aufrufe. „Ich dachte nicht, dass das so groß wird.“

Schon als Mädchen engagiert

Das ehrenamtliche Engagement für Bedürftige wurde Sari Lutz quasi in die Wiege gelegt. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester hatte sie schon als junges Mädchen ehrenamtlich bei der Tafel Bad Bergzabern mitgearbeitet. Inzwischen lebt sie in Kandel und arbeitet in Vollzeit als Pflegefachfrau in der Großnotaufnahme des Städtischen Klinikums Karlsruhe. „Wir bekommen viele Obdachlose rein, durch Unterkühlung, Drogenkonsum, Alkohol“, sagt sie und merkt nüchtern an: „Da sterben auch viele.“

Diese Schicksale ließen die junge Frau nicht unberührt. „Da die Zahlen zugenommen haben, wollte ich darauf aufmerksam machen“, erklärt sie ihren Post. „Ich habe meine Freunde zusammengetrommelt und gesagt, wir machen das jetzt.“ Zuerst war die Sammelaktion als Weihnachtsprojekt gedacht. Doch wurde Sari Lutz von der Spendenbereitschaft geradezu überrollt. An die 180 Menschen beteiligten sich . Die Sachspenden – Geldspenden wurden nicht angenommen – stapelten sich in ihrem Keller – und beim Verteilen wollten vor allem Freundinnen und Freunde unterstützen, die ebenfalls im Bereich Pflege arbeiten. „Deshalb haben wir das dann im Oktober schon gemacht, da wir fast alle Urlaub hatten“, erläutert Sari Lutz. „Wir können in der Pflege ja nicht über Weihnachten oder Silvester Urlaub machen.“

Vorher nach Bedarf gefragt

Zuerst wurden alle Institutionen angerufen und nachgefragt, was sie konkret brauchen, wie viele Frauen und wie viele Männer Unterstützung benötigten. „Sie waren alle sehr dankbar“, sagt Sari Lutz. Dann wurde darauf geachtet, wie viele Plätze jeweils zur Verfügung stehen. So hat das „Sleep inn“ in Ludwigshafen nur 10 Plätze, die Sozialstation Augustiner der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Karlsruhe hingegen deutlich mehr. Weitere Stationen waren zum Beispiel das Haus der Familie in Bad Bergzabern oder das Hotel Anker der AWO in Karlsruhe, Anlaufstellen in Landau – aber auch der Treffpunkt Kriegsstraße 88 in Karlsruhe.

Dabei ging es auch um wichtige Details: Damenbinden für obdachlose Frauen, die sich diese Sanitärartikel oft nicht leisten können. Mundspülungen mit Alkohol wurden nicht auf der Straße verteilt, sondern eher ans Haus der Familie gegeben. „Obdachlose wurden sie vielleicht eher leer trinken“, sagt Sari Lutz.

Stets als Team unterwegs

Beim Verteilen selbst habe ihr Freundeskreis „eine Riesenrolle“ gespielt. „Das muss man als Teamprojekt machen, wir sind mit drei gepackten Autos in die Städte.“ Wenn man Menschen anspreche, die auf der Straße leben, sei es wichtig, sie zu duzen, erläutert sie. Das verringere die Distanz. Sie seien tagsüber unterwegs gewesen und durch die Straßen von Karlsruhe gelaufen. Man habe nachgefragt, ob zum Beispiel eine Winterjacke benötigt werden, dazu kamen insgesamt noch 64 Tüten mit „Vollausstattung: Duschgel Zahnpasta, Binden, Unterwäsche, Mütze, Schal“. Danach wurde die Hand gegeben oder die Faust getauscht. „Es haben sich alle gefreut.“

Das Projekt ist erst einmal abgeschlossen, der Insta-Account steht wieder auf privat. „Das war eine stressige Zeit“, sagt Sari Lutz rückblickend. „Ein Riesenprojekt, aber ein sehr schönes.“ Nun freue sie sich immer, wenn sie Menschen mit ihren Tüten sehe. „Mir geht es darum, dass man darauf aufmerksam macht, dass jeden dieses Schicksal treffen kann – schneller als man denkt.“

Sari Lutz (Mitte) und Sandra Ghaly, Hanna Wezel, Marc Morlok , Dominik Swarowsky. Auch geholfen und nicht im Bild zu sehen sind
Sari Lutz (Mitte) und Sandra Ghaly, Hanna Wezel, Marc Morlok , Dominik Swarowsky. Auch geholfen und nicht im Bild zu sehen sind Auch geholfen und nicht auf dem Foto sind Elena Klein und Celine Heinz .
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