Kreis Germersheim Ein Grünhorn im Choreographie-Dickicht

Wörth. „Klapp, klapp, klappe-di, klapp“, klackern die Stiefelabsätze über den Tanzboden aus Holzplatten, Billy Ray Cyrus singt „Achy Breaky Heart“. Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran, dazu die Daumen lässig in die Taschen der Jeans eingehängt; sieht eigentlich recht simpel aus, was die Gruppentänzer da anlässlich des Vorderlader- und Westernwaffenschießens des Schützenvereins Wörth vollführen.
Doch – und darin unterscheidet sich der Line Dance nicht von anderen körperlichen Betätigungen, die eine gewisse Behändigkeit und Grazie erfordern – sind die Bewegungsabläufe nur dem äußeren Anschein nach einfach. Das konnten Linien-Tanz-Grünhörner bei einer Schnupperstunde am Samstag erfahren. Petra Lacher, Tanzleiterin der Gruppe „Just for Kicks“, erläutert zunächst die Choreographie. Denn anders als beim Square Dance, einem amerikanischen Volkstanz, der in Gruppen von je vier Paaren getanzt wird, den Laien aber gern mit dem Line Dance verwechseln , gibt es hier keinen „Caller“, der den Tänzern die verschiedenen Tanzfiguren vorgibt. Vielmehr wird unabhängig vom Geschlecht in Reihen vor- und nebeneinander getanzt. „Cut a Rug“ heißt der erste Tanz, er ist ausdrücklich für Anfänger vorgesehen. Die Schrittfolge besteht aus 32 „Counts“ und setzt sich aus vier verschiedenen Figuren zusammen, die nach je acht Zählern wechseln. Für Fortgeschrittene gibt es auch Choreographien mit 48 oder 64 Schritten. Neben geschmeidigen Gliedern sollte der ambitionierte Line Dancer folglich auch über Mathegrundkenntnisse verfügen. Figur Nummer 1, der „Grapevine“, ist ein verschlungenes Geflecht von Seit-, Kreuz- und Rückschritten, so dass schnelle Fortschritte von vorneherein ausgeschlossen scheinen. Zumal noch Stampfer („Scuff“) und Schlurfer („Brush“) zu beachten sind. Und die musikalische Untermalung, „Roll Back the Rug“ von Scooter Lee, ein recht flotter Boogie ist. Kein Wunder, verheddert sich der Debütant recht schnell im undurchschaubaren Choreographie-Dickicht. Ob es an der falschen Ausrüstung liegt? Schließlich sind ausgelatschte Chucks kaum das geeignete Schuhwerk für Cowboy-Tänze. Auch ein Hut fehlt. „Die Cowboystiefel haben wir nur ausnahmsweise an. Gewöhnlich tragen wir Tanzschuhe“, tröstet Tänzer Bernd Schab. Nach drei oder vier Durchgängen läuft es dann auch ganz gut. Ernüchternd ist indes Schabs Einlassung, dass zum Standard-Repertoire eines herkömmlichen Linientänzers 100 Choreographien gehörten. An einschlägigen Tanzveranstaltungen, die es in ganz Deutschland gibt, könne allerdings schon teilnehmen, wer die Hälfte auf dem Kasten habe. Auch wer keine Vorliebe für Country-Musik hege, sei beim Line Dance prima aufgehoben, sagt Lacher. Es gebe Varianten mit irischer, katalanischer oder auch Pop-Musik. Sie selbst hat früher Volkstanz betrieben. „Aber da mein Mann nicht tanzt, habe ich eine Tanzform gesucht, bei der man keinen Partner braucht.“